Dämmstoffe im Vergleich: Kennzahlen und Einsatz

Schnelle Antwort

Für die Auswahl zählen vier Kennzahlen: die Wärmeleitfähigkeit (Lambda), der daraus berechnete U-Wert des Bauteils, der sd-Wert für die Diffusion und die Brandklasse. EPS ist der preiswerte Standard für Fassaden, XPS der feuchtefeste Werkstoff für Sockel und Keller, Mineralwolle der nichtbrennbare Allrounder, Holzfasern und Zellulose die ökologischen Alternativen mit guter Feuchteregulierung. Calciumsilikat ist die Platte für Innendämmung und Feuchträume. Die richtige Wahl ergibt sich aus dem Bauteil, nicht aus dem Preis pro Quadratmeter.

Die vier Kennzahlen

Lambda (λ) beschreibt, wie gut ein Stoff Wärme leitet — je kleiner, desto besser die Dämmung. EPS liegt bei 0,032 bis 0,040 W/(m·K), Mineralwolle bei 0,035 bis 0,045, Holzfasern bei 0,040 bis 0,050, Calciumsilikat bei 0,050 bis 0,065. Was der Wert im Einzelnen bedeutet, steht unter Wärmeleitfähigkeit und Lambda-Wert.

U-Wert ist das Ergebnis der Rechnung über den gesamten Bauteilaufbau. Zwei Dämmstoffe mit gleichem Lambda ergeben unterschiedliche U-Werte, wenn die Dicke oder die angrenzenden Schichten anders sind.

sd-Wert beschreibt die Dampfdiffusion. Ein hoher sd-Wert bedeutet, dass Feuchtigkeit kaum durchkommt. Für den Aufbau gilt: außen diffusionsoffener als innen, damit Feuchte nach außen entweichen kann. Grundlagen unter sd-Wert.

Brandklasse nach DIN 4102: A1 und A2 sind nichtbrennbar (Mineralwolle, Calciumsilikat, Schaumglas), B1 schwerentflammbar (viele EPS-Typen mit Flammschutz), B2 normalentflammbar (Holzfasern, Zellulose).

Die wichtigsten Dämmstoffe

DämmstoffLambda (W/m·K)BrandklasseFeuchtetypischer Einsatz
EPS (Styropor, Neopor)0,032 bis 0,040B1unempfindlich gegen Feuchte, aber diffusionshemmendFassade (WDVS), Decke
XPS0,033 bis 0,038B1wasserabweisend, druckfestSockel, Keller, Umkehrdach
Mineralwolle0,035 bis 0,045A1feuchteunempfindlich, diffusionsoffenFassade, Dach, Trennwände
Holzfasern0,040 bis 0,050B2kapillaraktiv, gut für FeuchteregulierungDach, Innendämmung
Zellulose (Einblas)0,040 bis 0,045B1/B2kapillaraktivHohlräume, Dach
Calciumsilikat0,050 bis 0,065A1sehr feuchtebeständigInnendämmung, Feuchträume
Schaumglas0,040 bis 0,050A1wasserdichtSockel, Keller, Perimeter

Der EPS-Kasten: Für die Fassadendämmung im WDVS ist eine EPS-Platte mit definierter Wärmeleitfähigkeit der Standard — Preis und Verarbeitung sind hier am günstigsten.

Der XPS-Kasten: Für Sockel und erdberührte Bauteile ist XPS die richtige Klasse: druckfest und wasserabweisend.

Was wohin

  • Fassade (WDVS): EPS als Standard, Mineralwolle bei Brandschutzanforderungen, Holzfasern bei ökologischem Anspruch.
  • Sockel und erdberührte Bauteile: XPS oder Schaumglas, wegen Feuchte und Druck.
  • Dachschräge: Mineralwolle oder Holzfasern, mit Dampfbremse raumseitig.
  • Innendämmung: Calciumsilikat oder Holzfasern, kapillaraktiv, mit Tauwasserberechnung.
  • Trennwände und Decken: Mineralwolle in Trockenbaukonstruktionen, für Schall und Brandschutz.
  • Hohlräume: Einblasdämmung aus Zellulose oder Mineralwolle.

EPS und XPS: der Unterschied

Beide sind Polystyrol-Schäume. EPS besteht aus verschweißten Perlen, XPS aus einer extrudierten, geschlossenen Oberfläche.

  • XPS nimmt praktisch kein Wasser auf — deshalb Sockel, Keller, Umkehrdach.
  • XPS ist dichter und damit diffusionshemmender; für hinterlüftete Fassaden und Innendämmung ist er meist die falsche Wahl.
  • EPS ist günstiger und in der Fläche ausreichend, wenn keine Feuchtebelastung besteht.
  • Beide brennen und brauchen Flammschutz; im Brandfall entstehen Rauchgase, die bei der Planung von Fluchtwegen eine Rolle spielen.

Ökologische Dämmstoffe

Holzfasern und Zellulose haben zwei Vorteile: Sie sind nachwachsend und sie können Feuchte zwischenspeichern und wieder abgeben. Das macht sie für Innendämmung und für Dachkonstruktionen attraktiv, in denen Tauwasser zeitweise anfällt.

Der Nachteil liegt im Preis und in der Verarbeitung: Holzfasern sind schwerer, Zellulose wird eingeblasen und braucht eine Fachfirma mit Maschine.

Die Dicke richtig wählen

Die Dämmdicke folgt aus dem gewünschten U-Wert, nicht aus der Regalbreite:

  • Fassade, Bestand: 120 bis 160 mm EPS erreichen je nach Bestand U-Werte im Bereich von 0,2 W/(m²·K).
  • Dach: 160 bis 240 mm, je nach Anforderung.
  • Innendämmung: 40 bis 80 mm, begrenzt durch Raumverlust und Tauwasser.

Für Förderungen nach GEG gilt ein technischer Mindeststandard, der an das gesamte Bauteil gebunden ist. Eine Dämmstärke ohne Bauteilrechnung ist keine belastbare Aussage.

Verarbeitung und Werkzeug

  • Platten zuschneiden: mit einem Dämmstoffmesser oder einer Säge mit grober Zahnung; feine Sägen schmieren bei EPS.
  • Dübel: Dämmstoffdübel mit Teller, Anzahl je nach Untergrund und Windlast.
  • Armierung: Glasfasergewebe in der Armierungsschicht, an allen Übergängen.
  • Sauberkeit: Dämmplatten feucht nicht einbauen; Wasser im System führt zu Schimmel an der Innenseite.

Der Werkzeugkasten: Ein Dämmstoffmesser mit langem, gezahntem Blatt schneidet Platten sauber und winklig — mit dem Cuttermesser werden die Kanten ungleich und die Stöße offen.

Der Befestigungskasten: Für die Fassadenmontage gehören Dämmstoffdübel mit ausreichender Länge dazu; die Schraublänge richtet sich nach Dämmdicke plus Verankerungstiefe im Untergrund.

Häufige Fehler aus der Praxis

FehlerFolgeAbhilfe
XPS für InnendämmungDer Aufbau wird diffusionsdicht, Tauwasser bleibt im Bauteil.kapillaraktive Platte.
Dämmstärke ohne BauteilrechnungDie Förderung greift nicht, der U-Wert passt nicht.Aufbau rechnen lassen.
Fugen nicht versetztKältebrücken an den Plattenstößen.im Verband legen, Stöße versetzen.
Feuchte Platten eingebautSchimmel an der Innenseite, noch bevor der Putz trocken ist.trocken lagern und einbauen.
Brandklasse ignoriertAn Fluchtwegen und an Bauteilen mit Anforderung ist die Klasse A1 Pflicht.Anforderung vor der Bestellung klären.
Daemmplatten werden im Verband an einer Fassade gesetzt und verduebelt.

Häufige Fragen

Es gibt keinen besten, nur den passenden. Fassade: EPS. Sockel: XPS. Trennwand: Mineralwolle. Innendämmung: Calciumsilikat oder Holzfaser.

Der Stoff leitet 0,035 Watt je Meter Dicke und Kelvin. Je kleiner, desto besser die Dämmwirkung.

Im eingebauten Zustand nicht. Bei Brand entstehen jedoch Rauchgase; das ist der Grund für Brandschutzanforderungen an Fassaden.

Das hängt vom Bauteil und vom Ziel-U-Wert ab. Für eine Fassade im Bestand sind 120 bis 160 mm ein üblicher Bereich.

Platten ja, Einblasdämmung nein. Für WDVS ist die Verarbeitung Handwerksarbeit — Putz und Armierung verzeihen keine Fehler.

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