Zementestrich ist ein Estrich mit Zement als Bindemittel und die am häufigsten eingebaute Estrichart im Wohnungsbau. Er trägt den Bodenbelag, verteilt Lasten und bildet die ebene Fläche, auf die Fliesen, Parkett oder Laminat verlegt werden. Dieser Beitrag erklärt, wie ein Zementestrich aufgebaut ist, wie er trocknet und wann er belegreif ist und wie er sich von Calciumsulfat- und Fließestrich unterscheidet.
Was ist Zementestrich?
Zementestrich ist ein Estrichmörtel aus Zement, Sand beziehungsweise Gesteinskörnung und Wasser, der nach DIN EN 13813 mit dem Kurzzeichen CT bezeichnet wird. Er wird auf der Baustelle gemischt oder als Fertigmörtel geliefert und in Dicken von meist 40 bis 70 mm eingebaut. Als Teil des Fußbodenaufbaus nimmt er Lasten auf und bildet die ebene Nutzschicht oder den Untergrund für Beläge. Der allgemeine Begriff ist unter Estrich erklärt.
Bezeichnung und Festigkeitsklassen
Die Kennzeichnung folgt dem Muster CT-C25-F4. CT steht für Zementestrich, C25 für die Druckfestigkeitsklasse in N/mm² und F4 für die Biegezugfestigkeitsklasse in N/mm². Im Wohnungsbau sind CT-C25-F4 und CT-C30-F5 verbreitet, bei Heizestrichen kommen häufig höhere Biegezugfestigkeiten zum Einsatz.
Bauarten
Nach DIN 18560 werden drei Bauarten unterschieden:
- Verbundestrich: haftet vollflächig auf dem tragenden Untergrund und kann dünner ausgeführt werden.
- Estrich auf Trennschicht: liegt auf einer Folie oder Lage und ist vom Untergrund getrennt.
- Schwimmender Estrich: liegt auf einer Dämmschicht und ist von Wänden durch Randdämmstreifen getrennt. Er ist im Wohnungsbau die häufigste Variante.
Dicken
Beim schwimmenden Estrich sind ohne Heizung meist 45 bis 50 mm üblich. Bei Heizestrich muss das Rohr mit mindestens 45 mm Zementestrich überdeckt sein, die Gesamtdicke liegt dann bei rund 65 mm. Genaue Werte hängen von der Verkehrslast und der Dämmschicht ab und werden in der Planung festgelegt.
Anwendung und Einsatzbereiche
Wohnungsbau und Sanierung
Im Neubau und bei Kernsanierungen ist der schwimmende Zementestrich der Standardaufbau. Er nimmt Trittschalldämmung und Beheizung auf und lässt sich später mit nahezu jedem Belag versehen. Zur Dämmschicht darunter gehört die Trittschalldämmung.
Mit Fußbodenheizung
Bei Warmwasser-Fußbodenheizungen sind die Heizrohre im Estrich eingebettet. Zementestrich leitet die Wärme gut und eignet sich dafür. Die Systeme sind im Beitrag Fußbodenheizungssysteme beschrieben. Vor der Belegung muss der Estrich nach einem Aufheizprotokoll aufgeheizt werden.
Feuchträume und Keller
Zementestrich ist im ausgehärteten Zustand wasserunempfindlich und deshalb in Bädern, Küchen und Kellern der übliche Estrich. In Nassbereichen wird darauf eine Abdichtung im Verbund aufgebracht, bevor der Belag folgt.
Hartstoff- und Nutzestriche
In Garagen, Werkstätten und Lagerhallen kommen Zementestriche mit Hartstoffzuschlägen oder besonderer Oberflächenverglüttung zum Einsatz, die ohne Belag genutzt werden.
Einbau und Verarbeitung
Untergrund und Randdämmstreifen
Vor dem Einbau werden die Dämmschicht und eine Trennlage aus PE-Folie verlegt, an den Wänden stellt man Randdämmstreifen auf. Sie entkoppeln den Estrich von den Wänden und nehmen Bewegungen auf. Die Folie verhindert, dass Anmachwasser in die Dämmung gelangt.
Einbau und Verdichten
Der Mörtel wird erdfeucht bis plastisch eingebracht, mit der Latte abgezogen, verdichtet und mit der Glättscheibe oder dem Glättbrett geglättet. Eine zu nasse Mischung führt zu starkem Schwinden und niedriger Festigkeit.
Fugen
Zementestrich schwindet beim Trocknen, deshalb werden Bewegungsfugen über Gebäudefugen und Scheinfugen zur Aufteilung großer Flächen angeordnet. Feldgrößen von bis etwa 40 m² und ein Seitenverhältnis von maximal 1:2 gelten als Anhaltspunkt. In Türdurchgängen werden Felder getrennt, damit die Fuge zu den angrenzenden Räumen sauber verläuft. Weitere Hinweise gibt der Beitrag Dehnungsfuge.
Nachbehandlung
Frischer Estrich wird vor Zugluft und direkter Sonne geschützt und in den ersten Tagen abgedeckt oder feucht gehalten. Trocknet die Oberfläche zu schnell, entstehen Schwindrisse und Schlüsseln, also ein Aufwölben der Randbereiche. Das geschieht vor allem in den ersten sieben Tagen.
Trocknung
Als Faustregel gelten etwa eine Woche je Zentimeter Estrichdicke bis 4 cm und danach etwa zwei Wochen je weiterer Zentimeter. Ein 6 cm dicker Estrich benötigt demnach rund acht Wochen. Beschleunigte Zementestriche mit Zusatzmitteln sind schneller belegreif, die Herstellerangaben gelten.
Belegreife und CM-Messung
Belegreif ist der Estrich, wenn seine Restfeuchte den Grenzwert für den vorgesehenen Belag unterschreitet. Gemessen wird mit der Calciumcarbid-Methode, kurz CM-Messung. Üblich sind bei Zementestrich bis 2,0 CM-% unbeheizt und bis 1,8 CM-% beheizt. Mehr zur Trocknung und Messung steht unter Bautrocknung.
Aufheizen
Fußbodenheizungen werden nach dem Funktionsheizen und Belegreifheizen aufgeheizt. Das Funktionsheizen beginnt frühestens nach 21 Tagen mit einer Vorlauftemperatur von 20 bis 25 °C, die drei Tage gehalten wird, danach folgt die maximale Auslegungstemperatur für weitere drei Tage. Das Ergebnis wird in einem Aufheizprotokoll festgehalten.
Zementestrich mit Zusatzmitteln
Für kürzere Trocknungszeiten gibt es Estrichzusatzmittel und Schnellzemente. Sie verkürzen die Zeit bis zur Belegreife auf etwa ein bis zwei Wochen, verlangen aber exakte Dosierung und eine Prüfung durch CM-Messung. Der Hersteller gibt vor, welche Beschichtungen und Beläge auf solchen Estrichen zulässig sind.
Abgrenzung zu ähnlichen Estricharten
Zementestrich vs. Calciumsulfatestrich
Calciumsulfatestrich, auch Anhydritestrich genannt, ist fließfähig, schwindet wenig und liefert ebene Flächen mit geringer Dicke. Er ist nicht dauerhaft feuchtebeständig und muss vor dem Belag angeschliffen werden. Die Belegreifegrenzen liegen mit 0,5 CM-% unbeheizt und 0,3 CM-% beheizt deutlich niedriger.
Zementestrich vs. Fließestrich
Fließestrich ist keine eigene Bindemittelart, sondern bezeichnet die Konsistenz. Es gibt Fließestriche auf Calciumsulfat und auf Zement. Sie verlaufen von selbst und werden mit Schwabbelstange eingeebnet.
Zementestrich vs. Trockenestrich
Trockenestrich besteht aus verschraubten oder verklebten Platten, wie im Beitrag Trockenestrich beschrieben, und ist sofort belegbar. Er bringt keine Feuchte ein, ist aber weniger belastbar als ein Zementestrich.
Zementestrich vs. Ausgleichsestrich
Der Ausgleichsestrich gleicht Unebenheiten aus und bildet die Grundlage für den eigentlichen Estrich oder den Belag. Er ist meist dünner und wird nicht für die Lastverteilung ausgelegt.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Frischer Zementestrich ist stark alkalisch und kann bei längerem Hautkontakt, etwa beim Knien, zu Verbrennungen führen. Knieschoner, Handschuhe und wasserdichte Kleidung sind Pflicht. Beim Schleifen und Fräsen entsteht quarzhaltiger Feinstaub, der als krebserzeugend gilt, hier schützt Atemschutz und Absaugung.
Lagerung
Säcke mit Zement oder Fertigmörtel werden trocken und frei von Feuchtigkeit gelagert. Die Haltbarkeit ist begrenzt und beträgt je nach Produkt etwa 3 bis 6 Monate, danach lässt die Bindekraft nach.
Entsorgung
Ausgehärteter Estrich wird als Bauschutt entsorgt. Reste und Waschwasser dürfen wegen des hohen pH-Werts nicht in Gewässer oder Kanalisation gelangen.

Wie die Restfeuchte gemessen wird und welche Geräte dafür taugen: Feuchtemessgeräte im Vergleich. Die Estricharten im Überblick: Estrich im Vergleich.






