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Dämmputz ist ein mineralischer Putz mit porösen Zuschlägen — Perlit, EPS-Granulat oder Aerogel —, der in Dicken von 20 bis 60 mm aufgetragen wird und die Wärmeleitfähigkeit der Wand verbessert. Er wird außen wie innen eingesetzt, ist diffusionsoffener als ein Wärmedämmverbundsystem und lässt sich auf unebene Untergründe aufbringen. Die Grenzen liegen bei der Dämmwirkung (etwa ein Drittel bis die Hälfte eines WDVS) und bei der Feuchte: Bei Innendämmung muss der Taupunkt berechnet werden, sonst entsteht Feuchte im Bauteil.
Was Dämmputz ist — und was er nicht ist
Dämmputz ist ein Putz, kein Dämmstoff im eigentlichen Sinn. Seine Wärmeleitfähigkeit liegt je nach Zuschlag bei 0,045 bis 0,070 W/(m·K), bei Aerogel-Zuschlägen darunter. Ein WDVS mit EPS erreicht 0,032 bis 0,040 W/(m·K) — bei deutlich größerer Dicke.
Der Vergleich:
| System | typische Dicke | Wärmeleitfähigkeit | Aufwand |
|---|---|---|---|
| Dämmputz mineralisch | 20 bis 60 mm | 0,045 bis 0,070 W/(m·K) | Putzauftrag, mehrlagig |
| Dämmputz mit Aerogel | 10 bis 30 mm | ab etwa 0,028 W/(m·K) | teuer, sehr leichte Verarbeitung |
| WDVS | 80 bis 200 mm | 0,032 bis 0,040 W/(m·K) | Dämmplatten, Armierung, Oberputz |
| Innendämmplatte | 20 bis 80 mm | 0,035 bis 0,045 W/(m·K) | Platten kleben, armieren, spachteln |
Aufbau, Wärmeleitfähigkeit und Verarbeitung beschreibt der Eintrag Dämmputz. Die Zahlen zur Wärmeleitfähigkeit und was der Lambda-Wert bedeutet, stehen unter Wärmeleitfähigkeit und Lambda-Wert.
Wo Dämmputz sinnvoll ist
- Unruhige Fassaden. Dämmputz gleicht Unebenheiten aus, ohne dass eine komplette Dämmplattenebene aufgebaut werden muss.
- Denkmalschutz und Altbau. Wo eine Dämmung die Fassadengliederung oder den Bestand verändern würde, ist ein Putz mit geringerer Dämmwirkung oft die einzige genehmigungsfähige Lösung.
- Innendämmung in Einzelfällen. Wenn außen nicht gedämmt werden kann, lässt sich mit Dämmputz innen arbeiten — aber nur mit Taupunktberechnung.
- Sockel und Brüstungen. Wo eine dünne Dämmung reicht, ist der Aufwand geringer als bei Platten.
Aufbau der Schichten
Ein Dämmputzsystem besteht aus mehreren Lagen, die zusammenpassen müssen:
- Untergrundvorbereitung: reinigen, feste Putzreste entfernen, bei Bedarf grundieren.
- Spritzbewurf oder Haftbrücke bei glatten oder stark saugenden Untergründen.
- Dämmputz in einer oder mehreren Lagen, je nach Dicke mit Armierung.
- Armierung mit Glasfasergewebe bei Übergängen, Ecken und bei Dicken über 30 mm.
- Oberputz oder Deckbeschichtung: Filzputz, Reibeputz oder ein Anstrich.
Der Armierungskasten: Für Übergänge zwischen Dämmputz und Bestandsputz gehört ein Glasfasergewebe in die Armierung — dort entstehen sonst Risse.
Der Oberputz-Kasten: Ein mineralischer Buntsteinputz als Oberlage sorgt für Witterungsschutz und Optik; bei den Farbtönen ist die Musterkarte des Herstellers der Maßstab.
Die Feuchtefrage — der wichtigste Abschnitt
Bei Außendämmung liegt der Taupunkt in der Dämmung, außerhalb des Mauerwerks. Das ist unkritisch, solange die Dämmung Feuchte aufnehmen und wieder abgeben kann.
Bei Innendämmung liegt der Taupunkt im Bestand. Das heißt: Feuchtigkeit aus der Raumluft kann im Mauerwerk auskondensieren, wenn die Dämmung zu dünn, zu dicht oder der Anschluss falsch ist. Folgen sind Schimmel auf der Innenseite der kalten Wand und Frostschäden im Mauerwerk.
Drei Regeln:
- Tauwasserberechnung vor der Ausführung. Ohne Rechnung ist Innendämmung ein Glücksspiel. Der sd-Wert der Schichten entscheidet, ob die Feuchte abgeführt wird — Grundlagen unter sd-Wert.
- Kapillaraktive Schichten. Dämmputz mit mineralischen Zuschlägen kann Feuchte aufnehmen und zurücktrocknen, was ihn für Innendämmung geeigneter macht als dichte Platten.
- Anschlüsse mitdenken. Deckenanschlüsse, Fensterlaibungen, Innenecken und Wärmebrücken sind die Stellen, an denen es zuerst feucht wird.
Der Grundierungskasten: Für den Aufbau auf glatten oder alten Putzflächen gehört eine passende Grundierung zum System, damit der Dämmputz flächig haftet.
Verarbeitung
Dämmputz wird in der Regel maschinell aufgebracht — mit einer Putzmaschine oder einem Rührwerk mit Förderpumpe. Von Hand ist er wegen der Menge und der kurzen Verarbeitungszeit kaum wirtschaftlich.
Welche Leistung ein Rührwerk für Farbe, Putz und Estrich haben sollte und worin sich die Bauarten unterscheiden, steht im Vergleich Rührwerk.
Ablauf:
- Untergrund vorbereiten und anfeuchten, nicht durchnässen.
- Erste Lage aufziehen, Dicke nach Herstellerangabe, Oberfläche aufrauen.
- Zweite Lage nach Ansteifzeit, Gesamtdicke erreichen.
- Armieren an Übergängen und Ecken.
- Oberfläche gestalten: filzen, reiben oder dem Oberputz überlassen.
- Austrocknen lassen. Dämmputz trocknet langsam — je nach Dicke mehrere Wochen. In dieser Zeit darf keine Deckbeschichtung aufgebracht werden.
Außen: der Witterungsschutz
- Kein Dämmputz auf dauerhaft feuchtem Untergrund. Feuchte im Bestand muss vorher geklärt werden.
- Schlagregenzone beachten. In stark schlagregenbeanspruchten Lagen ist eine wasserabweisende Deckbeschichtung Pflicht.
- Sockel getrennt ausführen. Bis 30 cm über Gelände gehört ein spritzwasserfester Sockelputz in anderer Ausführung.
- Fassadenfarbe mit Witterungsschutz als Abschluss, in mehreren Aufträgen.
Der Fassadenkasten: Für den Abschlussanstrich gehört eine witterungsbeständige Fassadenfarbe in Silikat- oder Silikonharzqualität dazu; sie lässt die Dämmebene diffusionsoffen.
Wie eine Fassade vor einer Beschichtung gereinigt wird, steht unter Fassade reinigen.
Kosten
Dämmputz ist teurer als ein normaler Putz und günstiger als ein WDVS mit Platten. Die Differenz liegt im Material und in der Verarbeitungszeit. Für einen belastbaren Quadratmeterpreis gibt es keinen öffentlichen Richtwert, der sich auf das eigene Objekt übertragen lässt: Dicke, Untergrund, Gerüst und Region bestimmen den Aufwand. Wer ihn als Deckenzuschlag zur Förderung einsetzen will, braucht eine Energieberatung — die förderrechtlichen Anforderungen (GEG, Anlage 7) sind an das gesamte Bauteil gebunden, nicht an den einzelnen Putz.
Häufige Fehler aus der Praxis
| Fehler | Folge | Abhilfe |
|---|---|---|
| Innendämmung ohne Tauwasserberechnung | Feuchte im Mauerwerk, Schimmel an der Innenfläche. | Rechnung vor der Ausführung. |
| Feuchten Untergrund überputzt | Der Putz löst sich flächig. | Ursache klären, Trocknung abwarten. |
| Zu früh beschichtet | Der Dämmputz ist innerlich noch feucht, die Farbe schimmert oder platzt. | Austrocknungszeit abwarten. |
| Armierung vergessen | Risse an Übergängen. | Gewebe an allen Materialwechseln. |
| Dämmwirkung überschätzt | 30 mm Dämmputz ersetzen keine 100 mm Dämmplatte. | U-Wert berechnen lassen, nicht schätzen. |







