Untergrund

Bevor eine Farbe deckt, ein Putz haftet oder eine Tapete hält, entscheidet der Untergrund über Erfolg oder Misserfolg der Beschichtung. Fachlich bezeichnet der Begriff die Oberfläche eines Bauteils, auf die ein Anstrich, ein Putz, ein Bodenbelag oder eine Tapete unmittelbar aufgebracht wird – vom rohen Beton über mineralischen Putz bis zum tragfähigen Altanstrich. Die DIN 18363 (VOB Teil C, Maler- und Lackierarbeiten) verpflichtet den Auftragnehmer ausdrücklich zur Prüfung des Untergrunds vor Arbeitsbeginn und zur Bedenkenanzeige bei erkennbaren Mängeln. Dieser Beitrag erklärt, welche Untergrundarten es gibt, wie sie geprüft und vorbereitet werden und wo die Grenzen zu Primer, Grundbeschichtung und Haftbrücke liegen.

Was ist Untergrund?

Der Untergrund ist die vorhandene Bauteiloberfläche, auf der ein neuer Schichtaufbau – Anstrich, Putz, Spachtelmasse, Tapete oder Bodenbelag – aufbaut. Das BFS-Merkblatt Nr. 1 „Beurteilen und Vorbereiten von Untergründen“ gilt als anerkannte Regel der Technik und unterscheidet Untergründe nach Materialart, Saugfähigkeit, Festigkeit, Ebenheit, Feuchtegehalt, Reinheit und Alkalität.

Mineralische Untergründe

Kalk-, Kalkzement- und Zementputz, Beton sowie Kalksandstein sind meist alkalisch mit einem pH-Wert zwischen 9 und 13, was bei nicht alkalibeständigen Beschichtungen zu Verseifung führen kann. Frischer Zementputz und Beton benötigen je nach Schichtdicke 2 bis 4 Wochen Abbindezeit, bei Kalkputz genügen meist 5 bis 7 Tage.

Untergründe aus Holz und Holzwerkstoffen

Massivholz, Sperrholz, OSB- und Gipsfaserplatten reagieren stark auf Feuchtigkeit. Die Holzfeuchte sollte für Innenanstriche 8 bis 12 % nicht überschreiten, gemessen mit einem elektronischen Feuchtemessgerät. Harzaustritt an Astlöchern muss vor der Beschichtung isoliert werden, da er sonst durchschlägt.

Metallische und sonstige Untergründe

Stahl, Aluminium und Zink verlangen eine auf das Metall abgestimmte Grundierung, meist Korrosionsschutz- oder Haftgrund, da sonst selbst hochwertige Decklacke innerhalb weniger Monate abplatzen. Auch alte, tragfähige Anstriche, Tapetenreste oder Fliesenflächen gelten als eigenständiger Untergrund mit spezifischen Anforderungen an Reinigung und Anrauen.

Anwendung und Einsatzbereiche

Malerarbeiten und Fassadenanstrich

Im Innenanstrich entscheidet vor allem die Saugfähigkeit über Materialverbrauch und Anzahl der Anstrichgänge. Bei der Fassade kommen Bewitterung, Algenbefall und die Tragfähigkeit des Altanstrichs hinzu – ein Kreuzschnitt-Test nach DIN EN ISO 2409 zeigt, ob ein bestehender Anstrich als Untergrund taugt oder entfernt werden muss.

Tapezier- und Spachtelarbeiten

Für Tapezierarbeiten muss der Untergrund eben, saugfähig und rissfrei sein; Ebenheitsabweichungen über 3 mm auf 1 m Messlänge nach DIN 18202 erfordern vorheriges Spachteln. Bei Glattvlies wird zusätzlich ein Wassertropfentest gemacht, um Blasenbildung beim Tapezieren zu vermeiden.

Bodenbelags- und Fliesenarbeiten

Vor dem Verlegen von Parkett, Vinyl oder Fliesen ist die Restfeuchte des Estrichs entscheidend: Bei Zementestrich gelten maximal 2,0 CM-%, bei Anhydritestrich maximal 0,5 CM-% als Grenzwert, gemessen mit der Calciumcarbid-Methode (CM-Gerät). Zusätzlich prüfen Bodenleger Ebenheit und Oberflächenzugfestigkeit, bevor Ausgleichsmasse oder Kleber aufgetragen werden.

Untergrund prüfen und vorbereiten

Sichtprüfung und Saugfähigkeitstest

Zuerst wird die Fläche auf Risse, Ausblühungen und Beschädigungen abgesucht. Der Saugfähigkeitstest erfolgt durch einen Wassertropfen: Zieht er innerhalb weniger Sekunden vollständig ein, ist der Untergrund stark saugend und benötigt Tiefgrund; bleibt er länger als eine Minute stehen, ist er kaum saugend und eher für Haftbrücken geeignet.

Festigkeits- und Haftzugprüfung

Ein Klebeband-Abrisstest zeigt sandende oder kreidende Oberflächen: Bleiben Reste am Klebeband haften, ist der Untergrund nicht tragfähig und muss verfestigt oder abgetragen werden. Bei Putz und Beton ergänzt ein Klopftest mit dem Fäustel die Prüfung auf Hohlstellen, die vor der Beschichtung neu verputzt werden müssen.

Feuchte- und pH-Wert-Messung

Elektronische Feuchtemessgeräte oder bei Estrichen das CM-Gerät liefern belastbare Werte. Der pH-Wert lässt sich mit Indikatorpapier bestimmen: Werte über 9 weisen auf frischen, alkalischen Untergrund hin, bei dem alkaliresistente oder mindestens 4 Wochen abgebundene Beschichtungen notwendig sind.

Reinigung und Mängelbeseitigung

Staub, Fett und Algenbewuchs werden je nach Untergrund abgebürstet, mit dem Hochdruckreiniger bei maximal 100 bar gereinigt oder per Netzmittelwäsche behandelt. Risse werden bis auf tragfähigen Grund geöffnet und mit rissüberbrückenden Systemanstrichen verschlossen, bevor die Beschichtung beginnt.

Grundierung je nach Befund

Das Prüfergebnis bestimmt die Vorbehandlung: Tiefengrund für stark saugende, sandende Untergründe; Haftgrund oder Haftbrücke für glatte, wenig saugende Flächen; Sperrgrund bei Nikotin- oder Wasserflecken, die sonst durchschlagen. Erst nach vollständiger Trocknung – je nach Produkt 2 bis 12 Stunden – folgt der eigentliche Anstrich.

Abgrenzung zu ähnlichen Fachbegriffen

Untergrund vs. Primer

Der Untergrund ist die vorhandene Fläche selbst, der Primer das Produkt, das auf Basis der Untergrundprüfung ausgewählt und aufgetragen wird. Ohne Beurteilung des Untergrunds lässt sich kein geeigneter Primer bestimmen.

Untergrund vs. Grundbeschichtung

Die Grundbeschichtung ist eine Maßnahme, die auf dem Untergrund aufgebaut wird, um Saugfähigkeit zu egalisieren. Der Untergrund ist die Ausgangsbasis, die Grundbeschichtung der erste Arbeitsschritt des Beschichtungsaufbaus.

Untergrund vs. Haftbrücke

Eine Haftbrücke ist eine spezielle Grundierung für schwierige, nicht saugende Untergründe wie Fliesen oder alte Dispersionsanstriche. Sie kommt nur bei bestimmten Untergrundtypen zum Einsatz, während die Untergrundbeurteilung für jede Fläche notwendig ist.

Untergrund vs. Substrat

In technischen Datenblättern und Normen wird oft „Substrat“ anstelle von „Untergrund“ verwendet; inhaltlich sind beide Begriffe deckungsgleich. Im Handwerk hat sich „Untergrund“ durchgesetzt, „Substrat“ eher in wissenschaftlichen Texten.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Bei Altanstrichen vor 1989 besteht Verdacht auf bleihaltige Farben, bei Fassaden vor 1993 zusätzlich auf asbesthaltige Putze; hier ist vor Arbeitsbeginn eine Materialprobe nötig, gegebenenfalls unter Beachtung der TRGS 519. Beim Trockenschliff FFP2-Maske und Schutzbrille tragen, bei Asbestverdacht nur Fachbetriebe beauftragen.

Lagerung

Grundierungen und Haftbrücken sind frostfrei zwischen 5 und 25 °C zu lagern; eingefrorene Dispersionsgrundierungen verlieren ihre Bindekraft unwiderruflich. Angebrochene Gebinde luftdicht verschließen, da viele Grundierungen bereits nach wenigen Wochen antrocknen.

Entsorgung

Abgetragene Altanstriche mit Verdacht auf Schwermetallgehalt gehören als Sondermüll in die Schadstoffsammlung, nicht in den Bauschutt. Reste wasserbasierter Grundierungen dürfen nach vollständigem Antrocknen in den Hausmüll, lösemittelhaltige Produkte nur über die Schadstoffsammlung.

Klebeband-Abrisstest zur Prüfung der Tragfähigkeit einer sandenden Putzoberfläche

Häufig gestellte Fragen

Ein Klebeband-Abrisstest und ein Klopftest mit dem Fäustel zeigen lose oder hohlliegende Stellen. Bleibt das Klebeband sauber und klingt die Fläche gleichmäßig, gilt der Untergrund als tragfähig.

Ein saugender Untergrund nimmt Wasser und Bindemittel schnell auf, was zu ungleichmäßiger Farbverteilung führen kann. Erkennbar am Wassertropfentest: Zieht der Tropfen innerhalb weniger Sekunden ein, ist der Untergrund stark saugend.

Nicht zwingend, aber bei stark saugenden, kreidenden oder glatten Untergründen verbessert eine passende Grundierung Haftung und Deckvermögen erheblich. Bei intakten Altanstrichen kann oft direkt überstrichen werden.

Die Calciumcarbid-Methode mit einem CM-Gerät liefert den verbindlichen Wert in CM-%. Für Zementestrich gelten maximal 2,0 CM-%, für Anhydritestrich maximal 0,5 CM-% als Grenzwert.

Kreidende Flächen zunächst mit einem Anlauger oder durch Abbürsten befreien und anschließend mit Tiefengrund festigen. Erst danach ist eine neue Beschichtung dauerhaft haftfest.

Indikatorpapier zeigt den pH-Wert direkt an: Werte über 9 gelten bei frischem Putz oder Beton als typisch alkalisch. Erst nach ausreichender Abbindezeit oder mit alkaliresistenter Beschichtung weiterarbeiten.

Erkennt der Malerbetrieb Untergrundmängel außerhalb seines Gewerks, muss er dies nach VOB/B unverzüglich als Bedenken anzeigen. Unterbleibt diese Anzeige, haftet der ausführende Betrieb für spätere Schäden mit.

Kalkputz benötigt meist 5 bis 7 Tage, Zement- und Kalkzementputz je nach Schichtdicke 2 bis 4 Wochen Abbindezeit. Bei kühler, feuchter Witterung verlängert sich die Trocknungszeit entsprechend.

Bei regulärer Beauftragung ist die Untergrundprüfung meist im Angebotspreis enthalten. Eine eigenständige, gutachterliche Analyse mit Feuchte- und pH-Messung liegt je nach Aufwand zwischen 150 und 400 Euro.

Welche Grundierung für den konkreten Fall passt, ermittelt der Vor-dem-Streichen-Assistent anhand weniger Diagnosefragen.

Ähnliche Beiträge