Eitempera

Eitempera ist eine der ältesten Maltechniken der Kunstgeschichte – schon vor der Erfindung der Ölmalerei ermöglichte sie leuchtende, dauerhafte Farbwirkungen. Dieser Beitrag erklärt die chemischen Grundlagen, wofür Eitempera heute noch eingesetzt wird und worauf bei der Verarbeitung zu achten ist.

Was ist Eitempera?

Eitempera ist eine Maltechnik, bei der Pigmente mit Eigelb (oder seltener Vollei) als Bindemittel angemischt werden – das im Eigelb enthaltene Lecithin wirkt als natürlicher Emulgator, der öl- und wasserbasierte Bestandteile stabil verbindet. Nach dem Trocknen bildet sich ein widerstandsfähiger, matter Farbfilm, der über Jahrhunderte seine Farbintensität bewahren kann, wie zahlreiche erhaltene Tafelbilder belegen.

Warum Eitempera so lange haltbar ist

Die Proteine und Lipide im Eigelb bilden beim Trocknen und Altern eine zunehmend stabile, teilweise vernetzte Struktur – dieser langsame, fortlaufende Härtungsprozess erklärt, warum jahrhundertealte Eitempera-Gemälde häufig eine bemerkenswert gute Erhaltung zeigen, oft besser als spätere Ölgemälde derselben Epoche.

Wofür Eitempera eingesetzt wird

Ikonenmalerei und liturgische Kunst

In der traditionellen Ikonenmalerei ist Eitempera bis heute die vorgeschriebene Technik, oft nach jahrhundertealten Rezepturen.

Restaurierung historischer Kunstwerke

Bei der fachgerechten Restaurierung von Tempera-Gemälden muss die ursprüngliche Bindemitteltechnik nachvollzogen werden, um materialgerechte Ausbesserungen zu ermöglichen.

Zeitgenössische Kunstmalerei

Manche Künstler nutzen Eitempera bewusst wegen ihrer charakteristischen, matten Farbwirkung und der Kontrolle über feine Lasurschichten.

Richtige Verarbeitung

  • Täglich frisch anmischen: Eigelb-Emulsion verdirbt schnell und sollte nicht auf Vorrat angemischt werden
  • In dünnen Lasurschichten arbeiten: Eitempera trocknet schnell, dickere Schichten können reißen
  • Saugfähigen, vorbereiteten Malgrund verwenden: Klassisch Kreidegrund auf Holz, der die Farbe gleichmäßig aufnimmt
  • Ausreichende Trocknungszeit zwischen Schichten einplanen: Vollständige Härtung dauert deutlich länger als die oberflächliche Antrocknung

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Eitempera vs. Aquarellmalerei

Aquarellmalerei (siehe Aquarellmalerei) bleibt nach dem Trocknen wasserlöslich, während Eitempera durch die Eigelb-Bestandteile einen dauerhaft wasserunlöslichen, widerstandsfähigen Film bildet.

Eitempera vs. Casein

Casein (siehe Casein) ist ebenfalls ein tierisches Proteinbindemittel, benötigt aber Kalk zur chemischen Vernetzung, während Eitempera durch die natürliche Emulgierwirkung des Lecithins ohne zusätzliche Reaktionspartner auskommt.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Eitempera gilt als gesundheitlich unbedenklich – besondere Schutzmaßnahmen sind nicht erforderlich, außer den üblichen Hygienevorkehrungen im Umgang mit Ei-Rohprodukten.

Lagerung

Angemischte Eitempera ist nur wenige Tage im Kühlschrank haltbar, danach verdirbt sie wie das enthaltene Eigelb.

Entsorgung

Reste über den normalen Hausmüll entsorgen, da die Inhaltsstoffe biologisch unbedenklich sind.

Ikone in traditioneller Eitempera-Technik mit dünnen lasierenden Farbschichten auf Goldgrund

Häufig gestellte Fragen

Die Proteine und Lipide im Eigelb bilden beim Altern eine zunehmend stabile Struktur, was zu bemerkenswert guter Erhaltung führt.

Ja, die Eigelb-Emulsion verdirbt schnell und sollte nicht auf Vorrat angemischt werden.

Vor allem in der Ikonenmalerei, der Restaurierung historischer Kunstwerke und bei manchen zeitgenössischen Künstlern.

Aquarell bleibt wasserlöslich, Eitempera bildet einen dauerhaft wasserunlöslichen Film.

Klassisch ein saugfähiger Kreidegrund auf Holz, der die Farbe gleichmäßig aufnimmt.

Über den normalen Hausmüll, da die Inhaltsstoffe biologisch unbedenklich sind.

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