Ablösen

Ablösen ist eines der Handwerksprobleme, das fast jeder kennt, der schon einmal eine alte Tapete oder einen mangelhaften Anstrich entfernen musste. Wird falsch vorgegangen, dauert die Arbeit unnötig lange oder beschädigt den darunterliegenden Untergrund. Dieser Beitrag erklärt die physikalisch-chemischen Grundlagen, welche Methoden es gibt und worauf bei Feuchtigkeit und Untergrundschutz zu achten ist.

Was bedeutet Ablösen?

Ablösen bezeichnet das gezielte Entfernen von Tapeten, Beschichtungen oder belägen vom Untergrund – meist mit Hilfe von Feuchtigkeit, mechanischer Bearbeitung oder chemischen Hilfsmitteln. Im Gegensatz zum Abbeizen (siehe Abbeizen), das speziell Farb- und Lackschichten chemisch anlöst, wird der Begriff häufiger im Zusammenhang mit Tapeten verwendet, bei denen primär die Kleisterschicht (siehe Kleister und Kleisterarten) reaktiviert wird.

Wirkprinzip bei Tapeten

Wasser oder Tapetenlöser (meist mit Tensiden zur Reduzierung der Oberflächenspannung) weichen den Kleister auf Methylcellulose- oder Stärkebasis auf, wodurch sich die Bindung zwischen Tapete und Wand löst. Beschichtete Vliestapeten haben eine Kunststoffbeschichtung mit einem Wasserdampfdiffusionswiderstand, der die Durchfeuchtung deutlich verlangsamt – hier hilft vorheriges Anritzen der Oberfläche mit einer Perforierwalze (Nagelwalze), um den Feuchtigkeitsdurchtritt über die entstehenden Mikroperforationen zu ermöglichen.

Wann Ablösen notwendig wird

Vor einer Neutapezierung

Alte Tapetenreste müssen vollständig entfernt werden, bevor eine neue Tapete geklebt wird – Rückstände beeinträchtigen die Haftung und können sich durch die neue Tapete abzeichnen (sogenanntes Durchschlagen, siehe Durchschlagen).

Bei feuchtebedingten Schäden

Zeigt sich Blasenbildung oder ein muffiger Geruch, kann Feuchtigkeit die Ursache für das Ablösen sein – die Feuchtequelle sollte vor einer Neubeschichtung mit einem CM-Gerät oder elektronischen Feuchtemessgerät fachlich geprüft werden, nicht nur die sichtbare Tapete entfernt werden.

Bei mangelhafter Untergrundhaftung

Wurde eine Tapete auf ungeeignetem Untergrund geklebt, kann sie sich unabhängig vom Alter grossflächig ablösen – hier ist beim Neuaufbau eine bessere Untergrundvorbereitung mit passender Grundierung (siehe Anhaften) notwendig.

Richtige Vorgehensweise

  • Einwirkzeit: Tapetenlöser meist 10 bis 20 Minuten einwirken lassen, je nach Kleisterart und Tapetengewicht
  • Beschichtete Tapeten anritzen: Mit Perforierwalze bearbeiten, um den hohen Diffusionswiderstand der Beschichtung zu überwinden
  • Spachtel flach führen: In einem Winkel von etwa 15–20 Grad zur Wand ansetzen, um den darunterliegenden Putz nicht zu beschädigen
  • Untergrund nach dem Ablösen trocknen lassen: Restfeuchtigkeit im Putz vor der Neubeschichtung vollständig abtrocknen lassen

Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen

Ablösen vs. Abblättern

Abblättern (siehe Abblättern) bezeichnet ein unerwünschtes Schadensbild bei Farbschichten, während Ablösen meist bewusst und gezielt durchgeführt wird, um alte Materialien zu entfernen.

Ablösen vs. Ausblühungen

Ausblühungen (siehe Ausblühungen) sind ein eigenständiges Feuchtephänomen mit sichtbaren, kristallinen Salzablagerungen, können aber gleichzeitig mit feuchtebedingtem Ablösen auftreten.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Chemische Tapetenlöser mit Tensiden können die Haut entfetten und reizen – Handschuhe tragen. Bei sehr alten Tapeten (vor 1980) mit Verdacht auf schadstoffbelastete Altbeschichtungen darunter, etwa bleihaltige Anstriche (siehe Bleimennige), ist Vorsicht geboten.

Lagerung

Tapetenlöser trocken und frostfrei lagern, dicht verschlossen halten.

Entsorgung

Abgelöste Tapetenreste können über den normalen Hausmüll entsorgt werden, grössere Mengen über den Sperrmüll oder Wertstoffhof.

Ablösen einer eingeweichten Tapete mit dem Spachtel

Häufig gestellte Fragen

Meist 10 bis 20 Minuten, je nach Kleisterart und Tapetengewicht. Bei beschichteten Vliestapeten kann vorheriges Anritzen mit einer Perforierwalze die Wirkung beschleunigen.

Typisch sind Blasenbildung und ein muffiger Geruch. Im Zweifel die Feuchtigkeit mit einem CM-Gerät oder elektronischen Messgerät vor der Neubeschichtung fachlich messen lassen.

Ja, die Kunststoffbeschichtung hat einen hohen Diffusionswiderstand und nimmt ohne Anritzen kaum Feuchtigkeit auf.

Ja, bei zu aggressivem Spachteln – den Spachtel in flachem Winkel (15–20 Grad) führen und nicht in den Putz eingraben.

Bis zur vollständigen Trocknung, bevor eine neue Beschichtung erfolgt – die genaue Dauer hängt von Raumklima und Untergrund ab.

Über den Sperrmüll oder Wertstoffhof, kleinere Mengen über den normalen Hausmüll.

Mit Handschuhen ja – die enthaltenen Tenside können bei längerem Hautkontakt entfettend und reizend wirken.

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