Kreidefarbe ist eine besonders matte, gut haftende Farbe, die vor allem zum Streichen von Möbeln, Rahmen und Dekoobjekten verwendet wird. Dieser Beitrag erklärt, woraus Kreidefarbe besteht, warum sie oft ohne Grundierung haftet, wie sie mit Wachs oder Klarlack versiegelt wird, wo ihre Grenzen liegen und warum sie trotz des ähnlichen Namens etwas anderes ist als mineralische Kalkfarbe.
Was ist Kreidefarbe?
Kreidefarbe (englisch „chalk paint“) ist eine dekorative Farbe mit hohem Anteil an Kreide und weiteren Füllstoffen, wodurch sie extrem matt und samtig auftrocknet. Als Bindemittel dient je nach Produkt eine Kunststoffdispersion, Kasein oder eine Kreide-Kasein-Kombination. Sie ist für Möbel und Kleinflächen gemacht und liefert ohne viel Vorbereitung eine deckende, kreidig-stumpfe Optik im Vintage- und Landhausstil.
Kreidefarbe, Kalkfarbe und Kreidezeit
Die Begriffe werden oft verwechselt. Kreidefarbe ist eine Möbelfarbe, Kalkfarbe ein mineralischer Wandanstrich mit gelöschtem Kalk als Bindemittel, und „Kreidezeit“ ist ein Herstellername für Naturfarben. Nur Kalkfarbe härtet durch Karbonatisierung aus und ist stark alkalisch.
Eigenschaften und Anwendung
Haftung und Deckkraft
Kreidefarbe haftet dank des hohen Füllstoffanteils auf vielen Untergründen – lackiertem Holz, roh Holz, MDF, Metall, Kunststoff und Glas – oft ohne separaten Haftgrund. Sie deckt in ein bis zwei Aufträgen und trocknet schnell. Der stumpfe Glanzgrad verzeiht kleine Pinselstriche und Unregelmäßigkeiten.
Versiegelung als Pflichtschritt
Die reine Kreidefarbschicht ist nicht wisch- und nicht wasserfest. Beanspruchte Stücke werden nach dem Trocknen versiegelt:
- Möbelwachs: dünn einarbeiten und auspolieren, ergibt einen warmen, matten Schutz für wenig beanspruchte Möbel; nicht für stark genutzte Flächen
- Matter Klarlack: deutlich strapazierfähiger, wasserfest, für Tischplatten, Küchenfronten und Kindermöbel geeignet
Used-Look und Patina
Kreidefarbe lässt sich nach dem Trocknen gezielt an Kanten anschleifen, sodass der Untergrund durchscheint. Mit dunklem Wachs oder Lasur in den Vertiefungen entsteht eine künstliche Patina.
Verarbeitung
Untergrund vorbereiten
Auch wenn viele Produkte „ohne Schleifen“ werben: Der Untergrund muss sauber und fettfrei sein. Silikon-, Wachs- und Politurreste führen zu Kratern und Haftungsverlust und müssen durch Entfetten beseitigt werden. Sehr glatte Lacke werden sicherheitshalber angeraut.
Durchschlagende Inhaltsstoffe absperren
Gerbstoffreiche Hölzer wie Eiche, Kirsche und Mahagoni sowie alte Beizen und Lasuren können als gelbliche bis braune Flecken durchschlagen (siehe auch Holzinhaltsstoffe). Hier zuerst einen Isoliergrund auftragen, bevor die Kreidefarbe folgt.
Auftrag
Mit Flach- oder Rundpinsel bzw. kurzflor-Rolle in zwei dünnen Lagen streichen, dazwischen vollständig trocknen lassen. Ein leichter Zwischenschliff mit feinem Papier glättet die Oberfläche. Nach der letzten Lage vor dem Versiegeln mindestens die vom Hersteller genannte Wartezeit einhalten, oft 24 Stunden.
Abgrenzung zu ähnlichen Produkten
Kreidefarbe vs. Kalkfarbe
Kreidefarbe ist eine dekorative Möbelfarbe ohne mineralische Abbindung. Kalkfarbe ist ein Wandanstrich, der auf mineralischem Untergrund karbonatisiert, diffusionsoffen und schimmelhemmend ist. Für Wände im bauphysikalischen Sinn ist Kreidefarbe nicht gedacht.
Kreidefarbe vs. Möbellack
Ein Buntlack bildet direkt einen geschlossenen, harten Film und braucht keine Versiegelung, verlangt aber mehr Untergrundvorbereitung und trocknet glänzender. Kreidefarbe punktet mit Optik und einfacher Haftung, kostet dafür den zweiten Arbeitsgang Wachs oder Klarlack.
Kreidefarbe vs. Wanddispersionsfarbe
Matte Dispersionswandfarbe ist für große Wandflächen optimiert und günstiger, haftet aber nicht zuverlässig auf Lack, Metall oder Kunststoff. Genau dafür ist Kreidefarbe gemacht.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Wasserbasierte Kreidefarbe ist gering gefährlich, enthält aber Konservierungsmittel; Handschuhe tragen und Hautkontakt meiden. Beim Zwischen- und Effektschliff Staubmaske nutzen. Wachse und Lösemittel-haltige Klarlacke nur bei guter Belüftung verarbeiten und die Herstellerhinweise beachten.
Lagerung
Frostfrei und dicht verschlossen lagern. Angebrochene Gebinde luftdicht verschließen; kleine Restmengen trocknen im großen Gebinde schnell ein und lassen sich in kleinere Gläser umfüllen.
Entsorgung
Eingetrocknete Reste sind Restabfall, flüssige Reste und wachs- oder lösemittelhaltige Produkte gehören zur Schadstoffsammlung. Leere Gebinde restentleert als Wertstoff entsorgen.
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Produktempfehlungen, unter anderem von der bekannten Marke Miss Pompadour, finden Sie im Beitrag Kreidefarbe für Möbel und Wände: Miss Pompadour im Vergleich.







