Kunstharzverdünnung ist ein oft verwendetes, aber selten wirklich verstandenes Lösemittel – zu viel oder zu wenig kann die Materialeigenschaften einer Farbe erheblich verändern. Dieser Beitrag erklärt die chemische Zusammensetzung, wofür Kunstharzverdünnung eingesetzt wird und worauf beim Verdünnen zu achten ist.
Was ist Kunstharzverdünnung?
Kunstharzverdünnung ist ein Lösemittelgemisch, meist auf Basis aliphatischer Kohlenwasserstoffe, das zum Verdünnen lösemittelbasierter Kunstharzlacke wie Alkydharzlacke (siehe Alkydharzlacke) verwendet wird. Anders als aromatenhaltige Lösemittel (siehe Aromaten) gilt Kunstharzverdünnung als vergleichsweise mildes Lösemittel mit geringerem gesundheitlichem Risiko bei vergleichbarer Verdünnungswirkung für die meisten Standardlacke.
Warum Verdünnung die Filmeigenschaften verändert
Zu starkes Verdünnen reduziert nicht nur die Viskosität, sondern auch den Festkörpergehalt (siehe Festkörper) pro Auftragsmenge – dadurch entsteht nach dem Trocknen eine dünnere Trockenschicht als beabsichtigt, was Deckkraft und mechanische Widerstandsfähigkeit der fertigen Beschichtung erheblich beeinträchtigen kann.
Wofür Kunstharzverdünnung eingesetzt wird
Verarbeitungsviskosität einstellen
Bei zu dickflüssigen Lacken wird Kunstharzverdünnung zugegeben, um eine gleichmäßige Applikation zu ermöglichen.
Reinigung von Werkzeug
Pinsel und Geräte, die mit Kunstharzlacken verwendet wurden, lassen sich mit derselben Verdünnung effektiv reinigen.
Anpassung an Spritzverfahren
Für Airless- oder Hochdruckspritzverfahren wird die Viskosität oft mit Kunstharzverdünnung präzise auf die Geräteanforderungen abgestimmt.
Richtige Anwendung
- Herstellerangaben zur Verdünnungsmenge einhalten: Meist maximal 5 bis 10 Prozent, um die Materialeigenschaften nicht zu beeinträchtigen
- Nur kompatible Lacksysteme verdünnen: Nicht jede Verdünnung passt zu jedem Kunstharzlack
- Schrittweise verdünnen: Erst kleine Mengen zugeben und Konsistenz prüfen, bevor mehr hinzugefügt wird
- Ausreichende Belüftung sicherstellen: Auch milde Lösemittel erfordern gute Luftzirkulation während der Verarbeitung
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Kunstharzverdünnung vs. Aromaten
Aromaten (siehe Aromaten) haben ein höheres Lösevermögen, gelten aber als gesundheitlich bedenklicher als die aliphatische Kunstharzverdünnung.
Kunstharzverdünnung vs. Festkörper
Festkörpergehalt (siehe Festkörper) ist der nach dem Trocknen verbleibende Materialanteil – Kunstharzverdünnung reduziert diesen Anteil pro Auftragsvolumen direkt, was bei der Schichtdickenberechnung berücksichtigt werden muss.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Kunstharzverdünnung ist entzündbar und kann bei längerer Exposition die Atemwege reizen – ausreichende Belüftung sicherstellen, offene Flammen und Zündquellen fernhalten.
Lagerung
Kühl, trocken und von Zündquellen entfernt lagern, dicht verschlossen.
Entsorgung
Reste als gefährlicher Abfall über die Schadstoffsammelstelle entsorgen, niemals in den Abfluss.






