Acryllack oder Kunstharzlack? Für Innenräume, Möbel und weiße Flächen, die nicht vergilben sollen, ist wasserverdünnbarer Acryllack die bessere Wahl: geruchsarm, nach 4 bis 6 Stunden überstreichbar. Kunstharzlack auf Alkydharzbasis verläuft glatter, wird härter und eignet sich für stark beanspruchtes Holz und Metall im Außenbereich.
Worauf es bei der Lackwahl ankommt
Beide Lacke decken, schützen und lassen sich mit Pinsel und Rolle verarbeiten. Der Unterschied liegt im Bindemittel und damit in der Art, wie der Film trocknet. Acryllack trocknet physikalisch: Das Wasser verdunstet, die Acrylatteilchen fließen zu einem Film zusammen. Kunstharzlack, fachlich Alkydharzlack, trocknet oxidativ: Das Lösemittel verdunstet, danach vernetzt das Harz mit dem Luftsauerstoff. Daraus ergeben sich fünf Kriterien, nach denen Sie entscheiden.
| Kriterium | Acryllack | Kunstharzlack (Alkydharz) |
|---|---|---|
| Verdünnung | Wasser | Testbenzin, Kunstharzverdünnung |
| Überstreichbar (Richtwert, 20 °C, 65 % rel. Feuchte) | nach 4 bis 6 Stunden | nach 16 bis 24 Stunden |
| Verlauf und Oberfläche | gut, Pinselstruktur eher sichtbar | sehr glatt, hoher Glanz möglich |
| Vergilbung bei Weißtönen | praktisch keine | ja, besonders bei wenig Licht und Wärme |
| Geruch und Raumluft | gering | deutlich, gründlich lüften |
- Einsatzort: Wohnräume, Kinderzimmer und Möbel sprechen für Acryllack. Gartentore, Geländer und Fensterläden im Freien vertragen die härtere Alkydharzschicht gut.
- Farbton: Weiß und helle Pastelltöne im Innenraum gehören auf Acrylbasis, weil Alkydharzlacke dort mit den Jahren gelblich werden.
- Zeitplan: Wer an einem Tag Grund-, Zwischen- und Schlussbeschichtung schaffen will, kommt nur mit Acryllack hin.
- Altanstrich: Was bereits darauf liegt, bestimmt den Aufbau. Darauf geht der Abschnitt zur Anwendung ein.
- Beanspruchung: Kanten, Handläufe und Türblätter, die oft angefasst werden, profitieren von der höheren Härte eines Alkydharzlacks.
Die Lacke im Vergleich
Die folgenden vier Lacke stehen für die typischen Einsatzfälle auf der Baustelle: zwei wasserverdünnbare Acryllacke und zwei lösemittelhaltige Alkydharzlacke. Maßgeblich für Verbrauch und Wartezeiten ist jeweils das technische Merkblatt des Herstellers.
Wilckens 2in1 Acryl Buntlack: Allrounder für innen und außen
Ein seidenmatter Acryllack im 750-ml-Gebinde, den der Hersteller für innen und außen freigibt. Der Farbton RAL 7016 Anthrazitgrau ist bei Metallzäunen, Garagentoren und Fensterbänken gefragt. Seidenmatte Oberflächen verzeihen kleine Unebenheiten besser als Hochglanz, ein Vorteil für Heimwerker. Welche Untergründe die 2in1-Angabe ohne eigene Grundierung abdeckt, steht im Merkblatt; auf blankem Stahl gehört nach meiner Erfahrung immer ein Rostschutzgrund darunter.
MissPompadour Möbellack: wasserbasiert für Möbel im Innenraum
Ein wasserbasierter Lack, ausdrücklich für Möbel gemacht. Für Kommoden, Schränke und Regale im Wohnraum ist das die richtige Lackart, weil der Geruch nach dem Lackieren schnell verfliegt und Weiß weiß bleibt. Möbelflächen sind Gebrauchsflächen: Planen Sie die volle Belastbarkeit erst nach einigen Tagen ein, auch wenn der Lack nach wenigen Stunden grifffest ist. Für glatte Flächen eignet sich eine feinporige Lackierrolle besser als der Pinsel.
Wilckens Kunstharz Buntlack: hochglänzend für Metall und Holz
Der klassische Alkydharzlack in Hochglanz, hier im 375-ml-Gebinde für kleinere Flächen wie Gartentore, Briefkästen oder Fensterläden. Hochglanz zeigt jeden Schleifkratzer, belohnt aber sorgfältige Vorarbeit mit einer sehr glatten, harten Oberfläche. Der Lack braucht deutlich länger bis zur Überstreichbarkeit als Acryllack. Rechnen Sie mit einem Arbeitsgang pro Tag.
Remmers Venti-Lack 3in1: Alkydharzlack für Holz außen
Laut Hersteller ein Alkydharzlack für Holz im Außenbereich, der als Grund-, Zwischen- und Schlussbeschichtung dient. Das 2,5-Liter-Gebinde in RAL 9016 Verkehrsweiß reicht für Fensterläden, Holzverkleidungen oder mehrere Holzfenster. Im Außenbereich spielt die Vergilbung kaum eine Rolle, weil das Tageslicht ihr entgegenwirkt. Dafür zählt die Wetterbeständigkeit, und hier sind Alkydharzlacke seit Jahrzehnten bewährt.
Vergleichstabelle
| Modell | Lackart | Glanz und Gebinde | Einsatzbereich | Eignung |
|---|---|---|---|---|
| Wilckens 2in1 Acryl Buntlack | Acryllack, wasserverdünnbar | seidenmatt, 750 ml | Holz und Metall innen und außen | Allround, wenig Geruch |
| MissPompadour Möbellack | wasserbasiert | 1 l | Möbel innen | Möbel, Kinderzimmer |
| Wilckens Kunstharz Buntlack | Alkydharzlack | hochglänzend, 375 ml | Holz und Metall innen und außen | kleine Flächen, Hochglanz |
| Remmers Venti-Lack 3in1 | Alkydharzlack | RAL 9016, 2,5 l | Holz außen | Fensterläden, Verkleidungen |
Fachhintergrund: warum sich die Lacke so unterschiedlich verhalten
Der Begriff Kunstharzlack ist ungenau. Chemisch ist auch ein Acryllack ein Kunstharzlack, denn Acrylharz ist ebenfalls synthetisch. Im Handel und auf der Baustelle meint Kunstharzlack aber fast immer den lösemittelhaltigen Alkydharzlack. Alkydharze sind mit pflanzlichen Ölen modifizierte Polyester. Die Ölanteile machen die oxidative Trocknung möglich und geben dem Film seine Härte und den guten Verlauf.
Genau diese Ölanteile sind auch der Grund für die Vergilbung. Ohne UV-Licht laufen im Film Nebenreaktionen ab, die gelbliche Verbindungen erzeugen. Ein weißer Alkydharzlack hinter einem Schrank oder an einem Heizkörper wird deshalb sichtbar gelb, während derselbe Lack an der sonnigen Außenseite eines Fensters weiß bleibt. Acrylatbindemittel enthalten diese Ölanteile nicht und vergilben praktisch nicht.
Acryllack hat eine andere Schwachstelle: Der Film bleibt in den ersten Tagen weich und leicht klebrig. Das nennt man Blocking. Fenster und Türen kleben dann im Falz fest, wenn sie zu früh geschlossen werden. Gute Acryllacke sind dagegen stärker vernetzt, trotzdem gilt: Falze dünn lackieren und mehrere Tage Zeit geben.
Für Holzbeschichtungen im Außenbereich ist das BFS-Merkblatt Nr. 18 maßgeblich. Es unterscheidet maßhaltige Bauteile wie Fenster und Außentüren von begrenzt maßhaltigen und nicht maßhaltigen Bauteilen wie Fensterläden und Zäunen. Für maßhaltige Bauteile sind deckende Lacksysteme mit geschlossenem Film der Regelfall, und die Holzfeuchte sollte beim Beschichten etwa 11 bis 15 Prozent betragen. Den Lösemittelgehalt von Lacken begrenzt seit 2010 die Decopaint-Richtlinie 2004/42/EG, in Deutschland umgesetzt durch die ChemVOCFarbV. Deshalb sind heutige Alkydharzlacke lösemittelärmer als ältere Produkte, riechen aber weiterhin deutlich.
Anwendung in der Praxis
Untergrund vorbereiten und schleifen
Reinigen Sie den Untergrund zuerst. Fett, Handschweiß und Nikotin lösen Sie mit einem Anlauger, danach wird mit klarem Wasser nachgewaschen. Alte, intakte Lackschichten schleifen Sie mit Körnung P180 bis P240 matt an, bis kein Glanz mehr zu sehen ist. Lose Altanstriche werden vollständig entfernt. Rohes Holz schleifen Sie in Faserrichtung mit P120 bis P180. Den Schleifstaub nehmen Sie vor dem Grundieren mit einem feuchten Tuch oder einem Staubbindetuch auf.
Grundieren und Lacksystem wechseln
Bleiben Sie beim Lacksystem, ist der Aufbau einfach: Acryl auf Acryl, Alkyd auf Alkyd, nach Anschliff. Wechseln Sie das System, wird es kritisch. Acryllack auf einem alten Alkydharzanstrich haftet nur, wenn der Altanstrich voll durchgehärtet, gründlich angeschliffen und entfettet ist. Auf sehr glatten oder unbekannten Altanstrichen setzen Sie zusätzlich einen Haftgrund ein. Auf Holz mit Inhaltsstoffen wie Eiche, Meranti oder Astlöchern verhindert ein Sperrgrund, dass Holzinhaltsstoffe durch einen Acryllack durchschlagen. Die Grundierung trocknet je nach Produkt 4 bis 12 Stunden.
Lackieren mit Pinsel und Rolle
Für Acryllack nehmen Sie Pinsel mit Kunstborsten, weil Naturborsten Wasser ziehen und aufspreizen. Für Alkydharzlack eignen sich Natur- oder Mischborsten. Flächen rollen Sie mit einer feinporigen Schaumstoff- oder Velourwalze vor und schlichten sie anschließend in eine Richtung mit dem Pinsel oder der fast leeren Rolle. Tragen Sie dünn auf, zwei dünne Schichten halten besser als eine dicke.
Zwischen den Schichten machen Sie einen Zwischenschliff mit P240 bis P320. Bei Acryllack ist das nach 4 bis 6 Stunden möglich, bei Alkydharzlack frühestens am nächsten Tag. Verdünnen Sie nur, wenn das Merkblatt es erlaubt. Acryllack verdünnen Sie mit Wasser, Alkydharzlack mit Kunstharzverdünnung oder Testbenzin, jeweils höchstens um wenige Prozent. Arbeiten Sie bei Acryllack nicht unter 8 °C Luft- und Objekttemperatur.
Lösemittel, Lüftung und Arbeitsschutz
Alkydharzlacke geben beim Trocknen Lösemittel ab. Lüften Sie Innenräume während und nach dem Lackieren quer und nicht nur auf Kipp. Bei größeren Flächen in schlecht belüfteten Räumen und beim Schleifen alter Anstriche schützt eine Halbmaske mit Kombinationsfilter A1P2 vor Lösemitteldämpfen und Staub. Lappen und Schleifvlies mit Alkydharzlack können sich durch die oxidative Trocknung selbst entzünden. Legen Sie sie ausgebreitet im Freien zum Trocknen aus oder bewahren Sie sie in einem geschlossenen Metallbehälter mit Wasser auf.
Häufige Fehler aus der Praxis
Acryllack direkt auf alten Kunstharzlack. Ohne Anschliff und Entfettung haftet der Acrylfilm nicht auf dem dichten, glatten Altanstrich und lässt sich nach Wochen mit dem Fingernagel abziehen. Gegenmaßnahme: Altanstrich mattschleifen, anlaugen und auf glatten Flächen einen Haftgrund einsetzen.
Weißer Alkydharzlack im Innenraum. Heizkörper, Innentüren und Möbel werden innerhalb weniger Jahre gelblich, besonders an lichtarmen Stellen. Gegenmaßnahme: Für weiße Innenflächen Acryllack oder einen ausdrücklich vergilbungsarmen Lack wählen.
Zu dick oder zu früh überlackiert. Alkydharzlack bildet bei dickem Auftrag Runzeln, weil die Oberfläche schneller härtet als die Schicht darunter. Acryllack klebt im Falz, wenn Fenster zu früh geschlossen werden. Gegenmaßnahme: Dünn auftragen, Wartezeiten aus dem Merkblatt einhalten und Fenster einige Tage angelehnt lassen.







