Holzfaserdämmplatte

Holzfaserdämmplatten stehen für ökologischen Dämmbau und punkten vor allem durch einen Vorteil, den mineralische und Kunststoffdämmstoffe kaum bieten: guten sommerlichen Hitzeschutz. Dieser Beitrag erklärt, wie Holzfaserplatten hergestellt werden, warum sie Wärme zeitversetzt durchlassen, wo sie bei Fassade, Dach und Innendämmung eingesetzt werden und wie sie sich von EPS und Mineralwolle unterscheiden.

Was ist eine Holzfaserdämmplatte?

Holzfaserdämmplatten bestehen aus zerfaserten Holzresten aus der Sägewerksproduktion, die im Nass- oder Trockenverfahren zu Platten verpresst werden. Sie sind diffusionsoffen, kapillaraktiv und speichern Wärme aufgrund ihrer höheren spezifischen Wärmekapazität deutlich länger als leichte Dämmstoffe wie EPS.

Phasenverschiebung

Die hohe Wärmespeicherfähigkeit verzögert den Durchgang sommerlicher Hitze durch das Dach oder die Fassade um viele Stunden – die sogenannte Phasenverschiebung. Die Hitze des Nachmittags erreicht den Innenraum dadurch erst spät abends oder nachts, wenn ohnehin gelüftet wird, statt tagsüber direkt durchzuschlagen.

Rohdichte und Anwendungsvarianten

Holzfaserplatten werden in unterschiedlichen Rohdichten hergestellt: leichte, weiche Platten (unter 160 kg/m³) für dämmende Innenanwendungen, mitteldichte Putzträgerplatten für die Fassade und hochverdichtete Unterdeckplatten (über 230 kg/m³) mit erhöhter Wetterbeständigkeit und Trittfestigkeit für das Dach. Je höher die Rohdichte, desto besser Schallschutz und Druckfestigkeit, desto geringer aber der reine Dämmwert je Zentimeter.

Einsatzbereiche

  • Innendämmung: kapillaraktives System, oft mit Lehm- oder Kalkputz kombiniert, siehe Innendämmung
  • Fassadendämmung: als verputzbare Putzträgerplatte im WDVS
  • Dachdämmung und Unterdeckplatte: diffusionsoffen, wetterfest ausgeführt als Ersatz für klassische Unterspannbahnen
  • Trittschalldämmung: in weicherer Ausprägung unter Bodenbelägen

Verklebung und Verschraubung

Fassadenplatten werden je nach System vollflächig verklebt und zusätzlich mit Tellerdübeln gegen Windsog gesichert, ähnlich wie bei EPS im WDVS. Unterdeckplatten im Dach werden auf die Sparren geschraubt und untereinander im Nut-und-Feder-System verbunden, damit eine winddichte, aber diffusionsoffene Ebene entsteht.

Feuchteschutz während der Bauphase

Auch wenn Holzfaser Feuchte gut reguliert, sollte sie während der Montage nicht wochenlang ungesüchtzt Regen ausgesetzt sein. Kurzzeitige Baufeuchte trocknet dank der Diffusionsoffenheit in der Regel folgenlos aus, dauerhafte Durchnässung vor dem Schließen der Gebäudehülle sollte trotzdem vermieden werden.

Abgrenzung

Holzfaser vs. EPS

EPS ist leichter und günstiger, aber diffusionsdicht und ohne nennenswerten sommerlichen Hitzeschutz. Holzfaser ist schwerer und teurer, bietet dafür Diffusionsoffenheit und Phasenverschiebung.

Holzfaser vs. Mineralwolle

Mineralwolle ist nicht brennbar und meist günstiger, hat aber eine geringere Wärmespeicherkapazität als Holzfaser und speichert Sommerhitze entsprechend weniger effektiv zeitversetzt.

Nassverfahren vs. Trockenverfahren

Im Nassverfahren hergestellte Platten binden ohne zusätzliche Klebstoffe, im Trockenverfahren werden Bindemittel zugesetzt – beide Verfahren liefern brauchbare Dämmplatten mit leicht unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften und Rohdichten.

Holzfaser vs. Zellulosedämmung

Zellulosedämmung besteht aus recyceltem Altpapier und wird meist lose eingeblasen statt als Platte verlegt. Sie teilt viele Eigenschaften mit Holzfaser – diffusionsoffen, gute Speicherfähigkeit – eignet sich aber vor allem für Hohlraumdämmung, während Holzfaserplatten als formstabile Bauteile eingesetzt werden.

Schallschutz durch Holzfaser

Neben dem sommerlichen Hitzeschutz punktet Holzfaser auch akustisch: Die vergleichsweise hohe Rohdichte und die offene Faserstruktur dämpfen Luft- und Trittschall messbar besser als sehr leichte Dämmstoffe. In mehrgeschossigen Altbauten mit Holzbalkendecken wird Holzfaser deshalb häufig gezielt zur Verbesserung des Schallschutzes eingesetzt, zusätzlich zur Wärmedämmfunktion.

Verfügbare Plattenformate

Holzfaserplatten werden in Dicken von etwa 20 Millimetern (dünne Putzträger- und Innendämmplatten) bis über 200 Millimeter (mehrlagige Fassadendämmung) angeboten. Die Plattenformate orientieren sich meist an gängigen Rastermassen, damit sich Verschnitt und Fugenzahl in Grenzen halten.

Ob im Bestand gedämmt oder der Putz saniert wird, ist zuerst eine Rechenfrage: Der Beitrag Putz-Sanierung oder Wärmedämmung stellt beide Wege gegenüber.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Beim Zuschneiden entsteht Holzstaub – mit Absaugung arbeiten und FFP2-Maske tragen. Die Platten sind schwerer als Kunststoffdämmung; auf rückenschonendes Heben achten.

Lagerung

Trocken und liegend lagern, vor Feuchtigkeit besonders schützen, da Holzfaser mehr Wasser aufnimmt als mineralische oder Kunststoffdämmstoffe und dabei aufquellen kann.

Entsorgung

Unbehandelte Holzfaserreste können als Altholz entsorgt werden. Verputzte oder verklebte Reste je nach örtlicher Vorgabe als Restabfall.

Einbau einer Holzfaserdämmplatte zwischen Dachsparren

Häufig gestellte Fragen

Ja, durch die hohe Wärmespeicherkapazität verzögert sie den Wärmedurchgang deutlich stärker als leichte Dämmstoffe wie EPS.

Sie nimmt mehr Feuchte auf als Kunststoffdämmung, gibt sie durch die Diffusionsoffenheit aber auch wieder ab. Dauerhaft stehende Nässe sollte trotzdem vermieden werden.

Ja, sie ist grundsätzlich brennbar, wird aber je nach Produkt mit Brandschutzausrüstung versehen, um die geforderte Baustoffklasse zu erreichen.

Herstellung und Rohstoffaufbereitung sind aufwendiger, und der Zusatznutzen beim sommerlichen Hitzeschutz rechtfertigt für viele Bauherren den Mehrpreis.

Ja, sie gehören zu den bevorzugten Materialien für kapillaraktive Innendämmsysteme, gerade weil sie Feuchte aufnehmen und wieder abgeben können.

Deutlich schwerer – je nach Rohdichte oft das Drei- bis Fünffache von EPS bei gleicher Dicke.

Als nachwachsender Rohstoff mit guter Ökobilanz gilt sie als ökologisch günstigere Wahl gegenüber erdölbasierten Dämmstoffen wie EPS oder XPS.

Als Fassadendämmung im WDVS ja mit entsprechender Vorbereitung, als Dachunterdeckung wegen der Anforderungen an Winddichtheit und Anschlüsse eher eine Aufgabe für Fachbetriebe.

Frisch verarbeitet kann ein leichter Holzgeruch wahrnehmbar sein, der nach dem Schließen der Konstruktion verschwindet.

Ja, mit Zusatz von Ammoniumphosphat oder ähnlichen Flammschutzmitteln erreichen viele Produkte die Baustoffklasse B oder besser.

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