Rauputz ist ein Oberputz mit grobkörniger, rauer Oberfläche, der innen wie außen verwendet wird und zu den klassischen Strukturputzen gehört. Die Körner des Zuschlags bleiben sichtbar, die Fläche wirkt mineralisch und unregelmäßig. Dieser Beitrag erklärt, was Rauputz ist, wie er ausgeführt wird, wie er sich von Reibeputz, Rillenputz und Spritzputz unterscheidet und wie man ihn reinigt oder glättet.
Was ist Rauputz?
Rauputz ist ein Oberputz, dessen Struktur durch grobe Zuschläge mit Korngrößen von meist 2 bis 6 mm entsteht. Nach dem Auftragen wird die Fläche nur so weit bearbeitet, dass die Körner nicht verschmiert werden. Dadurch entsteht eine gleichmäßig raue Oberfläche, die Licht streut und Unebenheiten im Untergrund überdeckt. Die Schreibweise Rauhputz ist ebenfalls gebräuchlich.
Bindemittel
Rauputze gibt es mineralisch mit Kalk, Kalkzement oder Zement, als Gipsrauputz im Innenraum und kunstharzgebunden als Fertigputz im Eimer. Mineralische Putze sind diffusionsoffen und robust, Kunstharzputze gleichmäßiger in Farbe und einfacher zu verarbeiten.
Münchner Rauputz
Der Münchner Rauputz ist eine bekannte Ausführung, bei der der Putz mit dem Schwammbrett oder Filzbrett abgerieben wird. Es entsteht eine grobe, gleichmäßige Struktur mit offenen Poren. Der Begriff bezeichnet häufig eine Körnung von 2 bis 3 mm.
Eigenschaften
Die grobe Struktur macht Rauputz unempfindlich gegen kleine Beschädigungen und überdeckt Risse und Unebenheiten. Nachteilig ist die Schmutzaufnahme: Staub, Ruß und Spinnweben setzen sich in der Struktur fest und lassen sich schwer entfernen.
Anwendung und Einsatzbereiche
Außenfassaden
An Fassaden wird Rauputz als Oberputz auf einem Unterputz aufgebracht. Geeignet sind mineralische und organisch gebundene Putze, wie sie die Beiträge Mineralischer Fassadenputz und Organisch gebundener Fassadenputz beschreiben.
Innenräume
Im Innenbereich findet sich Rauputz in Treppenhäusern, Fluren, Kellern und Garagen und in älteren Wohnungen. Dort wird er mit Dispersionsfarbe gestrichen und prägt den Raum durch die Struktur.
Sanierung und Modernisierung
Bei der Modernisierung älterer Wohnungen wird Rauputz häufig überarbeitet. Er kann gestrichen, mit Spachtelmasse geglättet oder mit Raufaser oder Vlies überzogen werden. Die Qualitätsstufen für glatte Flächen beschreibt der Beitrag Qualitätsstufen Q1 bis Q4.
Unterputz
Als Untergrund dienen Kalk-, Kalkzement- oder Gipsputze. Die Putzarten stehen unter Kalkputz und Gipsputz.
Verarbeitung und Überarbeitung
Untergrund vorbereiten
Der Unterputz muss fest, ausgetrocknet und tragfähig sein. Starke Saugunterschiede werden mit einem Putzgrund ausgeglichen, auf glatten Untergründen hilft eine Haftbrücke. Die Standzeit des Unterputzes beträgt als Faustregel einen Tag je Millimeter.
Auftragen und Strukturieren
Der Oberputz wird gleichmäßig aufgebracht und abgezogen. Danach wird er nach Ansteifen abgerieben, wie der Beitrag Filzen beschreibt, oder gespritzt und nur leicht nachgearbeitet. Für eine einheitliche Struktur sollte eine Fläche in einem Zug bearbeitet werden.
Streichen
Gestrichen wird mit einer Langflorwalze mit hoher Florhöhe und satt, damit die Farbe in die Vertiefungen gelangt. Dispersions- und Silikatfarben eignen sich, bei Fassaden sind Fassadenfarben nötig. Die Rolle muss häufig nachgeladen werden. Nach dem Anstrich wird die Fläche im Streiflicht kontrolliert, weil ausgelassene Stellen in der groben Struktur sonst erst später auffallen.
Glätten
Wer Rauputz glätten möchte, schleift Spitzen ab und füllt die Vertiefungen mit Spachtelmasse, meist mehrlagig und flächig. Alternativ wird die Fläche mit einem Malervlies überzogen, wie es der Beitrag Malervlies beschreibt. Danach wird gestrichen. Bei Q3 ist mit mehreren Spachtelgängen und Zwischenschliff zu rechnen.
Reinigen
Trockene Verschmutzung wird abgesaugt oder mit weichem Besen abgekehrt. Rußflecken werden mit einem trockenen Rußschwamm abgenommen, bevor feucht gearbeitet wird, damit der Ruß nicht verschmiert. Bei Fassaden hilft Wasser mit Bürste, Hochdruck löst Körner. Staub an Decken und Kanten wird regelmäßig abgesaugt, damit sich keine festen Schmutzränder bilden.
Putzdicke und Standzeit
Der Oberputz wird meist in einer Dicke aufgetragen, die dem Größtkorn entspricht, bei einem Korn von 3 mm also in Schichten von etwa 3 bis 6 mm, je nach Hersteller. Der Unterputz muss vorher ausreichend ausgetrocknet sein, damit der Rauputz nicht ungleichmäßig abbindet. Bei Gipsrauputz im Innenraum sind die Standzeiten wesentlich kürzer als bei mineralischen Putzen, dafür ist er nicht für Feuchträume geeignet. Gipsrauputz wird deshalb vor allem in trockenen Wohn- und Flurbereichen eingesetzt.
Farbe und Anstrich
Rauputze sind entweder durchgefärbt oder werden gestrichen. Durchgefärbte Putze behalten die Farbe, die Pigmente liegen über die gesamte Schichtdicke. Gestrichene Flächen brauchen bei grober Struktur mehr Farbe, weil die Oberfläche deutlich größer ist als bei glatten Flächen. Als Faustregel steigt der Farbverbrauch gegenüber glatten Wandflächen um etwa die Hälfte.
Typische Fehler
Wolkenbildung entsteht, wenn der Putz zu unterschiedlichen Zeiten abgerieben wird. Ansatzstellen zeigen sich im Streiflicht, wenn nicht nass in nass gearbeitet wird. Risse entstehen durch zu schnelles Trocknen oder durch Bewegung im Untergrund, bei Außenputzen kommen Algen und Pilze auf feuchten Flächen hinzu, die den Beitrag Algen erklärt.
Rauputz entfernen
Wenn sich eine Fläche nicht überarbeiten lässt, wird der Putz abgestemmt oder abgefräst und neu aufgebaut, oder die Wand wird mit einer Vorsatzschale aus Gipskarton verkleidet. Vor dem Abtragen in älteren Gebäuden wird eine Materialprobe auf Asbest untersucht, weil beim Abtragen große Mengen Staub entstehen.
Rauputz an der Decke
Deckenputze mit grober Struktur sind in älteren Gebäuden verbreitet. Sie lassen sich wie Wandputze streichen, brauchen aber mehr Farbe und mühsames Arbeiten über Kopf. Wer die Decke glätten will, spachtelt mehrlagig oder verkleidet sie mit einer abgehängten Decke.
Abgrenzung zu ähnlichen Putzen
Rauputz vs. Reibeputz
Reibeputz wird mit dem Reibebrett kreisend verrieben und wirkt gleichmäßig fein. Rauputz bleibt gröber und unregelmäßiger. Details beschreibt der Beitrag Reibeputz.
Rauputz vs. Rillenputz
Rillenputz erhält durch das Reiben mit grobem Korn gerichtete Rillen, Rauputz wirkt ohne klare Richtung. Eine Einordnung steht unter Rillenputz.
Rauputz vs. Spritzputz
Spritzputz wird gespritzt oder angeworfen und bleibt wulstig stehen. Rauputz wird abgezogen und strukturiert. Beide Putze zeigen grobe Strukturen, unterscheiden sich aber in der Herstellung, siehe Spritzputz.
Rauputz vs. Streichputz
Streichputz ist ein dünner Fertigputz zum Auftragen mit der Rolle, der feine Strukturen erzeugt. Rauputz ist dicker und gröber. Der Beitrag Streichputz und Rollputz beschreibt das System.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Beim Schleifen und Abtragen entsteht Staub, Atemschutz der Klasse FFP2 ist sinnvoll. In Gebäuden aus der Zeit vor 1993 kann Asbest in Putzen enthalten sein, deshalb wird vor dem Abschleifen eine Materialprobe untersucht. Mineralische Putze sind alkalisch, Handschuhe und Schutzbrille sind Pflicht.
Lagerung
Säcke lagern trocken und auf Paletten. Eimerputze werden frostfrei und dicht verschlossen gelagert, angebrochene Gebinde bilden an der Oberfläche eine Haut. Vor dem Auftragen wird der Eimerinhalt gut aufgerührt, damit Körnung und Farbe gleichmäßig verteilt sind.
Entsorgung
Ausgehärteter Putz und Schleifabfälle gelten als Bauschutt. Waschwasser wird nicht in Gewässer oder Kanalisation geleitet, weil mineralische Putze den pH-Wert stark erhöhen.

Wie der Anstrich auf strukturiertem Untergrund gelingt: Rauputz streichen.






