Flutverfahren

Flutverfahren ermöglicht es, großflächige, waagerechte Bauteile besonders effizient und gleichmäßig zu beschichten – eine Technik, die in der industriellen Fertigung fest etabliert ist, aber im Bauwesen seltener zum Einsatz kommt. Dieser Beitrag erklärt das Verfahren, wofür es eingesetzt wird und worauf bei der Anwendung zu achten ist.

Was ist das Flutverfahren?

Beim Flutverfahren wird Beschichtungsmaterial im Überschuss auf eine waagerechte Fläche aufgegossen und fließt dann durch Schwerkraft über das gesamte Bauteil, bevor überschüssiges Material am Rand abtropft. Anders als beim Spritzverfahren (siehe Spritzapplikationen) entsteht dabei praktisch kein Overspray, was das Flutverfahren für bestimmte industrielle Anwendungen besonders materialeffizient macht.

Warum die Fliesfähigkeit der Beschichtung entscheidend ist

Das Verfahren funktioniert nur mit dünnflüssigen, gut selbstverlaufenden Beschichtungsstoffen – zu viskoses Material würde ungleichmäßig verlaufen und sichtbare Streifen oder Tropfstellen hinterlassen. Diese Anforderung an die Materialeigenschaften begrenzt den Einsatzbereich auf speziell formulierte Flutlacke.

Wofür das Flutverfahren eingesetzt wird

Industrielle Serienbeschichtung

Bei großen Stückzahlen ähnlicher Bauteile ermöglicht das Flutverfahren eine effiziente, gleichmäßige Beschichtung mit minimalem Materialverlust.

Plattenbeschichtung

Großflächige, ebene Bauteile wie Platten oder Paneele profitieren besonders von der gleichmäßigen Verteilung durch das Flutverfahren.

Beschichtungssysteme mit hohem Oberflächenanspruch

Wo eine völlig streifenfreie, gleichmäßig glatte Oberfläche gefordert ist, kann das Flutverfahren bessere Ergebnisse liefern als manuelle Auftragstechniken.

Richtige Anwendung

  • Passende Materialviskosität sicherstellen: Nur speziell formulierte, dünnflüssige Beschichtungsstoffe verwenden
  • Bauteil exakt waagerecht ausrichten: Neigungen führen zu ungleichmäßiger Schichtdicke
  • Ablaufkanten sauber gestalten: Kontrollierte Abtropfstellen vermeiden unkontrollierte Materialansammlungen
  • Trocknung staubfrei sicherstellen: Die noch flüssige Oberfläche ist besonders anfällig für Einschlüsse

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Flutverfahren vs. Spritzapplikationen

Spritzapplikationen (siehe Spritzapplikationen) erzeugen Overspray und funktionieren auch bei vertikalen Flächen, während das Flutverfahren auf waagerechte Bauteile beschränkt ist, aber nahezu overspray-frei arbeitet.

Flutverfahren vs. Airless

Airless (siehe Airless) ist ein Hochdruck-Spritzverfahren für beliebige Flächenausrichtungen, während das Flutverfahren die Schwerkraft nutzt und ausschließlich für waagerechte Flächen geeignet ist.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Da große Materialmengen offen fließen, entstehen höhere Lösemitteldampfkonzentrationen als bei anderen Verfahren – ausreichende Belüftung und Atemschutz sind wichtig.

Lagerung

Flutlacke nach Herstellerangabe lagern, meist kühl und dicht verschlossen.

Entsorgung

Aufgefangenes, überschüssiges Material und Reste als gefährlicher Abfall über die Schadstoffsammelstelle entsorgen.

Flutverfahren auf großflächiger, waagerechter Platte

Häufig gestellte Fragen

Das Material wird gegossen statt gesprüht, sodass keine feinen sprüh-Tropfen in die Umgebung gelangen.

Nein, nur speziell formulierte, dünnflüssige Flutlacke funktionieren zuverlässig.

Nein, das Verfahren nutzt die Schwerkraft und ist auf waagerechte Bauteile beschränkt.

Vor allem in der industriellen Serienbeschichtung von Platten oder ähnlichen Bauteilen.

Airless spritzt unter Hochdruck für beliebige Flächenausrichtungen, das Flutverfahren nutzt Schwerkraft ausschließlich horizontal.

Als gefährlicher Abfall über die Schadstoffsammelstelle.

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