Malervlies und Renoviervlies

Malervlies, auch Renoviervlies oder Deckenvlies genannt, ist ein überstreichbarer Wandbelag, der Risse überbrückt und unruhige Untergründe beruhigt. Dieser Beitrag erklärt, woraus Malervlies besteht, wie es über die Wand statt über die Bahn eingekleistert wird, wo es Raufaser und Q3-Spachtelung ersetzt und wie es sich von normaler Vliestapete unterscheidet.

Was ist Malervlies?

Malervlies ist ein unbedrucktes Faservlies aus Zellulose- und Polyesterfasern, das als Renovieruntergrund auf Wände und Decken geklebt wird. Es überbrückt Haarrisse, kaschiert Flicken und Strukturunterschiede und ergibt nach dem Überstreichen eine gleichmäßige, glatte oder fein strukturierte Fläche. Angeboten wird es in Grammaturen von etwa 100 bis über 200 g/m² – je schwerer, desto mehr deckt und überbrückt es.

Glattvlies und Strukturvlies

Glattvlies ergibt eine ebene Fläche fast wie eine gespachtelte Wand und wird gern unter matten Anstrichen eingesetzt. Strukturvlies hat eine feine, gleichmäßige Prägung als dezente Alternative zur Raufasertapete – ohne deren sichtbare Bahnenstöße.

Anwendungsbereiche

  • Rissige oder geflickte Alt-Wände, die nicht komplett neu verputzt werden sollen
  • Ungleichmäßig strukturierte Flächen nach dem Entfernen alter Tapeten
  • Gipskartondecken, bei denen die Plattenstöße dauerhaft unsichtbar bleiben sollen
  • Als günstigere Alternative zur vollflächigen Q3-Spachtelung, wenn eine matte Endbeschichtung geplant ist

Bei stark unebenen Wänden ersetzt Vlies keine Spachtelung – es folgt der Wandkontur und macht Wellen nicht verschwinden.

Verarbeitung

Untergrund

Der Untergrund muss fest, tragfähig, trocken und gleichmäßig saugend sein. Lose Altanstriche, kreidende Flächen und Tapetenreste müssen herunter, gröbere Löcher werden gespachtelt. Stark oder ungleich saugende Flächen werden mit verdünntem Vlieskleber oder Tiefengrund vorbehandelt.

Kleben im Wandklebeverfahren

Anders als bei Papiertapete wird der Spezial- oder Dispersionskleister direkt auf die Wand aufgerollt (Wandklebetechnik). Die trockene Vliesbahn wird in den nassen Kleister eingelegt, blasenfrei angedrückt und mit der Rakel oder dem Andrückroller ausgestrichen. Bahnen werden überwiegend stumpf gestoßen; überlappt geschnittene Stöße (Doppelschnitt) ergeben die unauffälligste Naht. Überstehende Reste am Boden und an der Decke werden mit Spachtel und Cuttermesser abgeschnitten.

Überstreichen

Nach vollständiger Trocknung des Kleisters (meist 24 bis 48 Stunden) wird das Vlies zweimal mit Dispersionsfarbe gestrichen. Der erste Anstrich darf etwas verdünnt sein, damit sich die Fasern nicht aufstellen. Glänzende Farben betonen jede Naht – unter Seidenglanz und Latex ist Glattvlies plus Q3-Untergrund die bessere Basis.

Abgrenzung

Malervlies vs. Vliestapete

Vliestapete hat einen Dekordruck oder eine ausgeprägte Struktur und ist das fertige Wandbild. Malervlies ist unbedruckt und immer zum Überstreichen gedacht – es ist der Untergrund, nicht die Optik.

Malervlies vs. Raufaser

Raufaser ist günstiger, hat aber sichtbare Bahnenstöße, lässt sich nur begrenzt oft überstreichen und reisst beim Entfernen. Malervlies ist teurer, dabei nahtarm, reißfest, feuchtebeständiger und später meist trocken in ganzen Bahnen abziehbar.

Malervlies vs. Glasfasergewebe

Glasfasergewebe ist deutlich zugfester und wird zur echten Rissarmierung in stark bewegten Untergründen verwendet. Malervlies beruhigt die Fläche optisch und überbrückt Haarrisse, ist aber keine statische Armierung.

Malervlies vs. Spachtelung

Eine vollflächige Spachtelung stellt die Ebenheit her, Vlies nicht. Auf einer welligen Wand bleibt die Welle unter dem Vlies sichtbar – dann führt an der Spachtelung kein Weg vorbei.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Das Vlies selbst ist unbedenklich. Vlieskleister und Dispersionskleber enthalten Konservierungsmittel, die eine Kontaktallergie auslösen können – Handschuhe tragen. Bei Deckenarbeit Schutzbrille aufsetzen; Cutter- und Spachtelschnitte mit scharfer Klinge führen, um Ausreißer zu vermeiden.

Lagerung

Vliesrollen stehend, trocken und vor Druckstellen geschützt lagern. Kleisterpulver trocken, angemachten Kleister frostfrei und innerhalb weniger Tage aufbrauchen.

Entsorgung

Vliesreste und abgezogenes, gestrichenes Vlies sind Restabfall. Kleisterreste eintrocknen lassen und als Restabfall entsorgen, Verpackungen als Wertstoff.

Weißes Malervlies wird an eine Wand geklebt

Häufig gestellte Fragen

Malervlies ist unbedruckt und zum Überstreichen gedacht, Vliestapete ist bedruckt oder strukturiert und bereits das fertige Wandbild.

Ja. Unbehandelt ist es fleckempfindlich und nicht wischfest. Üblich sind zwei Anstriche mit Dispersionsfarbe.

Von fest sitzender, nur ein- bis zweimal gestrichener Raufaser wird meist abgeraten – besser die Raufaser entfernen. Bei dünn gestrichener, tadelloser Raufaser ist es nach Grundierung möglich, die Struktur zeichnet sich aber ab.

Für glatte, leicht rissige Wände reichen etwa 130 bis 150 g/m². Für stark geflickte oder grob strukturierte Untergründe nimmt man 200 g/m² und mehr.

In der Regel ja: An einer Ecke anlösen und die Bahn trocken abziehen. Wie leicht es geht, hängt vom Untergrund und vom verwendeten Kleber ab.

Meist stumpf, weil die Bahnen maßhaltig sind. Die unsichtbarste Naht entsteht durch einen überlappenden Zuschnitt mit anschließendem Doppelschnitt.

Für matte Anstriche auf ebenem Untergrund oft ja, und günstiger. Bei Streiflicht und Glanzfarben führt an der echten Spachtelung kein Weg vorbei.

Ja, gerade um Plattenstöße und Risse an Gipskartondecken dauerhaft zu kaschieren. Zu zweit arbeiten, damit die Bahn beim Einlegen nicht einreißt.

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