Alkydharzlacke gehören seit Jahrzehnten zu den robustesten Beschichtungssystemen im Malerhandwerk – auch wenn moderne wasserbasierte Alternativen ihnen in vielen Bereichen den Rang abgelaufen haben. Wer sie richtig einsetzt, profitiert von hoher Widerstandsfähigkeit; wer typische Fehler macht, riskiert Vergilbung oder längere Trockenzeiten als erwartet. Dieser Beitrag erklärt die chemische Grundlage der oxidativen Trocknung, Eigenschaften, Einsatzbereiche und den sicheren Umgang mit Alkydharzlacken.
Was sind Alkydharzlacke?
Alkydharzlacke sind lösemittelbasierte Lacke, deren Bindemittel aus veresterten, mit trocknenden Pflanzenölen modifizierten Polyestern besteht – chemisch eine Weiterentwicklung klassischer Ölfarben (siehe Ölfarben). Sie härten wie Ölfarbe durch Oxidation der ungesattägten Fettsäuren mit dem Luftsauerstoff (radikalische Vernetzung an den Doppelbindungen), trocknen aber deutlich schneller und liefern eine härtere, robustere Oberfläche als reine Ölfarbe.
Vor- und Nachteile gegenüber wasserbasierten Systemen
Alkydharzlack ist widerstandsfähiger bei starker mechanischer Belastung und liefert oft eine glattere Oberfläche (durch besseren Verlauf dank längerer offener Zeit), riecht aber deutlich stärker, trocknet langsamer und neigt zum Nachdunkeln (siehe Nachdunkeln), da die oxidativ vernetzten Ölreste bei UV-Lichtmangel nachträglich weiter reagieren.
Wofür Alkydharzlacke eingesetzt werden
Stark beanspruchte Holzoberflächen
Bei Türen, treppengeländern und anderen intensiv genutzten Bauteilen überzeugt Alkydharzlack durch hohe Abriebfestigkeit (siehe Abriebsfestigkeit) durch die dichtere Vernetzungsstruktur des ausgehärteten Films.
Wie eine Tür Schicht für Schicht fachgerecht lackiert wird, beschreibt die Anleitung Tür lackieren Schritt für Schritt.
Metallbeschichtungen
In Kombination mit passender Grundierung bietet Alkydharzlack guten Korrosionsschutz, besonders bei Außenbauteilen mit hoher Witterungsbelastung.
Restaurierung historischer Bauteile
Bei denkmalgeschützten Objekten wird oft bewusst zu Alkydharzlack gegriffen, um dem historischen Erscheinungsbild näher zu kommen als mit modernen Acrylsystemen.
Richtige Verarbeitung
- Ausreichend lüften: Der intensive Geruch durch aromatische Lösemittelanteile erfordert gute Belüftung während und nach der Verarbeitung
- Trocknungszeit realistisch einplanen: Vollständige Durchoxidation kann mehrere Tage bis Wochen dauern, besonders bei kühler Witterung unter 15 °C
- Passende Verdünnung verwenden: Kunstharzverdünnung (siehe Kunstharzverdünnung), nicht Wasser oder andere Lösemittel
- Nachdunkeln bei lichtarmen Stellen bedenken: An verdeckten Flächen eher vergilbungsarme Alternativen erwägen
Abgrenzung zu anderen Lacksystemen
Alkydharzlack vs. Acryllack
Acryllack (siehe Acryllack) trocknet physikalisch durch Verdunstung statt chemischer Oxidation, ist deshalb geruchsärmer, schneller und vergilbt weniger, erreicht aber bei extremer mechanischer Beanspruchung nicht ganz die Robustheit von Alkydharzlack.
Alkydharzlack vs. Ölfarbe
Ölfarbe (siehe Ölfarben) ist der historische Vorläufer ohne Veresterung mit synthetischen Polyestern und trocknet noch langsamer als Alkydharzlack, findet heute vor allem in der Restaurierung Anwendung.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Alkydharzlacke sind entzündbar und enthalten lösemittelbedingte VOC-Emissionen – gute Belüftung, Handschuhe und bei Spritzarbeiten Atemschutz sind erforderlich. Getränkte Lappen können sich durch die exotherme Oxidationsreaktion selbst entzünden (dokumentierte Brandursache) und gehören in einen geschlossenen Metallbehälter.
Lagerung
Kühl, trocken und von Zuendquellen entfernt lagern, in Originalgebinden dicht verschlossen.
Entsorgung
Flüssige Reste als gefährlicher Abfall über die Schadstoffsammelstelle, ausgehärtete Farbreste über den Hausmüll.







