Algen auf Fassaden sind ein optisches Ärgernis, das viele Hausbesitzer beschäftigt – aber ein rein kosmetischer Anstrich dagegen löst selten das eigentliche Problem. Wer die bauphysikalische Ursache nicht klärt, sieht den Bewuchs meist innerhalb weniger Jahre wiederkehren. Dieser Beitrag erklärt, welche Organismen genau beteiligt sind, warum moderne Fassaden besonders gefährdet sind und wie eine nachhaltige Lösung aussieht.
Was sind Algen an der Fassade?
Der grünliche Fassadenbewuchs besteht meist aus Grünalgen der Gattungen Pleurococcus (Chlorella) oder Chlorella – einfache, photosynthetisch aktive Mikroorganismen (siehe Mikroorganismen), die sich auf feuchten Oberflächen ansiedeln. Sie brauchen im Wesentlichen Feuchtigkeit, Licht und geeignete Oberflächenstruktur, um zu wachsen – bereits eine relative Luftfeuchte von über 80 Prozent an der Oberfläche über mehrere Stunden reicht für eine Besiedlung aus.
Warum gerade Fassaden betroffen sind
Moderne, gut gedämmte Fassaden (siehe Wärmedämm-Verbundsystem – WDVS) kühlen nachts durch Abstrahlung stärker aus als früher (Taupunktunterschreitung), wodurch sich morgens länger Tauwasser auf der Oberfläche hält – ein idealer Nährboden für Algen, obwohl die Dämmung selbst technisch einwandfrei ist. Physikalisch liegt das an der geringen Wärmespeicherfähigkeit der dünnen Deckschicht über der Dämmung.
Wo Algenbewuchs besonders häufig auftritt
Nordfassaden
Weniger Sonneneinstrahlung bedeutet längere Feuchtigkeitsverweildauer – Nordseiten sind deshalb typischerweise stärker betroffen als sonnenexponierte Fassadenseiten.
Beschattete Bereiche durch Baeume
Fassadenbereiche unter dichten Baumkronen trocknen langsamer ab und sind zusätzlich organischen Ablagerungen (Pollen, Blattreste) ausgesetzt, die als Nährstoffquelle dienen.
Gedämmte Fassaden mit geringer Speichermasse
Fassaden mit hoher Dämmwirkung kühlen nachts stärker aus, was die Tauwasserbildung am Morgen begunstigt.
Zur mechanischen Reinigung befallener Fassaden eignen sich oft Hochdruckreiniger — eine Übersicht geeigneter Geräte bietet ein eigener Beitrag dazu.
Ist der Bewuchs bereits vorhanden, folgt nach der Ursachenbeseitigung die Reinigung, bei gedämmten Fassaden mit deutlich reduziertem Druck. Welche Geräte das leisten, zeigt der Vergleich Hochdruckreiniger für alle Anwendungen.
Nachhaltige Behandlung
- Ursache prüfen: Beschattung, Bepflanzung oder bauliche Feuchtequellen identifizieren
- Algizide Beschichtung: Neuanstrich mit fungizider/algizider Ausstattung (siehe Fungizide Algizide), meist mit Wirkstoffen wie Terbutryn oder Diuron
- Bepflanzung zurückschneiden: Wo möglich, Abstand zu dichten Sträuchern oder Baeumen schaffen
- Regelmäßige Kontrolle: Der Schutz lässt mit den Jahren nach, da die Wirkstoffe durch Regen ausgewaschen werden
Abgrenzung zu ähnlichen Phänomenen
Algen vs. Kreiden
Kreiden (siehe Kreiden) ist ein rein physikalischer Alterungsprozess der Farbschicht ohne biologische Ursache, während Algenbewuchs aus lebenden Organismen besteht, die aktiv wächst und sich ausbreitet.
Algen vs. Pilze
Pilze (siehe Pilze) treten meist eher schwarz oder gräulich auf (typisch Alternaria oder Cladosporium) und können die Bausubstanz strukturell angreifen, während Algen überwiegend oberflächlich, grünlich und rein optisch relevant sind.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Bei der Reinigung befallener Fassaden mit Hochdruckreiniger oder Bioziden Schutzbrille und Handschuhe tragen, da Sprühnebel und algizide Wirkstoffe wie Terbutryn reizend wirken können und teils als gewässergeährdend eingestuft sind.
Lagerung
Algizide Farben und Reinigungsmittel frostfrei und dicht verschlossen lagern.
Entsorgung
Abgewaschenes Reinigungswasser mit Bioziden nicht ungefiltert in die Kanalisation oder Umgebung ableiten, da die enthaltenen Wirkstoffe gewässertoxisch wirken können – Herstellervorgaben beachten.







