Hydrophobierung ist eines der am häufigsten verlinkten Verfahren im gesamten Lexikon – kaum ein Fassadenschutzkonzept kommt ohne diese Technik aus. Dieser Beitrag erklärt den physikalischen Wirkmechanismus, wofür Hydrophobierung eingesetzt wird und worauf bei der Anwendung zu achten ist.
Was ist Hydrophobierung?
Hydrophobierung bezeichnet die Behandlung poröser, mineralischer Oberflächen mit wasserabweisenden Mitteln (meist Silane oder Siloxane), die tief in die Kapillarstruktur eindringen und dort eine molekulare Beschichtung der Porenwände bilden – ohne die Poren dabei zu verschließen. Dieser Effekt reduziert die Wasseraufnahme drastisch (oft um über 90 Prozent), während Wasserdampf weiterhin durch die offenen Poren diffundieren kann.
Warum „wasserabweisend, aber dampfdurchlässig“ physikalisch funktioniert
Wassermoleküle in flüssiger Form bilden größere Tropfen mit hoher Oberflächenspannung, die von der hydrophobierten Porenwand abgestoßen werden – einzelne Wasserdampfmoleküle sind dagegen so klein, dass sie trotz der wasserabweisenden Beschichtung weiterhin durch die Poren diffundieren können (siehe Diffusion). Dieser Größenunterschied erklärt, warum Hydrophobierung selektiv wirkt.
Wofür Hydrophobierung eingesetzt wird
Fassaden mit hoher Schlagregenbelastung
Besonders auf der Wetterseite reduziert Hydrophobierung die Wasseraufnahme und damit langfristig Frostschäden und Algenbewuchs.
Denkmalgeschützte, mineralische Fassaden
Bei historischen Naturstein- oder Putzfassaden bietet Hydrophobierung Schutz, ohne die diffusionsoffene, atmungsaktive Materialeigenschaft zu beeinträchtigen.
Sichtmauerwerk und Naturstein
Unverputzte Fassaden profitieren besonders von Hydrophobierung, da hier keine zusätzliche Deckschicht das Erscheinungsbild verändert.
Richtige Anwendung
- Untergrund vor Behandlung vollständig trocken: Feuchte Oberflächen verhindern das Eindringen des Hydrophobierungsmittels
- Ausreichende Menge auftragen: Zu sparsamer Auftrag erreicht keine ausreichende Eindringtiefe (siehe Eindringtiefe)
- Wiederholungsintervalle beachten: Die Wirkung lässt nach Jahren nach, regelmäßige Überprüfung sinnvoll
- Systemverträglichkeit prüfen: Nicht auf bereits beschichteten oder ungeeigneten Untergründen anwenden
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Hydrophobierung vs. Fluatieren
Fluatieren (siehe Fluatieren) löst eine chemische Reaktion im Material selbst aus, während Hydrophobierung eine molekulare Beschichtung der Porenwände bildet, ohne den Untergrund chemisch zu verändern.
Hydrophobierung vs. Diffusion
Diffusion (siehe Diffusion) beschreibt die Wasserdampfwanderung selbst, während Hydrophobierung ein Verfahren ist, das die Wasseraufnahme reduziert, ohne diese Diffusion zu blockieren.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Lösemittelbasierte Hydrophobierungsmittel erfordern ausreichende Belüftung und Atemschutz – Sicherheitsdatenblatt des jeweiligen Produkts beachten.
Lagerung
Kühl, trocken und dicht verschlossen lagern, von Zündquellen entfernt.
Entsorgung
Reste als gefährlicher Abfall über die Schadstoffsammelstelle entsorgen.







