Abtönfarben sind das Werkzeug, mit dem aus einer Grundfarbe ein individueller Wunschton entsteht – ohne sie wären die meisten Farbtöne im Baumarktregal gar nicht denkbar. Wer beim Mischen unsauber arbeitet, riskiert aber sichtbare Farbabweichungen an Nahtstellen. Dieser Beitrag erklärt die farbmetrischen Grundlagen, wie Abtönfarben richtig dosiert werden und worauf bei Lagerung und Haltbarkeit zu achten ist.
Was sind Abtönfarben?
Abtönfarben sind hochkonzentrierte Farbpasten oder -pigmente, die einer weißen oder hellen Basisfarbe zugesetzt werden, um einen bestimmten Farbton zu erzeugen. Sie enthalten meist keine oder nur wenig eigene Deckkraft, sondern dienen ausschließlich der Farbgebung über die Pigmentkonzentration.
Maschinelles Abtönen und Farbmetrik
Im Fachhandel erfolgt Abtönen meist maschinell nach computergesteuerter Rezeptur, basierend auf dem CIELAB-Farbraum, in dem jeder Farbton über drei Koordinaten (L* für Helligkeit, a* für Grün-Rot, b* für Blau-Gelb) exakt definiert wird. Ein Spektralphotometer misst die Referenzfarbe, die Software berechnet daraus die präzise Dosierung der einzelnen Farbkonzentrate – typische Toleranzen liegen bei Delta-E unter 1, kaum wahrnehmbar für das menschliche Auge. Manuelles Abtönen mit handelsüblichen Abtönpasten ist weniger präzise und eignet sich vor allem für kleinere Mengen ohne Anspruch auf exakte Wiederholbarkeit.
Welches Farbtonsystem der Mischung zugrunde liegt und wie dessen Nummerierung aufgebaut ist, erklärt der Beitrag RAL-Farben und ihre Systematik.
Wofür Abtönfarben eingesetzt werden
Individuelle Wandfarben
Der Großteil aller im Handel verkauften Wandfarben entsteht durch computergesteuertes Abtönen einer neutralen Basisfarbe nach Kundenwunsch, meist anhand von RAL- (siehe RAL-Farben) oder NCS-Farbfächern (siehe NCS).
Nachmischen für Ausbesserungen
Bei kleineren Reparaturstellen wird oft eine bereits vorhandene Farbe nachgemischt – hier ist besondere Sorgfalt gefragt, da der exakte Farbton nur schwer reproduzierbar ist, sofern die ursprüngliche Rezeptur nicht dokumentiert wurde.
Künstlerische und dekorative Anwendungen
Auch bei individuellen Wandgestaltungen mit mehreren Farbtönen kommen Abtönfarben zum Einsatz, um Nuancen über gezielte Pigmentkonzentration zu erzeugen.
Richtige Anwendung
- Gesamtmenge auf einmal mischen: Nie portionsweise nachmischen, der exakte Ton lässt sich ohne Rezepturdokumentation kaum reproduzieren
- Gründlich aufrühren: Ungleichmäßige Verteilung führt zu Farbschlieren durch lokale Pigmentkonzentrationsunterschiede
- Rezeptur dokumentieren: Bei manuellem Abtönen Mengenverhältnisse notieren, um später nachmischen zu können
- Trockenprobe machen: Der nasse Farbton weicht durch den sogenannten „Nassglanzeffekt“ oft deutlich vom getrockneten Endergebnis ab
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Abtönfarbe vs. Pigmente
Pigmente (siehe Pigmente) sind der eigentliche farbgebende Rohstoff, Abtönfarbe ist eine fertig formulierte, direkt verarbeitbare Mischung aus Pigmenten und Trägermedium mit definierter Färbekraft.
Abtönfarbe vs. Volltonfarbe
Volltonfarben sind bereits fertig gemischte, gebrauchsfertige Farben mit voller Deckkraft, während Abtönfarben nur als Zusatz zu einer Basisfarbe gedacht sind und selten allein verwendet werden.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Hochkonzentrierte Pigmentpasten können bei Hautkontakt färben und sollten mit Handschuhen verarbeitet werden. Bei lösemittelhaltigen Abtönfarben für Speziallacke gelten zusätzlich die Sicherheitshinweise des jeweiligen Lösemittels.
Lagerung
Angebrochene, gut verschlossene Abtönfarbe hält sich oft mehrere Monate, sollte aber vor erneuter Nutzung auf Geruch und Konsistenz geprüft werden. Frostfrei lagern, da Pigmentdispersionen beim Einfrieren irreversibel entmischen können.
Entsorgung
Wasserbasierte Reste in kleinen Mengen ausgehärtet über den Hausmüll, größere Mengen und lösemittelhaltige Produkte über die Schadstoffsammelstelle.







