Schleifvlies: Aufbau, Körnung und Einsatz

Schleifvlies ist ein Schleifmittel aus einem offenen Fasergefüge, in das Schleifkorn eingebettet ist. Anders als Papier setzt es sich nicht zu, sondern gibt den Schleifstaub durch die Poren nach außen ab. Beim Zwischenschliff von Lacken und beim Anrauen glatter Flächen ist es deshalb oft die bessere Wahl. Dieser Beitrag erklärt Aufbau und Körnung, die Formate, den Einsatz per Hand und Maschine und die Abgrenzung zu Schleifpapier, Nassschleifen und Schleifschwamm.

Was ist ein Schleifvlies?

Schleifvlies besteht aus einem dreidimensionalen Gefüge von Kunststofffasern, das mit Schleifkorn und einem Bindemittel hergestellt wird. Die Fasern sind wirr verlegt und bilden Poren, durch die Staub und Späne abgeführt werden. Dadurch bleibt die Schneide länger frei als bei einem geschlossenen Papier.

Das Vlies ist flexibel und passt sich Rundungen, Profilen und Kanten an, ohne zu brechen. Es lässt sich trocken und nass einsetzen; viele Ausführungen sind für den Nassschliff mit Wasser oder Seifenlauge gemacht. Für den einmaligen Gebrauch gibt es dünne Ausführungen als Rolle, für die Werkstatt dasselbe Material in größerer Stärke.

Aufbau und Korn

Als Korn kommen Aluminiumoxid, Siliciumcarbid und zunehmend Keramikkorn zum Einsatz. Aluminiumoxid ist der Allrounder für Holz, Lacke und Metalle, Siliciumcarbid ist härter und wird für Lacke, Kunststoffe und Stein verwendet. Das Korn ist über das Bindemittel an den Fasern verankert, sodass beim Arbeiten kein loses Korn zurückbleibt.

Körnung und Farbkennzeichnung

Die Körnung wird in der üblichen P-Skala angegeben. Viele Hersteller kennzeichnen sie zusätzlich über die Farbe des Vlieses, etwa hellbraun für den groben, rot für den mittleren und blau oder grau für den feinen Bereich. Diese Farben sind nicht genormt; verbindlich ist allein die Angabe auf der Verpackung.

Formate und Formen

Geliefert werden Vliese als Rollen, als Streifen für Handschleifer, als Pads mit Klettrücken für Exzenter und als Schwämme mit Vliesauflage. Für den Handschliff werden Streifen auf einen Klotz oder ein Handpad gespannt; für Maschinen gibt es Scheiben mit Klett- oder Korkrücken. Ein Streifen wird nicht bis zum Ende benutzt: Sobald die Kanten ausfransen, rutscht er auf dem Klotz und arbeitet ungleichmäßig.

Eigenschaften

Das offene Gefüge macht das Vlies formbar, saugfähig und langlebig. Es trägt weniger ab als Papier gleicher Körnung, arbeitet dafür gleichmäßiger über die Fläche und hinterlässt weniger Kratzer. Für den Zwischenschliff zählt genau diese gleichmäßige Wirkung mehr als die Abtragsleistung.

Wofür Schleifvlies eingesetzt wird

Zwischenschliff von Lacken

Zwischen zwei Lackschichten wird die Fläche nur matt angeschliffen, damit die nächste Lage greift. Ein feines Vlies nimmt dabei Staub und Lackpickel ab, ohne durch die Schicht zu arbeiten. Wird zu grob geschliffen, bleiben Kratzer sichtbar, die der Decklack nicht mehr füllt.

Anrauen und Mattieren

Glatte Oberflächen aus Kunststoff, Metall, Melamin oder Altlack brauchen eine angeraute Oberfläche für die Haftung. Ein Vlies mittlerer Körnung erzeugt ein gleichmäßiges Schleifbild, das sich anschließend prüfen lässt; wie das geht, beschreibt der Gitterschnitt.

Kanten und Profile entgraten

An Kanten, Profilen und Ausschnitten wird mit dem Vlies entgratet und verrundet. Ein Grat, der unter dem Anstrich stehen bleibt, ist später nicht zu verdecken, weil Farbe an scharfen Kanten zurückzieht. Das Vlies ist hier dem Papier überlegen, weil es sich um den Radius legt, statt ihn abzuschneiden.

Metall und Entrosten

Auf Stahl und Eisen nimmt Vlies Flugrost und Anlaufschichten ab, ohne das Blech anzugreifen. Für die Vorbereitung von Untergründen vor dem Anstrich reicht das oft aus; feste Rostnarben müssen mechanisch entfernt werden.

Reinigen und Entstauben

Grobe Vliese werden zum Abreiben von Werkzeug, von Profilen und von Kellen benutzt, weil sie kein Metall enthalten und keine Kratzer setzen. Beim Reinigen von Fliesenprofilen und Fensterbänken ist das ein praktischer Nebeneffekt.

Altlack und Zwischenschliff in einem Zug

Beim Anschleifen von Altanstrichen nimmt ein Vlies gleichzeitig Staub und Unebenheiten ab. Es eignet sich damit für den letzten Durchgang vor dem Neuanstrich, wenn die Fläche tragfähig und sauber ist.

Verarbeitung

Vorbereitung der Fläche

Vor dem Schleifen wird die Fläche entstaubt und entfettet. Lose Anstriche und Blasen werden vorher abgestoßen, weil sie unter dem Vlies abplatzen und Schlieren bilden. Beim Nassschliff wird die Fläche vorher angefeuchtet, damit der Staub gebunden wird.

Nass oder trocken arbeiten

Trockenes Schleifen ist schneller, staubt aber und setzt die Poren langsam zu. Nassschleifen bindet den Staub, kühlt die Fläche und arbeitet auf Lacken feiner; dafür muss die Fläche danach trocknen, bevor weitergearbeitet wird. Auf saugenden Untergründen wie Füllern oder Gipskarton wird trocken gearbeitet.

Per Hand

Der Vliesstreifen wird auf einen Klotz oder ein Handpad gespannt und mit gleichmäßigem Druck geführt. Geschliffen wird in wechselnden Richtungen, nicht kreisförmig auf der Stelle, weil sich sonst ein Muster abzeichnet, das der Decklack nicht mehr verdeckt.

Mit der Maschine

Auf dem Exzenter oder Schwingschleifer läuft das Vlies auf einem Klett- oder Korkrücken. Entscheidend ist eine niedrige Drehzahl, weil hohe Drehzahlen Wärme erzeugen, die den Lack anweicht und Schmiere bildet. Vor dem ersten Durchgang wird die Fläche getestet.

Reinigen des Vlieses

Zwischendurch wird das Vlies ausgeklopft oder mit Druckluft ausgeblasen, damit die Poren frei bleiben. Bei Nassanwendung wird es ausgewaschen und getrocknet. Ausgewaschene Vliese verlieren Korn und arbeiten danach ungleichmäßig.

Lebensdauer erkennen

Ein Vlies arbeitet so lange, wie es noch Körnung trägt und gleichmäßig greift. Wird die Fläche glasig, ohne dass etwas abgetragen wird, ist das Korn stumpf. Vliese mit Kleberresten, Harz oder Farbschmiere werden ersetzt, nicht weiterverwendet. Ein klebriges Vlies schmiert die Fläche zu und hinterlässt Riefen, die sich nur mit einem neuen Schleifgang entfernen lassen.

Abgrenzung zu ähnlichen Schleifmitteln

Schleifvlies vs. Schleifpapier

Papier trägt bei gleicher Körnung mehr ab und ist billiger, setzt sich aber zu und bricht an Kanten. Vlies arbeitet gleichmäßiger, passt sich Formen an und ist für den Feinschliff die bessere Wahl.

Schleifvlies vs. Nassschleifen

Nassschleifen bezeichnet die Technik mit Wasser als Kühl- und Spülmittel, häufig auf Papier oder Schwamm. Ein Vlies kann dabei das Werkzeug sein, ist aber nicht dasselbe: Nassschleifen ist ein Verfahren, Vlies ein Werkzeug.

Schleifvlies vs. Schleifschwamm

Ein Schleifschwamm ist ein Schaumstoff mit Kornauflage, der sich an Kanten anschmiegt und Feuchtigkeit aufnimmt. Er ist für kleine Flächen und Ecken gedacht; das Vlies arbeitet dagegen flächig und langlebiger.

Schleifvlies vs. Topfscheibe

Die Topfscheibe trägt grob ab und wird für Farbe, Zunder und feste Anstriche auf Metall verwendet. Sie arbeitet aggressiv und hinterlässt tiefe Riefen, die erst mit feineren Schleifmitteln beseitigt werden müssen. Vlies und Topfscheibe gehören damit zu unterschiedlichen Arbeitsgängen.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Beim Schleifen entsteht Staub, der je nach Untergrund Asbest oder quarzhaltige Anteile enthalten kann. Absaugung oder Atemschutz sind Standard; beim Nassschliff ist zusätzlich Hautschutz sinnvoll, weil Lauge die Hände entfettet.

Lagerung

Vliese werden trocken und ohne Druck gelagert, weil plattgedrückte Ware an Wirkung verliert. Rollen stehen aufrecht, Scheiben liegen flach; ölgetränkte Vliese werden getrennt aufbewahrt, damit sie sich nicht mit Harz vollsetzen.

Entsorgung

Vliese ohne Schadstoffanteile kommen in den Restmüll. Mit Lack-, Harz- oder Ölresten sind sie Abfall mit Schadstoffanteil und werden entsprechend der Angabe im Sicherheitsdatenblatt entsorgt.

Schleifvlies beim Anschleifen einer Lackfläche

Häufig gestellte Fragen

Vlies besteht aus einem offenen Fasergefüge, Papier aus einer geschlossenen Schicht. Vlies trägt weniger ab, arbeitet dafür gleichmäßiger und setzt sich weniger zu.

Für den Zwischenschliff von Lacken reicht eine feine Körnung im Bereich der feinen Papiersorten. Ziel ist nur das Mattieren, nicht der Abtrag.

Ja, viele Ausführungen sind für den Nassschliff gemacht. Wasser oder Seifenlauge binden den Staub und kühlen die Fläche.

Ausklopfen oder mit Druckluft ausblasen. Bei Nassanwendung auswaschen und trocknen lassen.

Wenn es glasig wird und nichts mehr abträgt. Klebrige Vliese mit Harz- oder Farbresten werden sofort ersetzt.

Ja, für Flugrost und Anlaufschichten. Für festen Rost und Zunder ist es zu weich.

Sie kennzeichnet meist die Körnung, ist aber nicht genormt. Verbindlich ist die Angabe auf der Verpackung.

Ja, mit passendem Klettrücken. Wichtig ist eine niedrige Drehzahl, damit keine Wärme entsteht.

Für den Feinschliff und zum Entgraten. Für groben Abtrag wird Papier oder ein Schleifgerät mit Papier benötigt.

Sauberes Vlies in den Restmüll, Vlies mit Lack-, Öl- oder Harzresten in die Schadstoffsammlung.

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