Airless

Airless-Geräte gehören zu den effizientesten Werkzeugen für großflächige Beschichtungsarbeiten – sie sparen Zeit, liefern gleichmäßige Ergebnisse und bergen gleichzeitig ein ernstzunehmendes Verletzungsrisiko, das oft unterschätzt wird. Dieser Beitrag erklärt die physikalischen Grundlagen der Zerstäubung, wo Airless-Technik eingesetzt wird und worauf beim sicheren Umgang unbedingt zu achten ist.

Was ist Airless-Technik?

Airless bezeichnet ein Spritzverfahren, bei dem Farbe unter sehr hohem hydraulischem Druck von bis zu 250 bar (25 MPa) durch eine feine Düse mit typischen Bohrungsdurchmessern von 0,011 bis 0,027 Zoll gepresst wird – ohne Luftbeimischung, daher der Name. Die Zerstäubung entsteht rein durch den abrupten Druckabfall an der Düse, der das Flüssigkeitsband in feine Tröpfchen zerreißt, nicht durch verwirbelte Luft wie bei anderen Spritzverfahren.

Düsengröße und Druckeinstellung

Die passende Düsengröße wird als dreistelliger Code angegeben (z. B. 517: erste Ziffer halber spritzfächer in Zoll, letzte beiden Ziffern Bohrungsdurchmesser in Tausendstel Zoll) und hängt von der Viskosität der Farbe ab – falsche Düsenwahl führt zu Streifenbildung oder ungleichmäßigem Auftrag. Herstellerangaben zur passenden Düsengröße und zum Druck sollten immer eingehalten werden.

Wofür Airless eingesetzt wird

Großflächige Fassaden

Airless ermöglicht mit Flächenleistungen von bis zu 200 m²/h eine deutlich höhere Flächenleistung als Pinsel oder Rolle, besonders bei mineralischen Dispersionsfarben mit passender Viskosität.

Decken und große Innenraumflächen

Bei entsprechendem Abkleben liefert Airless auch im Innenbereich gleichmäßige Ergebnisse in kürzerer Zeit als herkömmliche Streichtechnik.

Metallkonstruktionen und Zäune

Auch bei komplexen, filigranen Metallstrukturen erreicht Airless Bereiche, die mit Pinsel oder Rolle schwer zugänglich wären.

Richtige Anwendung

  • Düsengröße passend zur Farbe wählen: Herstellerangaben beachten, nie nach Gefühl entscheiden
  • Abdeckung großzügig planen: Overspray reicht bei 250 bar deutlich weiter als bei anderen Techniken
  • Sicherheitsverriegelung immer nutzen: Pistole bei Nichtgebrauch sofort sichern
  • Gleichmäßigen Abstand halten: Meist 25–30 cm zur Fläche – zu nahes Sprühen erhöht das Verletzungsrisiko und verschlechtert das Ergebnis

Abgrenzung zu anderen Spritzverfahren

Airless vs. Hochdruckspritzen

Hochdruckspritzen (siehe Hochdruckspritzen) zerstäubt mit Luft aus einem Kompressor bei deutlich niedrigerem Materialdruck (meist 2–6 bar) und liefert ein feineres Sprühbild, erzeugt aber deutlich mehr Overspray als Airless.

Airless vs. Niederdruckspritzen

Niederdruckspritzen (siehe Niederdruckspritzen) arbeitet mit einer Turbine bei einem Systemdruck von unter 1 bar – sicherer, aber mit weit geringerer Flächenleistung als Airless mit seinen bis zu 250 bar.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Der Airless-Farbstrahl kann bei einem Betriebsdruck von bis zu 250 bar bei direktem Hautkontakt eine Injektionsverletzung verursachen – der Strahl durchdringt die Haut mühelos und kann Farbe tief ins Gewebe injizieren, was trotz harmlos wirkender äußerer Wunde innere Schäden nach sich zieht. Bei jeder Verletzung durch den Farbstrahl sofort ärztliche Notfallbehandlung aufsuchen, unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild. Düse niemals auf Körperteile richten und Sicherheitsverriegelung konsequent nutzen.

Lagerung

Gerät nach Gebrauch gründlich reinigen und trocken lagern, Düsen einzeln vor Beschädigung schützen.

Entsorgung

Reinigungsflüssigkeit mit Farbresten über die Schadstoffsammelstelle entsorgen, nicht in den Abfluss.

Häufige Fragen

Sofort einen Arzt beziehungsweise die Notaufnahme aufsuchen, auch wenn die Stelle harmlos aussieht – bei 250 bar Druck sind innere Schäden möglich.

Das hängt von der Viskosität der Farbe ab – der Düsencode gibt spritzfächer und Bohrungsdurchmesser an, Herstellerangaben beachten.

Bei großen Flächen mit bis zu 200 m²/h ja, allerdings mit etwas gröberem Sprühbild als bei feinerem Hochdruckspritzen.

Meist 25 bis 30 cm – zu nahes Sprühen erhöht Verletzungsrisiko und verschlechtert das Ergebnis.

Der Overspray reicht bei 250 bar Druck oft weiter, großzügige Abdeckung ist deshalb wichtig.

Sofort nach Gebrauch gründlich spülen, Düse einzeln reinigen und trocken lagern.

Über die Schadstoffsammelstelle, niemals in den Abfluss.

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