Calciumsulfatestrich ist ein Estrich, dessen Bindemittel Calciumsulfat ist, also Anhydrit oder Gips. Er wird meist als Calciumsulfat-Fließestrich eingebaut, verläuft von selbst und ergibt sehr ebene, gleichmäßige Oberflächen, die nur wenig schwinden. Dafür ist er empfindlich gegen Feuchte und muss vor dem Belag angeschliffen werden. Dieser Beitrag erklärt, wie Calciumsulfatestrich aufgebaut ist, wo er eingesetzt wird, wie er trocknet und worin er sich von Zementestrich und Trockenestrich unterscheidet.
Was ist Calciumsulfatestrich?
Calciumsulfatestrich wird nach DIN EN 13813 mit dem Kurzzeichen CA bezeichnet, das Fließestrich mit CAF. Er besteht aus Calciumsulfat-Bindemittel, Sand und Wasser mit Zusätzen, die Verflüssigung und Verarbeitung steuern. Das Bindemittel kann aus Naturanhydrit, aus Gips der Rauchgasentschwefelung oder aus Chemiegips stammen. Im Handel heißt der Estrich auch Anhydritestrich, die Begriffe werden synonym verwendet.
Bezeichnung und Festigkeit
Die Bezeichnung folgt dem Muster CA-C25-F4, also Druckfestigkeitsklasse C25 und Biegezugfestigkeitsklasse F4. Im Wohnungsbau sind CA-C25-F4 und CA-C30-F5 üblich. Die Festigkeit liegt damit im Bereich des Zementestrichs, der Estrich ist aber bei Feuchte weniger beständig.
Eigenschaften
Calciumsulfat-Fließestrich ist selbstnivellierend, verteilt sich gleichmäßig und braucht kaum Verdichtung. Er schwindet nur gering, deshalb sind große Felder ohne Fugen möglich. Die Wärmeleitfähigkeit ist gut, was ihn für Fußbodenheizungen interessant macht. Nachteilig sind die Feuchteempfindlichkeit und die Neigung, an der Oberfläche eine dichte Sinterschicht zu bilden, siehe Sinterschicht.
Dicke
Bei Fußbodenheizungen genügt oft eine Überdeckung der Heizrohre von etwa 35 mm, die Gesamtdicke ist damit geringer als bei Zementestrich. Auf Dämmschichten ohne Heizung sind je nach Last etwa 35 bis 45 mm üblich. Die Planung legt die Werte nach DIN 18560 fest. Für Heizestrich wird die Rohrüberdeckung im Plan festgelegt und vor dem Einbau kontrolliert.
Anwendung und Einsatzbereiche
Wohnungsbau
Im Wohnungsbau ist Calciumsulfatestrich im Neubau und in der Modernisierung weit verbreitet, vor allem in trockenen Wohnräumen. Auf einer Trittschalldämmung, wie sie der Beitrag Trittschalldämmung beschreibt, entsteht ein schwimmender Estrich.
Mit Fußbodenheizung
Die gute Wärmeleitfähigkeit und die geringe Dicke eignen sich für beheizte Böden. Die Systeme beschreibt der Beitrag Fußbodenheizungssysteme. Das Funktionsheizen beginnt frühestens nach 7 Tagen, weil das Material schneller erhärtet als Zementestrich.
Große Flächen
In Büros, offenen Grundrissen und Gewerbebäuden lassen sich große Flächen ohne Scheinfugen einbauen. Das reduziert Fugen im Belag und die Gefahr von Rissen. Die Randfugen am Wandanschluss und an Türschwellen bleiben erforderlich, siehe Randdämmstreifen.
Grenzen
In Nassräumen, Duschen, Kellern und im Außenbereich ist Calciumsulfatestrich ungeeignet, weil das Bindemittel bei dauerhafter Feuchte an Festigkeit verliert. Für solche Bereiche wird Zementestrich verwendet, wie ihn der Beitrag Estrich im Überblick beschreibt.
Verarbeitung und Belegreife
Einbau
Der pumpfähige Estrich wird auf eine Trennlage eingebracht, mit der Schwabbelstange gleichmäßig verteilt und entlüftet. Das Ausbreitmaß wird vor Ort geprüft. Zugluft und direkte Sonne werden in den ersten Tagen vermieden, damit die Oberfläche nicht reißt und nicht zu schnell trocknet. Fenster werden nach dem ersten Tag gekippt, nicht dauerhaft weit geöffnet.
Trocknung
Nach dem Einbau werden die Räume gelüftet, damit die Anmachfeuchte abgeführt wird. Die Trocknungsdauer hängt von Dicke, Raumklima und Lüftung ab, eine Faustregel nennt etwa eine Woche je Zentimeter bei guter Lüftung. Bautrockner und Heizung unterstützen den Vorgang, siehe Bautrocknung.
Belegreife
Belegreif ist der Estrich nach der CM-Messung bei einer Restfeuchte von höchstens 0,5 CM-% unbeheizt und 0,3 CM-% beheizt. Diese Grenzwerte sind deutlich niedriger als bei Zementestrich, weil Calciumsulfat Feuchte bindet und Beläge empfindlich auf Restfeuchte reagieren.
Anschleifen
Die Sinterschicht wird vor dem Verlegen des Belags abgeschliffen, meist mit Schleifmaschine und Körnung 16 bis 24, und der Staub abgesaugt. Erst dann wird grundiert und gespachtelt. Ohne Anschleifen haftet der Belag nicht. Der Schleifstaub wird gründlich abgesaugt, damit die folgende Grundierung auf tragfähigem Untergrund haftet.
Belagsarbeiten
Nach Grundierung und Spachtelung folgen Parkett, Teppich, Vinyl oder Fliesen. Fliesen werden im Trockenbereich verlegt, im Nassbereich ist ein Zementestrich erforderlich. Anforderungen an Haftung und Planheit erklärt der Beitrag Untergrund.
Feuchte im Bauablauf
Der Estrich darf erst eingebaut werden, wenn das Gebäude geschlossen und trocken ist: Fenster und Türen sind eingebaut, und es dringt keine Feuchte mehr von außen ein. Calciumsulfat nimmt Wasser auf, ein Rohrbruch oder starker Regen während der Bauphase kann den Estrich unbrauchbar machen. Deshalb ist die Reihenfolge der Gewerke im Bauablauf so wichtig wie die Materialwahl.
Typische Schäden
Häufige Schäden sind Haftungsprobleme durch nicht angeschliffene Sinterschicht, Rissbildung durch Zugluft in den ersten Tagen und Aufquellen bei Wasserkontakt. Schüsseln entsteht, wenn der Estrich unten feuchter ist als oben. Nach Feuchteschäden wird das Material meist nicht getrocknet, sondern ausgebaut, weil die Festigkeit bleibend verloren geht.
Sanierung und geringe Aufbauhöhen
Im Bestand ist die Aufbauhöhe oft begrenzt. Calciumsulfat-Fließestrich lässt sich in geringen Dicken einbauen und nivelliert Unebenheiten selbstständig. Auf Holzbalkendecken braucht er eine dafür zugelassene Trennlage und Dämmung, damit keine Feuchte in das Holz gelangt. Bei Dauerfeuchte im Bestand kommt er nicht in Frage.
Abgrenzung zu ähnlichen Estricharten
Calciumsulfatestrich vs. Zementestrich
Zementestrich ist wasserbeständig, schwindet stärker und braucht Fugen, Calciumsulfatestrich ist ebener und schwindet kaum, ist aber feuchteempfindlich. Zementestrich eignet sich für Nassräume, Calciumsulfatestrich für trockene Innenräume.
Calciumsulfatestrich vs. Fließestrich
Fließestrich bezeichnet die Konsistenz. Es gibt ihn auf Calciumsulfat (CAF) und auf Zement (CTF). Der Begriff Anhydritestrich steht meist für Calciumsulfat-Fließestrich.
Calciumsulfatestrich vs. Trockenestrich
Trockenestrich besteht aus verlegten Platten und bringt keine Feuchte ein, siehe Trockenestrich. Calciumsulfatestrich ist ein Nassestrich, der ausgetrocknet werden muss.
Calciumsulfatestrich vs. Ausgleichsestrich
Der Ausgleichsestrich gleicht Unebenheiten auf dem Rohboden aus und ist kein Lastverteilestrich. Der Calciumsulfatestrich trägt Lasten und bildet die Nutzschicht.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Frischer Estrich ist weniger aggressiv als Zementestrich, kann die Haut aber trotzdem austrocknen und reizen. Handschuhe und Knieschoner sind sinnvoll. Beim Anschleifen entsteht feiner Staub, hier schützen Atemschutz und eine Absaugung, siehe Absaugvorrichtung.
Lagerung
Säcke und Silos werden trocken gelagert, der Fertigmörtel ist nur begrenzt haltbar. Der flüssige Estrich wird als Lieferung im Silo oder Fahrmischer auf die Baustelle gebracht und nicht gelagert.
Entsorgung
Calciumsulfathaltige Abfälle werden getrennt von mineralischem Bauschutt gesammelt, weil Sulfat auf Deponien Probleme verursacht. Ausgehärtete Reste kommen zum Recyclinghof. Reste frischer Masse werden nicht in den Abfluss gegeben.







