Fassade reinigen: Druck, Verfahren und Grenzen

Schnelle Antwort

Für feste Oberflächen wie Klinker, Sichtbeton und mineralische Putze ist der Hochdruckreiniger das wirtschaftlichste Verfahren: Flachstrahldüse, 60 bis 100 bar, Abstand von 30 cm, von oben nach unten arbeiten. Bei Wärmedämmverbundsystemen, bei historischen Putzen und bei offenen Fugen ist der Druck zu reduzieren oder ganz auf manuelle Reinigung und Dampf umzustellen. Nach der Reinigung folgt bei mineralischen Oberflächen eine Hydrophobierung oder ein Anstrich — sonst siedelt sich der Grünbelag innerhalb von zwei Jahren wieder an.

Reinigen oder streichen?

Die Entscheidung hängt am Untergrund, nicht am Geschmack.

  • Gereinigt wird, wenn die Oberfläche fest, intakt und farblich in Ordnung ist und nur Bewuchs, Staub oder Verschmutzung aufliegen.
  • Gestrichen wird, wenn die Oberfläche kreidet, abblättert, Risse zeigt oder Feuchteflecken auf ein tieferes Problem hinweisen.
  • Zuerst geprüft wird, wenn Algen und Moos auftreten: Sie sind ein Feuchtigkeitssignal. Eine Nordfassade mit dichter Bepflanzung und schattigem Standort wird nach der Reinigung ohne bauliche Änderung wieder begrünen.

Den Untergrund bestimmen

UntergrundEignung für HochdruckVerfahren
Klinker, VerblenderhochHochdruck, mittlerer Druck, Flachstrahl
SichtbetonhochHochdruck, hoher Druck möglich
Mineralischer Putz (Kalkzement)mittelHochdruck mit reduziertem Druck, Abstand halten
Reibeputz, Kratzputzmittel bis niedrigNiederdruck, weite Düse, kein Punktstrahl
Wärmedämmverbundsystem (WDVS)niedrigNiederdruck oder manuell, Dampf bevorzugt
Historischer Putz, Fachwerkniedrigmanuell, Bürste, Dampf
Holzfassadeniedrig bis mittelNiederdruck, parallel zur Faser
Algenbewuchs, Schleimfilmehochvorbehandeln mit Algenentferner, dann abspülen

Der wichtigste Grundsatz lautet: Je weicher und offener der Untergrund, desto weniger Druck. Ein Kratzputz mit 100 bar wird an der Oberfläche abgetragen, die Struktur zerstört und die Wasseraufnahme erhöht. Genau das Gegenteil des gewünschten Ergebnisses.

Verfahren im Vergleich

Manuelle Reinigung. Bürste, Schrubber und viel Wasser. Langsam, aber die schonendste Methode für WDVS, historische Putze und Sichtfachwerk. Für Fassaden mit dünnem Bewuchs die erste Wahl.

Hochdruckreinigung. Das wirtschaftlichste Verfahren: geringer Wasserverbrauch im Vergleich zum Schlauch, hohe Flächenleistung, für feste Oberflächen geeignet. Mit Heißwasser zwischen 60 und 80 Grad Celsius brechen Verschmutzungen schneller auf. Mit einer Rotordüse oder Hochleistungsdüse lässt sich die Reinigungsleistung gegenüber einer Flachstrahldüse um etwa 40 Prozent steigern — sie greift aber auch deutlich stärker ins Material ein.

Dampfreinigung. Arbeitet mit hoher Temperatur und wenig Wasser. Für WDVS und für Oberflächen mit empfindlicher Struktur die beste Kombination. Bei mineralischen Putzen werden Flechten und Algen mit den Wurzeln abgetötet, was die Wiederbesiedlung verzögert.

Sandstrahlen und Trockeneisstrahlen. Für starke Verkrustungen, Graffiti und historische Fassaden mit harten Verschmutzungen. Aufwendig, teuer, nur von Fachbetrieben durchzuführen — und am Bauwerk nicht überall zulässig.

Hochdruck richtig einsetzen

Fünf Parameter entscheiden über das Ergebnis:

  1. Druck: 60 bis 100 bar bei mineralischen Putzen, 100 bis 150 bar bei Klinker und Beton. Bei WDVS auf 30 bis 50 bar reduzieren, wenn überhaupt mit Hochdruck gearbeitet wird.
  2. Wassermenge: Die Schwemmwirkung trägt den gelösten Schmutz ab. Große Geräte arbeiten mit bis zu 1.000 Litern pro Stunde. Bei tragbaren Kleingeräten fehlt die Wassermenge, weshalb mehr Druck und weniger Wirkung nötig sind.
  3. Düse: Flachstrahldüse für die Fläche, Punktstrahl nur für einzelne Flecken. Rotordüsen sind für Fassaden meist zu aggressiv.
  4. Abstand: Mindestens 30 cm zur Oberfläche, bei empfindlichem Putz 50 cm. Nie im Winkel von 90 Grad aufsetzen — schräg von oben nach unten arbeiten, damit Wasser und Schmutz ablaufen.
  5. Temperatur: Heißwasser zwischen 60 und 80 Grad erreicht mehr als Kaltwasser mit höherem Druck, weil Verschmutzungen und organische Reste aufweichen.

Wichtig bei der Reihenfolge: Von oben nach unten, in überlappenden Bahnen. Fugen, Fensteranschlüsse, Rolladenkästen und Fassadenöffnungen werden vorher abgeklebt oder umgangen. Wasser im Anschlussbereich dringt ein und verursacht Schäden, die erst Monate später sichtbar werden.

Besonderheit Wärmedämmverbundsystem

Ein WDVS ist ein Putzsystem auf einer Dämmplatte. Der Putz ist dünn, die Dämmung mechanisch empfindlich. Drei Regeln:

  • Kein Punktstrahl, kein hoher Druck. Feuchtigkeit, die durch den Putz in die Dämmebene dringt, kann dort kaum entweichen.
  • Algenentferner vorher auftragen und einwirken lassen, dann mit wenig Druck abspülen. Die Chemie arbeitet, das Wasser spült nur nach.
  • Nach der Reinigung prüfen, ob die Oberfläche hydrophobiert ist. Ist sie es nicht, hilft eine Imprägnierung; ein Anstrich muss auf die Systemverträglichkeit abgestimmt sein.

Grünbelag: Ursache und Nachbehandlung

Algen und Moos sind ein Ergebnis von Feuchtigkeit und geringer Lichtintensität. Nach dem Entfernen entscheidet sich in den nächsten zwei Jahren, ob sie wiederkommen.

  • Algenentferner tötet den Bewuchs ab. Auf trockener Fassade aufgetragen, wirkt das Mittel schlechter, daher vorher anfeuchten.
  • Nach der Reinigung sollte die Fassade imprägniert werden. Eine Hydrophobierung hält Wasser ab, ohne die Fassade zu verschließen.
  • Bei wiederkehrendem Befall sind meist bauliche Gründe ursächlich: zu wenig Abstand zu Bepflanzung, keine Tropfkante, dauerhaft schattige Lage, undichte Regenfallrohre.
  • Biozidhaltige Mittel niemals auf die angrenzende Bepflanzung ablaufen lassen. Aufnahme über Wurzeln und Ablauf in Regensammelanlagen sind zu verhindern.

Nach der Reinigung: Hydrophobieren oder streichen

Die Entscheidung folgt aus dem Zustand:

  • Fassade intakt, nur Bewuchs: reinigen, imprägnieren. Der Aufbau bleibt unverändert.
  • Fassade kreidet, Abrieb sichtbar: reinigen, dann streichen. Auf mineralischen Untergründen kommt eine mineralische Farbe in Frage, bei der die Fassade diffusionsoffen bleibt.
  • Holzfassade: Nach dem Reinigen gelten die Regeln des Holzschutzes — bei bewitterten Bauteilen Öl oder Lasur, kein geschlossener Lackfilm.
  • Metallteile an der Fassade wie Abdeckungen, Fallrohre und Geländer: Nach dem Reinigen mit einem Aufbau aus Grundierung und Decklack behandeln, wie unter Metall streichen und Rostschutz beschrieben.
  • Leichte Risse: prüfen, ob es sich um Schwindrisse handelt (unbedenklich) oder um breitere Risse, in denen Wasser steht (instand setzen).
  • Feuchteflecken: Ursache klären, bevor gestrichen wird. Ein Anstrich über einem Feuchteschaden hält nicht lange.

Die Geräte im Vergleich

Kompakt für Hausgebrauch: Kärcher K 3 Power Control Home. 120 bar, mit Flächenreiniger und Reinigungsmittel. Für Terrassen, Gehwege und kleinere Fassadenflächen.

Für regelmäßige Fassadenarbeit: Kärcher K 4 Classic. 130 bar, höhere Wassermenge, robusteres Gehäuse. Für Klinker- und Betonflächen und für größere zusammenhängende Flächen.

Für verwinkelte Fassaden und den mobilen Einsatz: Kärcher OC 3 Plus. Akkubetrieben mit integriertem Wassertank, daher auch dort einsetzbar, wo kein Wasseranschluss liegt. Für Fensterbänke, Sockel und kleinere Flächen.

Für schwierige Beläge: VONROC Profi Hochdruckreiniger, 195 bar. Auch als Fassadenreiniger ausgelegt, mit hoher Wassermenge für Beton- und Klinkerflächen. Vor dem Einsatz auf empfindlichen Putzen ist der Druck zu reduzieren.

Der Chemiekasten: Algenentferner als Konzentrat wird verdünnt aufgetragen und ist für Fassade, Terrasse und Sockel geeignet.

Der Zubehörkasten: Für schwer erreichbare Fassadenbereiche löst eine Teleskopleiter sich nicht immer praktisch; eine Verlängerungsstange für Waschbürsten oder Düsen verlängert die Reichweite vom Boden aus.

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Was kostet eine Fassadenreinigung

Für die Eigenleistung ist die Rechnung einfach: Gerät, Wasser, Reinigungsmittel und die Arbeitszeit. Für die Vergabe an einen Betrieb sind Angebote abhängig von Fläche, Untergrund, Zugänglichkeit und Höhe. Als Orientierung liegt die Reinigung mineralischer Fassaden im Bereich von einigen Euro pro Quadratmeter, mit Zuschlägen bei hohen Gebäuden, bei Baumpflege und bei WDVS. Fassade reinigen und streichen zusammen wird meist pauschal nach Quadratmetern angeboten.

Häufige Fehler aus der Praxis

FehlerFolgeAbhilfe
Zu viel Druck auf zu wenig AbstandDer Putz wird an der Oberfläche abgetragen, die Struktur zerstört.30 cm Abstand, Flachstrahl, Druck senken.
Von unten nach obenDer Schmutzwasserfilm läuft über die bereits gereinigte Fläche und trocknet dort fest.von oben nach unten arbeiten.
Fugen und Anschlüsse nicht abgeklebtWasser dringt hinter Fensterbänke und in Anschlussfugen.vorher abkleben, nachher prüfen.
Ohne Nachbehandlung gereinigtDer Bewuchs kommt zurück und die Fassade ist nach zwei Jahren wieder grün.imprägnieren oder imprägnierenden Anstrich wählen.
Bei WDVS mit dem gleichen Druck gearbeitet wie bei KlinkerDer Putz wird in der Fläche beschädigt, was sich erst Wochen später als Riss oder Ablösung zeigt.eigenes Verfahren für WDVS.

Wenn die Fassade aus Holz besteht oder ein Anstrich ansteht: Holzschutz außen zeigt, welches System zu welchem Bauteil passt.

Person reinigt eine Klinkerfassade mit einem Hochdruckreiniger, nasser Streifen neben trockenem Bereich.

Wann nach der Reinigung ein Anstrich sinnvoll ist und wann er schadet, steht unter Klinker streichen.

Häufige Fragen

100 bis 150 bar mit Flachstrahl, ab 30 cm Abstand. Bei verwitterten Fugen ist der Druck zu reduzieren, weil der Fugenmörtel schneller ausgespült wird als der Stein.

Für Staub und leichten Schmutz ja, für Algen- und Moosbewuchs reicht der Wasserdruck nicht. Dort hilft die chemische Vorbehandlung mehr als der Druck.

Bei intaktem Anstrich alle zwei bis drei Jahre. Nordseiten und Fassaden unter Bäumen brauchen häufigere Kontrolle.

Nicht zwingend. Nur wenn sie kreidet, abblättert oder so stark ausgeblichen ist, dass die Farbe nicht mehr trägt.

Ursachen prüfen: Abstand zur Bepflanzung, Tropfkanten an Fensterbänken und Gesimsen, Beschattung, defekte Regenrohre. Ohne bauliche Änderung wiederholt sich die Reinigung.

Es tötet den Bewuchs ab, ist aber kein Dauerzustand: Chlor belastet Pflanzungen und Abwasser und lagert sich im Untergrund ab. Auf mineralischen Flächen ist ein Algenentferner auf Basis von Ammoniumverbindungen die übliche Wahl.

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