2K-Lack und PU-Lack: Zusammensetzung, Verarbeitung und Einsatz

2K-Lack ist ein Zweikomponentenlack, der aus einem Stammlack und einem Härter besteht und erst nach dem Mischen chemisch aushärtet. PU-Lack ist ein Polyurethanlack, der als 2K-System oder als einkomponentiger Lack angeboten wird. Beide Gruppen bilden besonders harte, kratzfeste und chemikalienbeständige Oberflächen und werden für stark beanspruchte Holz-, Metall- und Bodenflächen eingesetzt. Dieser Beitrag erklärt, wie 2K-Lacke aufgebaut sind, wie sie verarbeitet werden, wo ihre Grenzen liegen und wie sie sich von Acryllack und Alkydharzlack unterscheiden.

Was ist 2K-Lack?

Bei einem 2K-Lack werden zwei Komponenten getrennt geliefert: der Stammlack mit dem Harz und den Pigmenten und der Härter, der mit dem Harz chemisch reagiert. Nach dem Mischen im vorgegebenen Verhältnis beginnt die Vernetzung, die auch ohne Luftzutritt und bei niedriger Temperatur abläuft. Das Ergebnis ist ein dichtes Netzwerk, das deutlich härter und beständiger ist als ein physikalisch trocknender Lack.

Mischungsverhältnis und Topfzeit

Das Mischungsverhältnis wird vom Hersteller vorgegeben, üblich sind Verhältnisse wie 2:1, 4:1 oder 10:1 nach Gewicht oder Volumen. Nach dem Mischen läuft die Topfzeit, in der der Lack verarbeitbar bleibt. Sie beträgt je nach Produkt etwa eine bis acht Stunden und wird bei Wärme kürzer. Wurde die Topfzeit überschritten, wird der Rest verworfen, auch wenn er noch flüssig wirkt.

Arten von 2K-Lacken

Nach dem Bindemittel unterscheidet man vor allem:

  • 2K-Polyurethanlack (PU): sehr hart, kratz- und witterungsbeständig, auch lichtecht in aliphatischer Ausführung
  • 2K-Epoxidharzlack: extrem haftstark und chemikalienfest, aber kreidend im Außenbereich, deshalb vor allem für Böden und Innenräume
  • 2K-Acryllack: schnelle Trocknung und gute Witterungsbeständigkeit, Standard im Fahrzeugbereich
  • Wasserbasierte 2K-Lacke: geruchsärmer, mit guter Härte, vor allem für Holz und Möbel

PU-Lack

PU-Lack ist der Oberbegriff für Lacke auf Polyurethanbasis, die aus Polyolen und Isocyanaten bestehen. Es gibt sie als zweikomponentige Systeme und als einkomponentige Varianten, die mit Luftfeuchtigkeit aushärten. PU-Lacke gelten als besonders abriebfest und widerstandsfähig, siehe auch Abriebsfestigkeit.

Anwendung und Einsatzbereiche

Holz im Innenbereich

Auf Möbeln, Treppen, Parkett und Küchenfronten schützen 2K-Lacke vor Kratzern, Getränken und Reinigungsmitteln. Wasserbasierte 2K-Systeme sind für Wohnräume verbreitet, weil sie weniger riechen.

Fenster und Türen im Außenbereich

Fenster, Haustüren und Rollläden werden mit 2K-PU-Lacken lackiert, wenn eine lange Haltbarkeit gewünscht ist. Die Anforderungen an Haftung und Witterungsbeständigkeit sind hoch, die Haftung wird mit dem Gitterschnitt geprüft, siehe Gitterschnitt.

Metall und Korrosionsschutz

Auf Stahl und verzinkten Flächen dienen 2K-Epoxid- und PU-Systeme als Grundierung und Deckanstrich. Sie schützen vor Korrosion und sind in Industrie und Stahlbau Standard. Die Haftung auf Metall verlangt gründliche Vorbehandlung, bei verzinkten Flächen zusätzlich einen dafür zugelassenen Haftgrund, weil blanke Zinkoberflächen mit vielen Lacken Haftungsprobleme verursachen.

Böden und Treppen

In Garagen, Werkstätten und Gewerberäumen werden Böden mit 2K-Epoxid- oder PU-Beschichtungen versehen. Sie sind abriebfest, öl- und chemikalienbeständig und leicht zu reinigen.

Heizkörper und temperaturbelastete Teile

Für Heizkörper werden meist 1K-Lacke verwendet, wie unter Heizkörperlack beschrieben. 2K-Systeme kommen dort zum Einsatz, wo besondere Härte oder Chemikalienbeständigkeit gefragt ist, die Temperaturgrenzen nennt das Datenblatt, siehe Hitzebeständigkeit.

Verarbeitung von 2K-Lack

Untergrund vorbereiten

Der Untergrund muss sauber, trocken, fettfrei und angeraut sein. Metall wird entrostet und entfettet, siehe Entfetten, Holz geschliffen. Glatte Untergründe brauchen einen Haftprimer, wie unter Primer beschrieben. Alte 1K-Lacke werden angeschliffen und auf Verträglichkeit geprüft.

Mischen

Stammlack und Härter werden genau im vorgegebenen Verhältnis gemischt und gründlich verrührt, nicht per Augenmaß. Abgewogen wird mit Waage oder Mischbecher. Danach folgt gegebenenfalls eine Reifezeit. Es wird nur so viel gemischt, wie innerhalb der Topfzeit verbraucht wird. Die Mischung wird beschriftet, damit der Beginn der Topfzeit bekannt bleibt.

Auftragen

2K-Lacke werden gestrichen, gerollt oder gespritzt. Beim Streichen und Rollen sind Lammfell- und Schaumstoffrollen üblich, beim Spritzen kommen Hochdruck- oder Niederdruckverfahren zum Einsatz, die unter Spritzapplikationen beschrieben sind. Die Schichtdicke wird mit der Nassschichtdicke kontrolliert, siehe Nassschichtdicke.

Trocknung und Durchhärtung

Staubtrocken ist 2K-Lack je nach Produkt nach 1 bis 4 Stunden, überlackierbar nach mehreren Stunden und begehbar nach rund einem Tag. Die volle chemische Beständigkeit wird nach etwa sieben Tagen erreicht. Bei niedrigen Temperaturen unter 10 °C stockt die Reaktion. Auch die Luftfeuchte beeinflusst manche Systeme, besonders einkomponentige Polyurethanlacke, die Feuchtigkeit zum Aushärten brauchen.

Reinigung und Verdünnung

Werkzeuge werden vor dem Aushärten mit dem vom Hersteller genannten Verdünner gereinigt, bei lösemittelhaltigen Produkten mit speziellen Reinigungsverdünnungen. Typische Verdünner sind unter Nitroverdünnung und Kunstharzverdünnung beschrieben, für 2K-Systeme gelten aber eigene Vorgaben.

Abgrenzung zu ähnlichen Lacken

2K-Lack vs. 1K-Lack

1K-Lacke wie Acryl- und Alkydharzlack trocknen physikalisch durch Verdunsten oder oxidativ durch Luftsauerstoff, wie in den Beiträgen Acryllack und Alkydharzlack beschrieben. 2K-Lacke härten chemisch und sind deutlich härter und beständiger, brauchen aber exaktes Mischen und haben nur begrenzte Topfzeit.

2K-Lack vs. Acryllack

Acryllack auf Wasserbasis ist geruchsarm, schnell trocken und leicht zu verarbeiten, erreicht aber nicht die Härte und Chemikalienbeständigkeit eines 2K-PU-Lacks. Für gering beanspruchte Flächen im Wohnbereich reicht er aus.

PU-Lack 1K vs. 2K

Einkomponentige PU-Lacke härten mit Luftfeuchtigkeit und sind einfacher zu verarbeiten, erreichen aber nicht die Eigenschaften der 2K-Systeme. Sie eignen sich für Holz und Möbel mit mittlerer Beanspruchung.

2K-Lack vs. Klarlack

Klarlack bezeichnet die farblose Ausführung eines Lacks und kann 1K oder 2K sein. Der Begriff beschreibt die Optik, nicht das Härtesystem, siehe Klarlack.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Die Härter enthalten meist Isocyanate, die Haut, Augen und Atemwege reizen und Allergien auslösen können. Beim Spritzen sind fremdbelüftete Atemschutzgeräte oder Masken mit Kombinationsfilter vorgeschrieben, Handschuhe aus Nitril oder Butyl und Schutzbrille sind Pflicht. Gearbeitet wird nur in gut belüfteten Räumen. Wer Isocyanatallergien entwickelt, darf nicht weiter mit diesen Produkten arbeiten. Bei regelmäßiger Verarbeitung kann eine arbeitsmedizinische Vorsorge erforderlich sein.

Lagerung

Härter reagieren mit Luftfeuchte, deshalb müssen Gebinde dicht verschlossen sein, angebrochene Dosen werden kurzfristig aufgebraucht. Die Lagerung erfolgt kühl und frostfrei, getrennt von Zündquellen. Die Haltbarkeit beträgt ungeböffnet meist 12 bis 24 Monate.

Entsorgung

Ausgehärtete Reste und Reste nach Ablauf der Topfzeit sind chemisch reagiert und können als Restabfall entsorgt werden. Nicht reagierte Reste, leere Gebinde und verschmutzte Lappen gehören zur Schadstoffsammlung, Abfallschlüssel 08 01 11 für lösemittelhaltige Lack- und Farbabfälle.

Stammlack und Härter werden für einen 2K-Lack gemischt

Häufig gestellte Fragen

1K-Lack ist gebrauchsfertig und trocknet physikalisch oder durch Luftsauerstoff. 2K-Lack besteht aus Stammlack und Härter, die gemischt werden und chemisch aushärten.

Die Topfzeit beträgt je nach Produkt etwa eine bis acht Stunden und ist bei Wärme kürzer. Sie steht im Datenblatt.

Ja, innerhalb der Überarbeitungszeit direkt, danach nach Anschleifen. Auf ausgehärteten 2K-Lacken haften andere Lacke nur nach gründlichem Anrauhen.

Die Härter enthalten häufig Isocyanate, die Haut und Atemwege reizen und sensibilisieren. Beim Verarbeiten ist Schutzausrüstung nötig, ausgehärtet ist der Lack unbedenklich.

Für stark begangene Treppen eignen sich 2K-PU-Lacke wegen ihrer Abriebfestigkeit. Wasserbasierte 2K-Systeme sind geruchsärmer.

Ja, auch mit Rolle. Bei Pinsel und Rolle ist die Topfzeit zu beachten, die Verarbeitung muss zügig erfolgen.

Staubtrocken nach etwa 1 bis 4 Stunden, begehbar nach etwa einem Tag, voll belastbar nach rund sieben Tagen. Niedrige Temperaturen verlängern die Zeit.

Verarbeitet wird meist zwischen 10 und 30 °C. Unter 10 °C bleibt die Reaktion unvollständig.

Gemischter Lack nicht, er härtet im Gebinde aus. Ungemischte Komponenten bleiben bei dichtem Verschluss haltbar.

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