Casein

Casein erlebt in der ökologischen Bauweise eine kleine Renaissance – als natürliches Bindemittel steht es für eine Tradition, die lange vor synthetischen Kunststoffdispersionen existierte. Dieser Beitrag erklärt die chemischen Eigenschaften von Casein, wofür es eingesetzt wird und worauf bei der Verarbeitung zu achten ist.

Was ist Casein?

Casein ist ein aus Milch gewonnenes Protein, das in Verbindung mit alkalischen Substanzen (meist Kalk oder Borax) ein wasserfestes, natürliches Bindemittel bildet. Anders als klassische Leimfarbe (siehe Leimfarbe) ist ausgehärtete Caseinfarbe nach vollständiger Trocknung weitgehend wasserunlöslich, da sich das Protein bei der Reaktion mit Kalk chemisch vernetzt.

Der chemische Vernetzungsprozess

Bei der Reaktion mit Kalziumhydroxid bildet Casein Kalziumcaseinat, eine wasserunlösliche Verbindung – dieser Prozess dauert mehrere Tage und macht Casein-Kalk-Anstriche zunehmend widerstandsfähiger gegen Feuchtigkeit, je länger die Aushärtung fortschreitet.

Wofür Casein eingesetzt wird

Ökologische Innenanstriche

Bei besonders wohngesunden Projekten wird Casein als natur- und emissionsarmes Bindemittel bewusst synthetischen Alternativen vorgezogen.

Restaurierung historischer Kalkanstriche

Casein-Kalk-Farben waren vor der Verbreitung moderner Dispersionsfarben (siehe Dispersionsfarbe) weit verbreitet und werden bei authentischer Restaurierung historischer Fassaden und Innenräume gezielt nachgemischt.

Kunstmalerei

In der Künstlerfarbe (Caseintempera) wird Casein wegen seiner matten, gleichmäßigen Deckung und guten Pigmentbindung geschätzt.

Richtige Verarbeitung

  • Ausreichende Aushärtungszeit einplanen: Volle Wasserfestigkeit entwickelt sich erst nach mehreren Tagen Karbonatisierung
  • Nur auf mineralischem Untergrund verwenden: Die alkalische Reaktion erfordert einen entsprechend verträglichen Untergrund
  • Frisch anmischen: Angemischte Casein-Kalk-Farbe hat eine begrenzte Verarbeitungszeit (Topfzeit)
  • Witterungsschutz während der Trocknung: Regen während der frühen Aushärtungsphase kann den Anstrich stark beschädigen

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Casein vs. Leimfarbe

Leimfarbe (siehe Leimfarbe) bleibt nach dem Trocknen wasserlöslich, während Casein durch die Reaktion mit Kalk eine dauerhaft wasserunlösliche Bindung eingeht.

Casein vs. Dispersionsfarbe

Dispersionsfarbe (siehe Dispersionsfarbe) basiert auf synthetischen Kunststoffbindemitteln, während Casein ein rein natürliches, tierisches Proteinbindemittel ist.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Die alkalische Kalkkomponente kann Haut und Augen reizen – Handschuhe und Schutzbrille beim Anmischen tragen. Casein selbst gilt als gesundheitlich unbedenklich.

Lagerung

Trockenes Caseinpulver kühl und trocken lagern, angemischte Farbe zeitnah verarbeiten, da sie nicht lange lagerfähig ist.

Entsorgung

Reste über den normalen Hausmüll entsorgen, da die Inhaltsstoffe biologisch unbedenklich sind.

Häufig gestellte Fragen

Nach vollständiger Aushärtung ja, durch die chemische Reaktion mit Kalk zu wasserunlöslichem Kalziumcaseinat.

Mehrere Tage, da die chemische Vernetzung mit Kalk ein fortlaufender Prozess ist.

Nein, nur auf mineralischem Untergrund, da die alkalische Reaktion einen entsprechend verträglichen Untergrund erfordert.

Als natürliches, emissionsarmes Bindemittel ist es bei ökologischen Bauprojekten und historischer Restaurierung gefragt.

Leimfarbe bleibt wasserlöslich, Casein wird durch die Kalkreaktion dauerhaft wasserunlöslich.

Über den normalen Hausmüll, da die Inhaltsstoffe biologisch unbedenklich sind.

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