Abblättern gehört zu den häufigsten Schadensbildern an Fassaden und Innenanstrichen – und ist fast immer ein Symptom, keine Ursache. Wer nur die lose Farbe entfernt, ohne den eigentlichen Grund zu klären, erlebt das Problem oft innerhalb kurzer Zeit erneut. Dieser Beitrag erklärt die physikalischen Mechanismen hinter Abblättern, wie es sich fachgerecht beheben lässt und worauf bei der Sanierung zu achten ist.
Was ist Abblättern?
Abblättern bezeichnet das grossflächige Ablösen einer Farb- oder Putzschicht vom Untergrund, meist in größeren, zusammenhängenden Stücken. Es unterscheidet sich damit vom punktuellen Abplatzen einzelner Stellen und deutet fast immer auf ein grundlegendes Haftungsproblem hin (siehe Anhaften).
Typische Ursachen und Messbarkeit
Die häufigsten Auslöser sind mangelnde Untergrundvorbereitung, Unverträglichkeit zwischen Farbsystemen, eindringende Feuchtigkeit hinter der Beschichtung oder eine nicht angeschliffene, glatte Altbeschichtung, auf der die neue Farbe keinen mechanischen Halt findet. Die Abreißfestigkeit (Haftzugfestigkeit) lässt sich mit einem Abreißgerät nach DIN EN ISO 4624 prüfen – Werte unter etwa 0,3 N/mm² gelten bei den meisten Beschichtungssystemen als kritisch für die Langzeithaltbarkeit.
Wo Abblättern typischerweise auftritt
Feuchtebelastete Fassaden
An Wetterseiten oder Stellen mit aufsteigender Feuchtigkeit drückt eindringendes Wasser die Beschichtung durch den entstehenden hydrostatischen Druck von innen ab – hier hilft nur die Klärung und Behebung der Feuchtequelle, keine reine Neubeschichtung.
Unverträgliche Farbsysteme
Wird eine neue Farbe auf eine chemisch unverträgliche Altbeschichtung aufgetragen – etwa eine hochelastische Dispersionssilicatfarbe auf einem sehr starren, mineralischen Altanstrich – können unterschiedliche Elastizitätsmodule zu Spannungsrissen und Ablösung führen, oft schon nach wenigen Monaten.
Glatte, nicht angeschliffene Altbeschichtungen
Ohne mechanische Aufrauung (Erhöhung der Oberflächenrauhigkeit auf mindestens Ra = 5µm) findet die neue Farbe keinen ausreichenden Halt und löst sich flächig ab, besonders bei Beanspruchung durch Temperaturwechsel.
Fachgerechte Sanierung
- Lose Bereiche entfernen: Alle sich lösenden Stellen vollständig abtragen, nicht nur die auffälligsten
- Kanten anschleifen: Übergänge zwischen entfernten und intakten Bereichen glätten
- Ursache klären: Feuchtequelle mittels CM-Messung (siehe Ausgleichsestrich), Systemkompatibilität und Untergrundzustand prüfen, bevor neu gestrichen wird
- Passende Grundierung wählen: Je nach Ursache Haftgrund oder Tiefgrund einsetzen (siehe Grundbeschichtung)
Abgrenzung zu ähnlichen Schadensbildern
Abblättern vs. Ablösen
Ablösen (siehe Ablösen) bezeichnet meist das Ablösen von Tapeten, während Abblättern spezifisch Farb- und Putzschichten betrifft. Die Ursachen überschneiden sich oft, besonders bei Feuchtigkeit.
Abblättern vs. Ausschwitzen
Ausschwitzen (siehe Ausschwitzen) betrifft eine noch nicht durchgetrocknete Schicht, die klebrig bleibt – kein strukturelles Haftungsproblem wie beim Abblättern.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Beim Entfernen alter, abblätternder Farbschichten entsteht Feinstaub – bei Altbauten mit Anstrichen vor 1989 besteht Verdacht auf bleihaltige Farben (siehe Bleimennige) mit Bleigehalten von teils über 1000 mg/kg. Staubmaske FFP2/3 und, bei Verdacht auf Schadstoffe, eine vorherige Probenanalyse sind ratsam.
Lagerung von Sanierungsmaterial
Grundierungen und Reparaturspachtel entsprechend Herstellerangabe frostfrei und trocken lagern.
Entsorgung
Abgetragene Altfarbe bei Verdacht auf Schadstoffbelastung als Sondermmüll (Abfallschlüssel 17 04 09*) entsorgen, nicht über den regulären Bauschutt.







