Sperrgrund, auch Absperrgrundierung oder Isoliergrund genannt, verhindert, dass Verfärbungen aus dem Untergrund in den neuen Anstrich durchschlagen. Dieser Beitrag erklärt, welche Stoffe abgesperrt werden, wie lösemittel- und wasserbasierte Sperrgründe funktionieren, worauf es beim Auftrag ankommt und wie sich Sperrgrund von Tiefengrund und Haftgrund unterscheidet.
Was ist Sperrgrund?
Sperrgrund ist ein Isolieranstrich, der einen dichten Film bildet und gleichzeitig eine andere Löslichkeit besitzt als der störende Stoff im Untergrund. Ein lösemittelbasierter Sperrgrund sperrt vor allem wasserlösliche Verfärbungen ab, ein wasserbasierter Sperrgrund mit Spezialpigmenten deckt und isoliert lösemittellösliche und viele wasserlösliche Stoffe. Damit unterbindet er das Durchschlagen und Durchbluten.
Bauarten
- Schellack-Isoliergrund: in Ethanol gelöst, sperrt Nikotin, Wasserränder und Holzinhaltsstoffe, trocknet sehr schnell
- Lösemittelhaltiger Sperrgrund auf Kunstharzbasis: für große Flächen mit Nikotin-, Ruß- oder Wasserschaden
- Wasserbasierter Absperrgrund: emissionsarm, für Innenräume, deckt und isoliert viele gängige Verfärbungen
- 2K-Isoliersysteme: für hartnäckige Fälle wie Bitumen, starke Brandschäden oder aufsteigende Salze
Welche Stoffe abgesperrt werden
- Nikotin- und Teerablagerungen aus Tabakrauch
- Ruß und Brandgerüche nach einem Brandschaden
- Wasserränder und braune Feuchtefahnen an Decken und Wänden
- Holzinhaltsstoffe wie Gerbsäure aus Eiche oder Harz aus Nadelholz
- Filzstift, Kugelschreiber und Buntstift auf Kinderzimmerwänden
- Rost- und Metallverfärbungen sowie einzelne Ausblühungen (mit Spezialprodukt)
Anwendung und Verarbeitung
Vorbereitung
Sperrgrund ersetzt keine Reinigung. Nikotinbeläge werden zuerst mit einem Anlauger abgewaschen, Rost wird entrostet, lose Brandrückstände werden entfernt und die Feuchtequelle hinter einem Wasserfleck muss trocken sein. Erst der gereinigte, trockene Untergrund wird abgesperrt.
Auftrag
Sperrgrund wird satt und deckend aufgetragen, meist in zwei Lagen nach Herstellerangabe. Auf Einzelflecken den Grund großzügig über den Fleckrand hinaus auftragen. Nach dem ersten Anstrich prüfen, ob die Verfärbung noch durchkommt – wenn ja, folgt eine weitere Sperrlage, bevor der reguläre Anstrichaufbau beginnt.
Probefläche
Weil Art und Menge der Verfärbung selten genau bekannt sind, lohnt sich eine kleine Probefläche: Sie zeigt nach 24 bis 48 Stunden, ob die gewählte Sperrgrundart ausreicht oder ob ein stärkeres System nötig ist.
Abgrenzung zu anderen Grundierungen
Sperrgrund vs. Tiefengrund
Tiefengrund verfestigt saugende Untergründe und gleicht das Saugverhalten an, hat aber keine absperrende Wirkung. Sperrgrund isoliert Verfärbungen, ist dafür nicht als Saugausgleich für die ganze Fläche gedacht.
Sperrgrund vs. Haftgrund
Haftgrund schafft auf glatten, nicht saugenden Flächen eine Haftbrücke. Er sperrt nichts ab. Bei einem lackierten, gleichzeitig fleckigen Untergrund kann beides nötig sein.
Sperrgrund vs. Nikotinsperre
Die Nikotinsperre ist ein auf Tabakrückstände spezialisierter Sperrgrund. Sperrgrund ist der Oberbegriff für alle isolierenden Gründe.
Sperrgrund vs. deckende Wandfarbe
Eine gut deckende Isolierfarbe kann leichte Flecken abdecken, aber gelöste Stoffe wandern durch einen normalen Farbfilm hindurch wieder an die Oberfläche. Nur ein echter Sperrgrund unterbricht diesen Transport.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Lösemittelhaltige Sperrgründe und Schellack-Isoliergrund sind leicht entzündlich und geben Dämpfe ab. In Innenräumen intensiv lüften, Zündquellen und offenes Feuer fernhalten, Atemschutz mit Gasfilter gegen organische Dämpfe tragen und Schutzbrille sowie Handschuhe verwenden. Wasserbasierte Produkte sind emissionsärmer, können aber ebenfalls reizen.
Lagerung
Kühl, dicht verschlossen und von Zündquellen entfernt lagern, wasserbasierte Produkte zusätzlich frostfrei. Gebinde stehend aufbewahren und angebrochene Dosen zügig aufbrauchen, da vor allem Schellack schnell eindickt.
Entsorgung
Flüssige Reste und lösemittelhaltige Produkte sind Sonderabfall und gehören zur Schadstoffsammlung. Vollständig eingetrocknete wasserbasierte Reste können als Restabfall entsorgt werden. Verpackungen restentleeren.







