Wer ein Zimmer oder eine ganze Wohnung streichen lassen will, findet im Netz Preise zwischen fünf und vierzig Euro pro Quadratmeter — und weiß danach genauso viel wie vorher. Der Grund ist einfach: Bei dieser Arbeit hängt der Preis nicht an der Fläche allein, sondern daran, wie viel Vorarbeit nötig ist. Eine intakte Wand ist in einem Zug gestrichen, eine Wand mit Rissen, alter Tapete und Nikotinflecken braucht ein Vielfaches an Zeit. Diese Übersicht rechnet deshalb mit dem, was sich belegen lässt: einem Stundensatz.
Fachbetriebe rechnen mit 50 bis 80 Euro je Arbeitsstunde, je nach Aufwand. Aus dieser einen Zahl lassen sich alle Quadratmeterpreise herleiten, die in anderen Ratgebern als fertige Werte stehen. Wie das geht, steht im Abschnitt zum Rechenweg — und jede Zahl in diesem Beitrag ist auf diesem Weg entstanden und nicht behauptet.
Was eine Malerstunde kostet
Der Stundensatz ist Arbeitszeit. Er umfasst die Vorbereitung des Raums, das Abdecken und Abkleben, die Vorarbeiten am Untergrund, die Anstriche und die Endreinigung. Was er nicht enthält, ist Material, Anfahrt, Entsorgung und eine Nachbesserung nach Ablauf der Gewährleistung — darüber entscheidet jeder Betrieb selbst.
Die Spanne von 50 bis 80 Euro hat zwei Ursachen. Die eine ist die Region: Ein Betrieb in einer Großstadt hat höhere Kosten als einer auf dem Land. Die andere ist die Qualifikation und die Ausstattung: Ein Meisterbetrieb mit Angestellten und vollständigem Gerät rechnet anders ab als ein Ein-Mann-Betrieb. Beide Enden der Spanne sind für normale Innenraumarbeiten realistisch.
Fragen Sie beim Angebot ausdrücklich nach drei Dingen: auf welchen Stundensatz der Betrieb rechnet, ob Material getrennt berechnet wird und ob es eine Mindestabrechnung gibt. Ein kleiner Auftrag mit vier Arbeitsstunden rechnet sich für viele Betriebe sonst nicht.
Warum der Quadratmeterpreis so stark schwankt
Der Quadratmeterpreis ist kein eigener Preis, sondern ein Ergebnis. Er entsteht aus zwei Größen:
Quadratmeterpreis = Stundensatz geteilt durch die Fläche, die in einer Stunde geschafft wird.
Rechnet ein Betrieb mit 50 bis 80 Euro je Stunde und schafft zehn Quadratmeter in der Stunde, ergibt sich ein Arbeitspreis von fünf bis acht Euro pro Quadratmeter. Schafft er wegen umfangreicher Vorarbeiten nur fünf Quadratmeter in der Stunde, sind es zehn bis sechzehn Euro pro Quadratmeter. Beide Werte sind Arbeitszeit ohne Material.
Damit erklärt sich die ganze Unübersichtlichkeit: Kein Anbieter im Netz schreibt dazu, mit welcher Flächenleistung er gerechnet hat. Und diese Leistung schwankt erheblich — sie hängt am Untergrund, an der Anzahl der Anstriche, am Abkleben, an der Raumhöhe, an Möbeln und daran, ob Tapete herunter muss. Auch der Zustand der Wände schlägt durch: Nikotinflecken und Wasserflecken brauchen eine Sperrschicht, bevor gestrichen wird — dazu siehe Nikotinflecken überstreichen.
Und sie hängt an der Bezugsfläche. Das ist der zweite Grund, warum sich Ratgeberpreise widersprechen: Manche Angaben gelten pro Quadratmeter Wandfläche, andere pro Quadratmeter Wohnfläche. Das sind zwei verschiedene Dinge und sie unterscheiden sich um den Faktor zwei bis drei.
Die zu streichende Fläche lässt sich überschlägig selbst ermitteln: Umfang des Raums mal Raumhöhe ergibt die Wandfläche, plus Grundfläche für die Decke. In einem 20 Quadratmeter großen Raum mit 2,5 Metern Höhe sind das rund 45 Quadratmeter Wand und 20 Quadratmeter Decke — also mehr als das Dreifache der Wohnfläche. Für eine ganze Wohnung rechnet man bei normalen Grundrissen mit dem Zwei- bis Dreifachen der Wohnfläche, wenn Wände und Decken gestrichen werden. Wer diesen Wert im Angebot stehen hat, kann Preise vergleichen; wer Äpfel mit Birnen vergleicht, kommt zu keinem Ergebnis.
Kosten nach Wohnungsgröße: eine Rechnung
Die folgende Tabelle ist eine Rechnung, keine Preisliste. Sie zeigt, was sich ergibt, wenn ein Betrieb mit 50 bis 80 Euro je Stunde abrechnet und zehn beziehungsweise fünf Quadratmeter in der Stunde schafft. Ersetzen Sie die angenommene Flächenleistung durch die, die Ihr Betrieb nennt — dann steht Ihre Zahl in der Tabelle.
| Wohnfläche | Streichfläche (Beispiel: das 2,5-Fache) | Kosten bei 10 m² pro Stunde | Kosten bei 5 m² pro Stunde |
|---|---|---|---|
| 40 Quadratmeter | 100 Quadratmeter | 500 bis 800 Euro | 1.000 bis 1.600 Euro |
| 50 Quadratmeter | 125 Quadratmeter | 625 bis 1.000 Euro | 1.250 bis 2.000 Euro |
| 60 Quadratmeter | 150 Quadratmeter | 750 bis 1.200 Euro | 1.500 bis 2.400 Euro |
| 70 Quadratmeter | 175 Quadratmeter | 875 bis 1.400 Euro | 1.750 bis 2.800 Euro |
| 80 Quadratmeter | 200 Quadratmeter | 1.000 bis 1.600 Euro | 2.000 bis 3.200 Euro |
| 100 Quadratmeter | 250 Quadratmeter | 1.250 bis 2.000 Euro | 2.500 bis 4.000 Euro |
Die Werte sind Arbeitszeit ohne Farbe und Material. Die untere Zahl einer Zeile gilt für einen einfachen Anstrich auf einem vorbereiteten Untergrund, die obere für eine Wohnung, in der gespachtelt, abgeklebt und zweimal gestrichen wird. Warum die Spanne so weit ist: Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Fall eines 100-Quadratmeter-Objekts liegen rund 2.750 Euro — und dieser Unterschied entsteht nicht durch Verhandlungsgeschick, sondern durch den Zustand der Wände.
Was zusätzlich berechnet wird
Nicht jede Position steckt im Stundensatz. Fragen Sie vor der Beauftragung, was in welcher Form abgerechnet wird:
- Anfahrt und eine mögliche Pauschale
- Abdecken von Böden, Möbeln und Heizkörpern
- Möbel rücken und wieder aufstellen
- Tapete entfernen, falls eine abgelöst werden muss
- Spachtelarbeiten und Grundierung mit den dazugehörigen Trocknungszeiten
- Farbe und Material, wenn der Betrieb es stellt
- Entsorgung von Tapetenresten und Farbgebinden
- Gerüst oder Leiter bei hohen Räumen und Treppenhäusern
- Zuschläge für Arbeiten am Wochenende
- Eine Nachbesserung, wenn nach dem Trocknen etwas durchschlägt
Wer diese Liste im Angebot abhakt, hat einen belastbaren Vergleich. Ohne sie vergleicht man Angebote, die unterschiedliche Leistungen enthalten — und das ist der häufigste Grund, warum ein Angebot 40 Prozent billiger aussieht als das andere.
Was im Angebot stehen sollte
Ein vollständiges Angebot nennt den Leistungsumfang, nicht nur den Preis. Dazu gehören die zu streichenden Flächen mit Quadratmetern, die Anzahl der Anstriche, die Art der Farbe, die Vorarbeiten, die enthaltenen Abdeckarbeiten und die Endreinigung. Ebenso die Frage, ob nach Stunden oder zum Festpreis abgerechnet wird: Der Festpreis ist die kalkulierte Summe und damit berechenbarer, der Stundenlohn ist gerecht, wenn der Aufwand schwer vorherzusagen ist. Beides ist üblich, und beide Formen sollten mit dem vereinbarten Satz im Angebot stehen.
Zwei Punkte werden dabei häufig übersehen. Erstens die Fugen: Anschlüsse und Risse werden mit Acryl geschlossen, und die Reihenfolge entscheidet über das Ergebnis — dazu siehe Acryl vor oder nach dem Streichen. Zweitens der vorhandene Anstrich: Auf einer Latex- oder Dispersionsfarbe mit hohem Bindemittelanteil hält ein normaler Anstrich nicht zuverlässig, das gehört vorab geprüft — dazu siehe Latexfarbe überstreichen.
Wenn mehrere Räume gestrichen werden sollen, lohnt es, sie in einem Auftrag zu bündeln: Anfahrt, Abdecken und Einrichtung des Arbeitsplatzes fallen dann einmal an.
Selbst streichen: was das Material kostet
Wer die Arbeit selbst macht, bezahlt keine Arbeitszeit, sondern Material. Der Unterschied ist groß, aber nicht unbegrenzt: Farbe, Spachtelmasse, Abdeckmaterial und Werkzeug sind echte Posten, und ein Teil davon ist eine einmalige Anschaffung. Was in jedem Fall dazugehört:
Für kleinere Ausbesserungen an Wänden gehört Spachtelmasse in den Warenkorb, erst zum Glätten der Fläche gehört ein größeres Gebinde. Vor dem ersten Anstrich steht das Abdecken, und die Farbe selbst ist der größte Einzelposten. Was das Material für einen Raum kostet, lässt sich an den Preisen unten ablesen — es ist ein niedriger dreistelliger Betrag, wo für dieselbe Fläche mehrere Arbeitsstunden anfallen.
Alpinaweiß Das Original kostet 62,98 Euro und trägt 4,5 Sterne aus 547 Rückmeldungen. Für die Ausbesserung kleiner Stellen gibt es Baufan Alles-Spachtel in einem Kilo für 5,60 Euro, mit 4,2 Sternen aus 1.785 Rückmeldungen die breiteste Bewertungsbasis unter den Spachtelmassen. Wer eine ganze Wand spachteln muss, nimmt ein 25-Kilo-Gebinde für 37,35 Euro.
Zum Abdecken gehört ein Malervlies mit 50 Metern Länge für 24,99 Euro, das mit 4,6 Sternen aus 8.158 Rückmeldungen das bestbewertete Produkt in dieser Übersicht ist, dazu Folie für Böden und empfindliche Flächen. Ein 9-teiliges Malerset mit Rollen und Pinseln kostet 17,49 Euro und trägt 4,3 Sterne aus 1.571 Rückmeldungen.
Alle Preise und Bewertungen stammen aus den Produktdaten. Was beim Vorbereiten und Streichen zu beachten ist, steht in den Ratgebern zu Grundierung auf Gips- und Kalkputz und zu Glattvlies oder Spachteln. Wer tapeziert oder eine alte Tapete entfernt, findet die Untergrundvorbereitung unter Makulatur und Feinmakulatur.
Was Sie selbst übernehmen können
Der wirksamste Hebel liegt nicht beim Streichen, sondern bei der Vorarbeit. Alles, was vor dem ersten Pinselstrich passiert, kostet ebenfalls Arbeitsstunden — und ein Teil davon lässt sich selbst erledigen:
- Möbel rücken, Bilder abhängen, Vorhänge entfernen
- Böden und Einbauten abdecken: Das dauert beim Profi eine Stunde und beim ersten Mal drei, aber es kostet kein Material
- Tapete entfernen, wenn sie abgelöst werden muss
- Kleine Risse und Löcher spachteln, wenn die Wand danach ohnehin gestrichen wird
- Steckdosen und Schalter abkleben — Kabelarbeiten gehören dagegen in die Hand eines Elektrikers
Was Sie dagegen nicht selbst übernehmen sollten: Decken in hohen Räumen, Treppenhäuser, Flächen über Kopf und alles, wo ein Untergrundschaden erst nach dem Öffnen sichtbar wird. Warum Decken eine eigene Übung sind, steht unter Decke streichen ohne Streifen. Ein gespachtelter Bereich, der nach dem Trocknen abzeichnet, kostet den Betrieb einen zusätzlichen Arbeitsgang — und in einem Festpreis ist er dann enthalten, aber nicht eingeplant.
Ein Hinweis für Mieter: Wenn Sie ausziehen, ist das Streichen oft vertraglich geregelt. Was zulässig ist und was nicht, steht im Wohnung streichen nach Auszug.
Regionale Unterschiede
Stundensätze und Quadratmeterpreise unterscheiden sich regional, und der Unterschied ist größer als der zwischen den Anbietern vor Ort. Hohe Miet- und Lohnkosten in Ballungsräumen, lange Anfahrten im ländlichen Raum und die Auftragslage vor Ort wirken zusammen. Belastbare Vergleichszahlen gibt es dafür nicht, weil jeder Betrieb selbst kalkuliert.
Praktisch heißt das: Holen Sie drei Angebote aus Ihrer Region ein. Ein Angebot aus einer anderen Stadt hilft nicht weiter, und ein überregionaler Vergleichswert ebenso wenig.

Häufige Fragen
Fazit
Die Kosten beim Streichen lassen entstehen aus zwei Größen: dem Stundensatz von 50 bis 80 Euro und der Fläche, die ein Betrieb in einer Stunde schafft. Alles andere — Quadratmeterpreise, Wohnungsgrößen, regionale Unterschiede — ist eine Rechnung aus diesen beiden Werten, und die Rechnung fällt je nach Vorarbeit sehr unterschiedlich aus. Wer Angebote vergleicht, sollte deshalb nicht die Quadratmeterpreise vergleichen, sondern die enthaltenen Leistungen, die Anzahl der Anstriche und die Bezugsfläche. Und wer einen Teil der Vorarbeit selbst übernimmt, senkt die Rechnung an der Stelle, an der sie am stärksten wächst.






