Berliner Blau

Berliner Blau ist eines der ältesten synthetischen Pigmente überhaupt – seine Entdeckung Anfang des 18. Jahrhunderts gilt als Meilenstein der Farbenchemie. Dieser Beitrag erklärt die chemische Zusammensetzung, wofür das Pigment heute noch eingesetzt wird und worauf beim Umgang zu achten ist.

Was ist Berliner Blau?

Berliner Blau (auch Preußisch Blau, chemisch Eisen(III)-hexacyanoferrat(II)) ist ein tiefblaues, anorganisches Pigment, das erstmals um 1706 in Berlin durch Zufall bei der Herstellung eines roten Farbstoffs entdeckt wurde. Trotz des Cyanid-Bestandteils im Namen ist die stabile Komplexverbindung ungiftig, da die Cyanidgruppen fest an das Eisen gebunden sind und unter normalen Bedingungen nicht freigesetzt werden.

Lichtempfindlichkeit als Besonderheit

Berliner Blau zeigt einen ungewöhnlichen Photochromismus-Effekt: Bei längerer, intensiver Lichteinwirkung kann es reversibel verblassen und im Dunkeln seine ursprüngliche Farbtiefe teilweise zurückgewinnen – ein Verhalten, das bei der Bewertung der Lichtechtheit (siehe Lichtechtheit) besonders berücksichtigt werden muss.

Wofür Berliner Blau eingesetzt wird

Restaurierung historischer Objekte

Bei der materialgerechten Restaurierung von Gemälden oder historischen Anstrichen aus dem 18. und 19. Jahrhundert ist Berliner Blau oft das authentische, ursprünglich verwendete Pigment.

Künstlerfarben

In der Ölmalerei (siehe Ölmalerei) wird Berliner Blau bis heute wegen seiner hohen Färbekraft und intensiven Farbwirkung geschätzt, trotz moderner Alternativpigmente.

Technische Anwendungen

Historisch wurde Berliner Blau auch als Grundstoff für Blaupausen (Cyanotypie) verwendet – eine Anwendung außerhalb des klassischen Malerhandwerks, die dem Pigment seinen breiten Bekanntheitsgrad verschaffte.

Richtiger Umgang

  • Nicht mit alkalischen Systemen mischen: Berliner Blau kann bei starkem alkalischem Milieu (pH über 8) zersetzt werden und verblassen
  • UV-Exposition bei sensiblen Anwendungen begrenzen: Der Photochromismus-Effekt kann bei starker Sonneneinstrahlung sichtbar werden
  • Bei Restaurierung Materialanalyse durchführen: Historisch verwendete Pigmente vor Nachmischung genau bestimmen lassen
  • Mischverhältnisse dokumentieren: Für spätere Nacharbeiten die genaue Pigmentkonzentration festhalten

Abgrenzung zu verwandten Begriffen

Berliner Blau vs. Chromgelb

Chromgelb (siehe Chromgelb) ist wie Berliner Blau ein historisches, synthetisches Pigment, basiert chemisch aber auf Bleichromat statt einer Eisen-Cyanid-Komplexverbindung und gilt heute als gesundheitlich deutlich bedenklicher.

Berliner Blau vs. Pigmente allgemein

Pigmente (siehe Pigmente) sind der übergeordnete Sammelbegriff für alle farbgebenden, unlöslichen Feststoffe, während Berliner Blau ein spezifisches, historisches Einzelpigment innerhalb dieser Kategorie ist.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Trotz des Namens ist das Pigment selbst ungiftig, da die Cyanidgruppen chemisch stabil gebunden sind. Beim Umgang mit Pigmentpulver dennoch Staubmaske tragen, um Feinstaubinhalation generell zu vermeiden.

Lagerung

Trocken und vor starker, dauerhafter Lichteinwirkung geschützt lagern, getrennt von stark alkalischen Substanzen.

Entsorgung

Reste über den normalen Hausmüll entsorgen, da das Pigment chemisch stabil und ungiftig ist.

Glas mit tiefblauem Berliner-Blau-Pigmentpulver, daneben Spatel und Pinsel

Häufig gestellte Fragen

Nein, die Cyanidgruppen sind chemisch fest an das Eisen gebunden und werden unter normalen Bedingungen nicht freigesetzt.

Ja, durch Photochromismus kann es bei starker Lichteinwirkung reversibel verblassen und im Dunkeln teilweise wieder nachdunkeln.

Ja, vor allem in der Restaurierung und bei Künstlerfarben wegen seiner authentischen historischen Farbwirkung.

Bei pH-Werten über 8 kann sich das Pigment chemisch zersetzen und verblassen.

Chromgelb basiert auf Bleichromat und gilt gesundheitlich als deutlich bedenklicher als das ungiftige Berliner Blau.

Über den normalen Hausmüll, da das Pigment chemisch stabil und ungiftig ist.

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