Lehmfarbe ist eine natürliche Wandfarbe mit Tonmineralen als Farbkörper und wird vor allem in Schlaf- und Wohnräumen sowie in Allergikerhaushalten eingesetzt. Dieser Beitrag erklärt, woraus Lehmfarbe besteht, warum sie Feuchte so stark puffert, auf welchen Untergründen sie hält, wie sie in zwei Aufträgen verarbeitet wird und wie sie sich von Kalk-, Silikat- und Dispersionsfarbe unterscheidet.
Was ist Lehmfarbe?
Lehmfarbe besteht aus feinem Tonmehl und mineralischen Füllstoffen, abgetönt mit Ton- und Erdpigmenten. Als Bindemittel dienen pflanzliche Stärke, Zellulose oder Kasein. Die Farbe härtet nicht chemisch aus, sondern bindet rein physikalisch durch Trocknung ab. Das Ergebnis ist eine tiefmatte, samtige Oberfläche in zurückhaltenden, erdigen Tönen.
Lieferformen
- Pulver: mit Wasser anzurühren, günstig im Transport, länger lagerfähig
- Pastös streichfertig: gebrauchsfertig eingestellt, gleichmäßigere Farbtongenauigkeit
- Streich-Lehmputz: dickere, grob strukturierte Variante an der Grenze zum dünnschichtigen Putz
Eigenschaften und Einsatzbereiche
Feuchtepufferung
Tonminerale nehmen Wasserdampf aus der Raumluft auf und geben ihn verzögert wieder ab. Zusammen mit einem offenporigen Untergrund wie Kalkputz oder Lehmputz dämpft Lehmfarbe Spitzen der Luftfeuchte und unterstützt das Prinzip der atmenden Wand. Die Wirkung ist stärker als bei Kalk- oder Silikatfarbe.
Raumklima und Schadstoffe
Lehmfarbe ist emissionsarm und frei von Lösemitteln und Konservierungsmitteln (im Pulver). Die große innere Oberfläche der Tonminerale kann Gerüche und einzelne Schadstoffe binden. Da die trockene Oberfläche kaum Feuchte an sich hält, findet Schimmel schlechtere Bedingungen – eine bauliche Feuchteursache ersetzt das nicht.
Grenzen
Standard-Lehmfarbe ist nicht wisch- und nicht wasserfest. Sie gehört nicht in den Spritzwasserbereich, nicht über den Herd und nicht an Wandkanten mit ständigem Körperkontakt. Für Flure gibt es speziell verfestigte oder mit Kasein gebundene Varianten. Im Außenbereich wird Lehmfarbe nicht eingesetzt.
Untergrund und Verarbeitung
Geeignete Untergründe
Lehm-, Kalk- und Gipsputz, Gipskartonplatten, Raufasertapete und tragfähige matte Altanstriche. Der Untergrund muss saugfähig, fest und gleichmäßig sein. Glänzende oder kreidende Flächen sowie stark saugende Stellen werden mit einer geeigneten Grundierung vorbehandelt; auf Gipskarton wird zusätzlich der Karton gebunden.
Anmischen und Auftrag
Pulver mit der angegebenen Wassermenge klumpenfrei anrühren und quellen lassen. Der Auftrag erfolgt satt mit langfloriger Rolle, Bürste oder Quast in zwei Lagen „nass in nass“ über die ganze Wandfläche, um Ansätze zu vermeiden. Zwischen den Lagen vollständig durchtrocknen lassen (meist 4 bis 12 Stunden je nach Raumklima).
Farbige Lehmfarben
Ton- und Erdpigmente unterliegen Chargenschwankungen. Farbige Lehmfarbe für einen Raum immer in einer gemeinsamen Charge anmischen und gut verrühren, sonst entstehen Wolken und Helligkeitssprünge an den Ansatzkanten.
Abgrenzung zu ähnlichen Farben
Lehmfarbe vs. Kalkfarbe
Kalkfarbe ist stark alkalisch und dadurch von sich aus schimmelhemmend, härtet durch Karbonatisierung und verträgt kurzzeitige Feuchte besser. Lehmfarbe puffert Feuchte stärker, ist einfacher zu verarbeiten und ungefährlich in der Anwendung, dafür empfindlicher gegen Wasser und Abrieb.
Lehmfarbe vs. Silikatfarbe
Silikatfarbe verkieselt mit dem Untergrund, ist wischfest und außentauglich, verlangt aber mineralische Untergründe und sorgfältiges Abkleben. Lehmfarbe ist die weichere, wohnliche Lösung für trockene Innenräume.
Lehmfarbe vs. Dispersionsfarbe
Dispersionsfarbe bildet einen wischfesten Kunststofffilm, verschließt die Wand aber weitgehend. Lehmfarbe verzichtet auf Kunststoff und hält die Wand offen – auf Kosten der Reinigungsfähigkeit.
Lehmfarbe vs. Streich-Lehmputz
Streich-Lehmputz ist dicker, körniger und ergibt eine sichtbare Struktur, die kleine Unebenheiten kaschiert. Lehmfarbe bleibt eine glatte, dünne Beschichtung für bereits ebene Untergründe.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Lehmfarbe gehört zu den unbedenklichsten Wandfarben. Beim Einrühren von Pulver entsteht mineralischer Staub – hier eine FFP2-Maske tragen und für Belüftung sorgen. Hautschutz ist bei kaseingebundenen Varianten sinnvoll.
Lagerung
Pulver trocken lagern, dann ist es nahezu unbegrenzt haltbar. Angerührte oder pastöse Lehmfarbe frostfrei aufbewahren und wegen der organischen Bindemittel innerhalb weniger Tage bis Wochen verbrauchen, da sie sonst zu faulen beginnt.
Entsorgung
Ausgehärtete Reste sind mineralischer Bauabfall. Angetrocknete Farbreste im Eimer als Restabfall entsorgen, Verpackungen aus Papier oder Kunststoff als Wertstoff.







