Makulatur ist eine Untertapete. Eine dünne Papier- oder Vliesbahn kommt dabei vor der eigentlichen Wandbekleidung auf die Wand, nicht als Dekoration, sondern als Vorbereitung. Sie sorgt für einen gleichmäßig aufnahmefähigen Untergrund, glättet kleine Unebenheiten und nimmt die Spannungen auf, die beim Trocknen im Nahtbereich entstehen.
Der Begriff stiftet Verwirrung, weil er zwei verschiedene Dinge bezeichnet: die Untertapete von der Rolle und die flüssige Spachtelmasse, die als Feinmakulatur verkauft wird. Beide verfolgen dasselbe Ziel, unterscheiden sich aber in Konsistenz, Verarbeitung und Preis.
Dieser Beitrag erklärt die Wortbedeutung, grenzt Makulatur gegen Tiefengrund und Spachtelmasse ab und beschreibt das Auftragen Schritt für Schritt. Die technischen Angaben stammen aus den Merkblättern der Hersteller, die Preise und Bewertungen aus den Produktdaten.
Was Makulatur bedeutet
Das Wort kommt aus dem Lateinischen. Maculatura heißt beflecktes Ding, abgeleitet von macula, dem Fleck. Gemeint waren ursprünglich bedruckte Papierbogen, die beim Drucken verdorben und damit unbrauchbar geworden waren. Makulatur war Altpapier.
Im Malerhandwerk wurde genau dieses Papier weiterverwendet: als Untertapete unter der teuren Dekortapete. Der Name blieb, das Material hat gewechselt. Heute ist Makulatur ein Industrieprodukt aus einlagigem Papier oder aus Vlies.
Unter demselben Wort laufen zwei Produkte:
| Bezeichnung | Was es ist | Wofür es dient |
|---|---|---|
| Rollenmakulatur | Papier- oder Vliesbahn von der Rolle | Untertapete unter der Dekortapete |
| Flüssige Makulatur, auch Feinmakulatur | anrühr- oder gebrauchsfertige Spachtelmasse | Angleichen rauer und körniger Untergründe |
Wer im Baumarkt nach Makulatur fragt, bekommt je nach Regal eine Rolle oder einen Eimer. Beides ist richtig, und beides lässt sich nicht gegeneinander austauschen. Die Abgrenzung der beiden Begriffe steht auch im Lexikon unter Makulatur und Feinmakulatur.
Wann eine Makulatur nötig ist und wann nicht
Der Untergrund entscheidet. Nach dem Merkblatt für Papiermakulatur muss die Wand trocken, tragfähig, gleichmäßig saugfähig, sauber, glatt und für die vorgesehene Wandbekleidung hinreichend ebenflächig sein. Jede dieser Bedingungen ist ein eigener Arbeitsschritt, und keiner davon lässt sich mit Makulatur überspringen.
Sinnvoll ist eine Makulatur in diesen Fällen:
- Der Untergrund saugt ungleichmäßig. Reparierte Stellen, Gipsflecken oder unterschiedliche Putzarten nehmen Kleister verschieden schnell auf, und genau daraus entstehen Blasen und abzeichnende Flecken.
- Die Wand ist rau oder körnig. Hier glättet die Makulatur so weit, dass eine dünne Dekortapete darüber liegt, ohne jede Unebenheit nachzuzeichnen.
- Ein Farbton soll zuverlässig decken. Papiermakulatur schafft nach Herstellerangabe gleichmäßig helle und saugende Untergründe, statt dass ein dunkler Altbelag durch den neuen durchscheint.
- Es ist eine Wandbekleidung geplant, die jede Unebenheit zeigt: dünne Papiertapeten, Metallic- oder Prägetapeten, Fototapeten. Wie Muster ausgerichtet werden, steht in der Anleitung für Mustertapete tapezieren.
Keinen Nutzen bringt sie auf einem intakten, gleichmäßig saugfähigen und glatten Untergrund. Dort ist sie eine zusätzliche Schicht, die Geld und Zeit kostet, ohne etwas zu verbessern.
Was Makulatur nicht leistet: Sie sperrt keine Flecken. Nikotin, Wasser- oder Rußränder wandern auch durch eine Papierschicht und zeichnen sich später ab. Dafür braucht es einen Sperrgrund, der die Flecken abschließt, bevor die Makulatur darauf kommt.
Makulatur oder Tiefengrund
Beide Begriffe fallen im selben Arbeitsschritt, und sie werden oft verwechselt. Der Unterschied liegt in der Wirkung:
| Mittel | Form | Wirkung |
|---|---|---|
| Tiefengrund | Flüssigkeit, wird gestrichen oder gerollt | reguliert die Saugfähigkeit, verfestigt sandende Untergründe, bindet Staub |
| Rollenmakulatur | Papier- oder Vliesbahn | bildet eine neue, gleichmäßige Oberfläche, gleicht kleine Unebenheiten aus |
| Flüssige Makulatur | pastöse Spachtelmasse | füllt Poren und gleicht raue, körnige Putze aus |
Ein Tiefengrund verändert die Oberfläche nicht, er bereitet sie vor. Eine Rollenmakulatur schafft eine neue Oberfläche. Und die flüssige Makulatur ist ein Zwischending: Sie glättet wie ein Spachtel, wird aber gestrichen statt gespachtelt.
Daraus folgt die Reihenfolge in der Praxis. Erst der Untergrund, dann die Grundierung, dann die Makulatur, dann die Dekortapete. Stark saugende und unterschiedlich saugende Untergründe sind vor der Makulatur mit einer geeigneten Grundierung zu behandeln.
Die drei Varianten im Vergleich
| Variante | Material | Stärke | Vorteil | Verarbeitung |
|---|---|---|---|---|
| Papiermakulatur | einlagiges Papier | 120 g/m² | günstigster Quadratmeterpreis, spaltbar, PVC-frei, diffusionsoffen | Bahnen einkleistern, Weichzeit abwarten, Nähte stoßen |
| Vliesmakulatur, auch Renovier- oder Glattvlies | Vlies aus Synthesefasern mit Zellstoffanteil | 150 g/m² | keine Weichzeit, formstabil, überstreichbar, für Allergiker geeignet | Kleister auf die Wand, Bahn trocken ansetzen |
| Flüssige Makulatur, Feinmakulatur | Holzmehl, mineralische Anteile, modifizierte Stärke | pastös | glättet raue Putze, füllt Poren, keine Bahnen | mit Kelle oder Flächenspachtel aufziehen, trocknen lassen, bei Bedarf überschleifen |
Die Papierrolle des Herstellers Erfurt misst 17 Meter Länge bei 53 Zentimetern Breite, was rund neun Quadratmetern je Rolle entspricht. Die Gewebestruktur des Papiers ist spaltbar: Beim späteren Entfernen lässt sich eine Schicht abziehen und die darunterliegende bleibt als Sauberkeitsschicht stehen.
Vlies braucht keine Weichzeit. Der Kleister wird auf die Wand aufgetragen und die Bahn trocken angesetzt. Papier dagegen muss einkleistert werden und quellen, sonst wirft es später Blasen.
Die flüssige Variante ist die einzige, die Unebenheiten nicht nur überdeckt, sondern auffüllt. Nach Herstellerangabe reicht ein Kilogramm für etwa 20 bis 25 Quadratmeter, aufgetragen mit Glättkelle oder Flächenspachtel und für große Flächen auch mit einem Airless-Gerät. Vor dem Tapezieren muss die Fläche vollständig durchtrocknen, danach kann sie leicht nachgeschliffen werden.
Den Untergrund vorbereiten
Vor der ersten Bahn steht die Prüfung. Der Untergrund muss trocken, tragfähig, sauber und frei von Trennmitteln wie Staub oder Schalöl sein. Nicht haftende Beschichtungen und alte Tapeten werden entfernt, nicht überklebt: Das Merkblatt für Papiermakulatur verlangt das ausdrücklich, weil eine Makulatur auf einer schwach haftenden Altlage deren Ablösung nur beschleunigt.
Risse, Fehlstellen und raue Putzstellen werden mit einer Spachtelmasse geschlossen. Der Hersteller verlangt dafür eine gipshaltige Spachtelmasse, weil sie sich schleifen lässt und mit dem Untergrund arbeitet. Ob das jeweilige Produkt gipshaltig ist, steht auf dem Gebinde, nicht auf dem Preisschild.
Glatte Gipsputze werden mit verdünntem Kleister vorgeleimt. Der Grund ist die Saugfähigkeit: Reiner Gips entzieht dem Kleister das Wasser so schnell, dass die Verbindung nicht mehr zustande kommt. Die Vorleimung nimmt dem Untergrund die Spitze.
Stark saugende und unterschiedlich saugende Untergründe bekommen eine Grundierung. Sie soll nach Herstellerangabe für einen gleichmäßig saugenden Untergrund sorgen und Staub binden. Ein lösemittelfreier Haftvermittler für saugende und nicht saugende, auch feuchte Untergründe kostet 21,00 Euro für fünf Liter und trägt 4,6 Sterne aus 3.546 Rückmeldungen (Produktdaten, Stand 12.09.2026). Der Verbrauch liegt bei rund 0,2 Litern je Quadratmeter, fünf Liter reichen also für etwa 25 Quadratmeter. Je nach Witterung entsteht nach rund 30 Minuten ein klebriger Film; bei stark saugenden Untergründen darf der Haftgrund 1:1 mit Wasser verdünnt werden.
Flecken sind ein eigener Fall. Nikotin, Wasser- und Rußränder wandern durch Papier und Vlies hindurch und zeichnen sich nach Wochen auf der neuen Oberfläche ab. Dagegen hilft nur ein Sperrgrund, der die Flecken abschließt. Eine Spezialgrundierung für Feuchtigkeit und Flecken kostet 12,41 Euro für 750 Milliliter und trägt 4,5 Sterne aus 632 Rückmeldungen (Produktdaten, Stand 12.09.2026). Sie kommt auf die fleckige Stelle, trocknet durch, danach folgt die Makulatur.
Für größere Flächen lohnt ein Sack Spachtelmasse statt kleiner Gebinde: Ein gebrauchsfertiger Fertigspachtel mit 25 Kilogramm Inhalt kostet 37,35 Euro und trägt 4,5 Sterne aus 1.201 Rückmeldungen (Produktdaten, Stand 12.09.2026). Er wird mit der Kelle oder dem Flächenspachtel aufgezogen und nach dem Trocknen überschliffen.
Auftragen in sechs Schritten
Erstens: zuschneiden. Die Bahnen werden mit Überstand an Decke und Boden zugeschnitten. Der Überstand wird später abgeschnitten, nicht vorher passend geschnitten; eine Bahn, die einen Zentimeter zu kurz ist, ist Ausschuss.
Zweitens: Kleister ansetzen. Bei Vliesmakulatur wird der Kleister auf die Wand aufgetragen, die Bahn kommt trocken darauf. Bei Papiermakulatur wird die Bahn einkleistert. Die Richtung ergibt sich aus dem Material: Papier muss quellen, Vlies nicht.
Ein Vlies-Tapetenkleister für Vliestapeten reicht nach Herstellerangabe für bis zu 116 Quadratmeter, kostet 24,75 Euro und trägt 4,7 Sterne aus 6.022 Rückmeldungen (Produktdaten, Stand 12.09.2026). Umgerechnet sind das rund 21 Cent Kleister je Quadratmeter.
Drittens: Weichzeit abwarten, aber nur beim Papier. Die eingekleisterte Papierbahn wird 2 zu 1 zusammengelegt und bleibt fünf bis zehn Minuten liegen. Das ist die Zeitspanne, die der Hersteller angibt. Vlies kennt diesen Schritt nicht.
Viertens: Bahn an Bahn, Naht an Naht. Die Bahnen werden lotrecht und ohne Überlappung verklebt. Blasen und Falten werden mit der Tapezierbürste oder einer Gummirolle herausgedrückt, nicht mit der Hand.
Fünftens: Ecken trennen, nicht überlappen. In Innenecken wird die Trennung mit der Schere ausgeführt oder die Bahn an einem Tapezierspachtel abgerissen. An Außenecken wird nicht überlappend tapeziert, sondern die Trennung erfolgt exakt auf der Kante.
Sechstens: Überstand abschneiden und Nähte prüfen. Der Überstand an Decke und Fußboden kommt mit einem scharfen Messer ab, solange der Kleister noch weich ist. Ein faltbares Cuttermesser kostet 11,99 Euro und trägt 4,7 Sterne aus 10.899 Rückmeldungen (Produktdaten, Stand 12.09.2026).
Für die Untertapete selbst eignet sich ein Renoviervlies mit 150 Gramm je Quadratmeter: Eine Rolle mit 25 Metern Länge und 75 Zentimetern Breite ergibt 18,75 Quadratmeter, kostet 23,50 Euro und trägt 4,6 Sterne aus 488 Rückmeldungen (Produktdaten, Stand 12.09.2026). Das sind 1,25 Euro je Quadratmeter. Das Vlies ist atmungsaktiv, überstreichbar und lässt sich nach dem Trocknen mit jedem Wandbelag überkleben.
Wann die Dekortapete folgen darf
Die Herstellerangaben sind an dieser Stelle bewusst zurückhaltend. Das Merkblatt für Papiermakulatur sagt: nach Trocknung mit allen Wandbelägen überklebbar. Das Merkblatt für flüssige Makulatur sagt: die behandelte Fläche vor dem Tapezieren vollständig durchtrocknen lassen. Eine feste Stundenzahl nennt keines von beiden.
Der Grund ist nachvollziehbar: Die Trocknungszeit hängt von Schichtdicke, Untergrund, Luftfeuchte, Temperatur und Luftwechsel ab. Eine Faustregel aus dem Netz ersetzt diese Angaben nicht. Wer sichergehen will, prüft die Fläche selbst: Eine durchgetrocknete Makulatur ist gleichmäßig hell, und die Nähte liegen flach an. Feuchte Stellen bleiben dunkler.
Die frühere Fassung dieses Beitrags nannte 24 Stunden für Papiermakulatur und wenige Stunden für Vlies. Beide Zahlen waren erfunden. Sie stehen hier nicht mehr. Bei unebenen Wänden entscheidet zusätzlich die Wahl der Tapete; siehe Unebene Wände tapezieren: Welche Tapete was ausgleicht.
Makulatur streichen
Eine Makulatur muss nicht unter einer Tapete verschwinden. Vliesmakulatur ist ausdrücklich als überstreichbar angeboten, und gestrichen ist sie der schnellste Weg zu einer glatten, einfarbigen Wand ohne Tapezierarbeit an der Sichtfläche.
Zwei Anstriche sind üblich: ein erster, dünnerer Auftrag als Grundierung und ein zweiter, deckender. Gerollt wird mit einer Farbwalze mit mittlerem Flor, damit die Farbe gleichmäßig in die Struktur geht. Die Untergrundvorbereitung bleibt dieselbe; gespachtelt und grundiert wird vorher, nicht danach. Welcher Farbton zu welchem Raum passt, ist eine eigene Frage: Welche Wandfarbe passt?
Was Makulatur kostet
| Position | Menge | Preis | je Quadratmeter |
|---|---|---|---|
| Vliesmakulatur 150 g | Rolle mit 18,75 m² | 23,50 Euro | 1,25 Euro |
| Vlies-Tapetenkleister | Packung für bis zu 116 m² | 24,75 Euro | 0,21 Euro |
| Haftgrund für den Untergrund | 5 Liter für rund 25 m² | 21,00 Euro | 0,84 Euro |
| Sperrgrund gegen Flecken | 750 Milliliter | 12,41 Euro | nach Bedarf |
| Spachtelmasse | 25 Kilogramm | 37,35 Euro | nach Bedarf |
| Cuttermesser | einmalig | 11,99 Euro | einmalig |
Für eine Wandfläche von 35 Quadratmetern reichen zwei Rollen Vliesmakulatur, also 37,5 Quadratmeter für 47,00 Euro. Dazu kommen eine Packung Vlieskleister für 24,75 Euro und Haftgrund für 21,00 Euro. Das sind rund 93 Euro Material, etwa 2,65 Euro je Quadratmeter, ohne Spachtel und Werkzeug. Alle Preise stammen aus den Produktdaten, Stand 12.09.2026.
Typische Fehler
- Makulatur über eine alte Tapete kleben. Der Hersteller verlangt das Entfernen alter Tapeten und nicht haftender Beschichtungen. Wer die Altlage überklebt, verlagert das Problem nur nach oben.
- Flecken ohne Sperrgrund überkleben. Eine Makulatur ist keine Sperrschicht.
- Papiermakulatur ohne Weichzeit verarbeiten. Die Bahn wirft dann nach dem Trocknen Blasen.
- Bahnen überlappend verkleben. Vorgabe ist Naht an Naht; Überlappungen zeichnen sich unter dünnen Tapeten als Wulst ab.
- Vor dem Durchtrocknen tapezieren. Die Feuchtigkeit muss raus, bevor die nächste Schicht kommt.
- Ungleich saugende Stellen nicht grundieren. Genau daraus entstehen die Flecken, die später durchscheinen.
Häufige Fragen
Fazit
Makulatur ist kein Dekor, sondern Vorbereitung. Sie ersetzt weder die Grundierung noch den Sperrgrund, sie kommt danach. Wer den Untergrund prüft, alte Tapeten entfernt, Flecken sperrt und ungleich saugende Stellen grundiert, hat die Fehlerquellen beseitigt, bevor die erste Bahn an der Wand hängt.
Vliesmakulatur ist die einfachere Variante: keine Weichzeit, formstabil, überstreichbar. Papiermakulatur ist günstiger und spaltbar, verlangt aber den richtigen Kleister und die Weichzeit. Die flüssige Makulatur ist die einzige, die Unebenheiten auffüllt statt sie zu überdecken. Welche Variante passt, entscheidet der Untergrund, nicht der Preis.






