Dispersionsfarbe

Dispersionsfarbe ist der mit Abstand meistverkaufte Farbtyp überhaupt – kaum ein Wohnraum in Deutschland, der nicht mindestens eine Wand mit einer solchen Farbe gestrichen hat. Dieser Beitrag erklärt die chemischen Grundlagen, wichtige Kennwerte und worauf bei der Produktauswahl zu achten ist.

Was ist Dispersionsfarbe?

Dispersionsfarbe ist eine wasserbasierte Farbe, deren Bindemittel (siehe Bindemittel) aus feinsten, in Wasser dispergierten Kunststoffpartikeln besteht – meist Acrylate, Vinylacetate oder Mischpolymerisate. Beim Trocknen verdunstet das Wasser, die Polymerpartikel verschmelzen zu einem zusammenhängenden, wasserunlöslichen Film. Die Nassabriebsklasse nach DIN EN 13300 (Klasse 1 bis 5) gibt an, wie widerstandsfähig der getrocknete Film gegen mechanische Reinigung ist.

Warum die Pigmentvolumenkonzentration den Glanzgrad bestimmt

Matte Dispersionsfarben liegen mit ihrer Pigmentvolumenkonzentration (PVK) nahe an oder über der kritischen PVK, wodurch sich mikroskopisch kleine Unebenheiten auf der Oberfläche bilden, die einfallendes Licht streuen – hochglänzende Farben liegen dagegen deutlich darunter und bilden eine glatte, spiegelnde Filmoberfläche.

Wofür Dispersionsfarbe eingesetzt wird

Wohnräume und Büros

Innendispersionsfarbe (siehe Innendispersionsfarbe) ist der Standardanstrich für Wand- und Deckenflächen in fast allen Wohn- und Gewerberäumen.

Fassaden

Speziell formulierte, witterungsbeständige Aussendispersionsfarben (siehe Organisch gebundene Fassadenfarben Wetterbeständige Dispersionsfarben) schützen Fassaden vor UV-Strahlung und Niederschlag.

Feuchträume

Spezielle Feuchtraumdispersionsfarben mit erhöhtem Nassabriebswiderstand und teils antimikrobieller Ausstattung eignen sich für Bad und Küche.

Richtige Produktauswahl

  • Nassabriebsklasse zum Einsatzbereich passend wählen: Klasse 1–2 für stark beanspruchte, Klasse 4–5 für wenig beanspruchte Flächen
  • Deckkraftklasse prüfen: Klasse 1 deckt bereits in einem Anstrich zuverlässig, niedrigere Klassen benötigen mehr Schichten
  • Innen- und Aussenfarbe nicht verwechseln: Innenfarbe hält keiner Witterung stand
  • Emissionsprüfsiegel bei Wohnräumen beachten: Blauer Engel oder ähnliche Kennzeichnungen als verlässliche Orientierung

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Dispersionsfarbe vs. Binderfarbe

Binderfarbe (siehe Binderfarbe) basiert historisch auf Leim oder Stärke und bleibt nach dem Trocknen wasserlöslich, während Dispersionsfarbe auf wasserunlöslichen Kunststoffdispersionen basiert.

Dispersionsfarbe vs. Silikatfarbe

Silikatfarben binden mineralisch durch Verkieselung mit dem Untergrund, während Dispersionsfarbe als organischer Film auf der Oberfläche aufliegt, ohne eine chemische Verbindung mit dem Untergrund einzugehen.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Dispersionsfarben gelten allgemein als gesundheitlich unbedenklich, enthalten aber meist Konservierungsstoffe (siehe Bakterizide), die bei empfindlichen Personen Reaktionen auslösen können – ausreichend lüften.

Lagerung

Frostfrei lagern, da Frost die Polymerdispersion irreversibel zerstören kann. Angebrochene Gebinde dicht verschließen.

Entsorgung

Ausgehärtete Reste über den Hausmüll, größere flüssige Mengen über die Schadstoffsammelstelle entsorgen.

Häufig gestellte Fragen

Sie gibt nach DIN EN 13300 an, wie widerstandsfähig der getrocknete Farbfilm gegen mechanische Reinigung ist – Klasse 1 ist am robustesten.

Sie liegen näher an der kritischen PVK, wodurch das Bindemittel die Pigmente weniger vollständig umhüllt.

Nein, Innenfarbe hält der Witterungsbelastung nicht stand – speziell formulierte Aussenfarbe ist notwendig.

Silikatfarbe verbindet sich chemisch mit dem Untergrund, Dispersionsfarbe bildet nur einen organischen Film auf der Oberfläche.

Bei Deckkraftklasse 1 meist ein Anstrich, bei niedrigeren Klassen sind zwei Schichten üblich.

Ausgehärtet über den Hausmüll, größere flüssige Mengen über die Schadstoffsammelstelle.

Ähnliche Beiträge