Schnelle Antwort
Schleifvlies ist ein Kunstfaservlies mit eingebundenem Schleifkorn. Es ist formbar, setzt sich nicht zu und arbeitet auch nass. Die Körnung wird nicht in Zahlen wie beim Papier angegeben, sondern in Stufen — grob, mittel, fein, sehr fein — die etwa den Papierkörnungen 60 bis 400 entsprechen. Vlies trägt weniger ab als Papier: Es ist für das Mattieren, Reinigen und Zwischenschleifen gedacht, nicht für den groben Abtrag.
Was Schleifvlies ist
Ein Vlies besteht aus einem wirren Kunstfasernetz, in das Schleifkorn eingebunden ist. Anders als Papier oder Gewebe hat es keine Richtung: Es lässt sich falten, rollen, in Profile drücken und auswaschen.
Daraus folgen drei Eigenschaften:
- Es setzt sich nicht zu. Späne fallen durch das offene Netz, das Korn bleibt frei.
- Es passt sich an. Rundungen, Sicken und Profile werden gleichmäßig erreicht.
- Es arbeitet gleichmäßig. Die Körnung liegt über die ganze Fläche an, nicht nur auf einer Seite.
Der Nachteil: Der Abtrag ist gering. Wer eine Lackschicht abtragen will, braucht Papier oder Abbeizer.
Der Körnungskasten: Ein Set mit mehreren Stufen deckt die Körnungen ab, die man von Hand bis zum Feinschliff braucht.
Die Körnungsstufen
| Stufe | entspricht etwa | Anwendung |
|---|---|---|
| grob | Korn 60 bis 80 | Entrosten, Farbreste lösen, Metall reinigen |
| mittel | Korn 100 bis 150 | Anschleifen von Grundierungen, Mattieren |
| fein | Korn 180 bis 240 | Zwischenschliff zwischen Lackschichten |
| sehr fein | Korn 320 bis 400 | Politurvorbereitung, Metallfinish |
Die Entsprechung ist eine Orientierung, keine Norm: Vlies und Papier verhalten sich unterschiedlich, weil das Korn anders gebunden ist.
Wofür Schleifvlies
- Metall: Entrosten, Entfernen von Zunder, Mattieren von Edelstahl.
- Holz: Zwischenschliff zwischen Lackschichten, Anschleifen von Rundungen.
- Farbe und Lack: Mattieren vor dem nächsten Auftrag, ohne durchzuschleifen.
- Treppen und Geländer: Profile und Rundungen, die mit Papier nicht erreichbar sind.
- Reinigung: Abbeizreste, Kleberreste, Roststellen.
Vlies oder Papier
| Punkt | Schleifvlies | Schleifpapier |
|---|---|---|
| Abtrag | gering bis mittel | hoch |
| Formbarkeit | sehr gut | gering |
| Zusetzen | kaum | häufig, besonders bei Lack |
| Oberfläche | gleichmäßig matt | kann Riefen ziehen |
| Nässe | geeignet | je nach Papier |
| Preis pro Fläche | höher | niedriger |
Welche Körnung zu welchem Material gehört, steht in der Schleifpapier-Körnungstabelle. Die Faustregel: Papier für den Abtrag, Vlies für die Oberfläche. Wer eine alte Lackschicht entfernen will, kommt mit Vlies nicht weit; wer eine neue Lackschicht mattieren will, ist mit Vlies schneller und gleichmäßiger.
Nass oder trocken
Vlies kann nass arbeiten. Das ist bei Metall und bei stark staubenden Flächen von Vorteil: Wasser bindet den Staub, die Oberfläche bleibt kühl.
- Metall nass: Kühlt die Fläche, verhindert Anlauffarben.
- Holz trocken: Nässe stellt Holzfasern auf, die Oberfläche wird rau.
- Lack trocken: Mit Absaugung arbeiten, sonst setzt sich Staub in die frische Schicht.
Handhabung
- Vlies in Streifen reißen, nicht schneiden — die gerissene Kante arbeitet besser in Ecken.
- Mit leichtem Druck arbeiten. Vlies verliert durch zu viel Druck seine Wirkung, weil das Korn zugesetzt wird.
- Nach dem Schleifen abkehren oder absaugen; Vliesstaub ist fein und setzt sich überall ab.
- Bei Metall: in eine Richtung arbeiten, damit ein gleichmäßiges Schliffbild entsteht.
Der Schleifblattkasten: Auf ebenen Flächen bleibt Schleifpapier die günstigere Ergänzung zum Vlies, besonders bei gröberen Körnungen.
Häufige Fehler aus der Praxis
| Fehler | Folge | Abhilfe |
|---|---|---|
| Vlies für groben Abtrag | Der Lack bleibt drauf, das Vlies ist nach Minuten verschlissen. | Papier oder Abbeizer für den Abtrag. |
| Zu viel Druck | Das Korn setzt sich, die Oberfläche wird ungleichmäßig. | leicht und gleichmäßig arbeiten. |
| Nass auf Holz | Aufgestellte Fasern machen die Oberfläche rau. | Holz trocken schleifen. |
| Vlies ohne Absaugung | Feiner Staub verteilt sich im Raum. | absaugen. |
| Zu feine Stufe zu früh | Wer mit 400 beginnt, poliert die Kratzer, statt sie zu entfernen. | mit der mittleren Stufe beginnen. |







