Schimmel in Silikonfugen: entfernen oder erneuern

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Sie putzen die Fuge, der Belag kommt zurück. Spätestens beim dritten Anlauf stellt sich die Frage, ob Reinigen überhaupt noch sinnvoll ist oder die Fuge raus muss. Die Antwort hängt davon ab, wo der Schimmel sitzt — und das lässt sich mit einem Blick unterscheiden.

Warum Schimmel in der Fuge sitzt

Silikon ist kein Nährboden. Der Pilz ernährt sich von dem, was auf der Fuge liegt: Seifenreste, Kalkseifen, Hautfette und Shampooniederschläge. Diese Schicht bildet sich in jeder Dusche und wird von der Fuge nicht abgestoßen. Dazu kommt Feuchtigkeit, die nach dem Duschen nicht abtrocknet.

Eine Sanitärfuge hat dabei zwei Aufgaben. Sie dichtet den Anschluss ab und sie gleicht Bewegungen aus — zwischen Fliese und Wanne, zwischen Wand und Boden, zwischen Fliesen im Eck. Damit sie das dauerhaft leistet, muss der Dichtstoff elastisch bleiben und darf nicht nur auf dem Untergrund aufliegen.

Dass Silikon in Feuchträumen besonderen Anforderungen unterliegt, ist genormt. Die DIN EN 15651-3 regelt Dichtstoffe für Fugen im Sanitärbereich, für Badezimmer, Toiletten, Duschen und Küchen in Haushalten, auf die kein Druckwasser einwirkt. Die Norm stellt allerdings nur Mindestanforderungen. Das IVD-Merkblatt 3-1, der Stand der Technik für Sanitär- und Feuchträume, geht darüber hinaus: Es verlangt von einem Dichtstoff für den Sanitärbereich einen Volumenschwund von höchstens 10 Prozent, während die Norm bis zu 55 Prozent zulässt (IVD-Merkblatt 3-1, Ausgabe November 2014).

Ein hoher Volumenschwund bedeutet, dass der Dichtstoff beim Aushärten schrumpft und Spannung aufbaut. Solche Fugen reißen eher auf, nehmen Feuchtigkeit auf und halten weniger lange. Deshalb lohnt der Blick auf die Produktangabe, bevor Sie eine Kartusche kaufen.

Entfernen oder erneuern: die Entscheidung

BefundWas zu tun ist
Schwarze Punkte nur auf der Fugenoberfläche, die Fuge selbst ist fest und elastischReinigen, danach vorbeugen
Belag zieht sich als Rand in die Tiefe, die Fuge ist noch elastisch und haftetReinigungsversuch mit Kontrolle nach einigen Tagen
Fuge ist hart, rissig oder hat sich vom Rand gelöstErneuern
Fuge ist unterwandert, Feuchtigkeit steht dahinter, Belag sitzt hinter dem SilikonErneuern, dabei den Untergrund mit prüfen
Fuge nach dem Reinigen binnen Tagen wieder befallenErneuern

Zwei Prüfungen helfen bei der Einordnung. Erstens der Fingernageltest: Lässt sich die Fuge mit dem Nagel eindrücken und federt sie zurück, ist sie elastisch. Zweitens der Randtest: Setzen Sie einen Cutter vorsichtig am Übergang zwischen Silikon und Fliese an. Löst sich die Fuge dort von selbst, ist die Haftung verloren und Reinigen hat keinen Zweck mehr.

Reinigungsversuch richtig ansetzen

Bevor Sie zur Kartusche greifen, ist ein Reinigungsversuch legitim — er hat nur Grenzen.

  • Erst abwischen, dann behandeln. Der Nährboden ist der Belag auf der Fuge. Ein großer Teil verschwindet mit warmem Wasser und einem Schwamm.
  • Mittel nach Anweisung einwirken lassen. Chlorhaltige und peroxidhaltige Reiniger brauchen Zeit. Nach Herstellerangabe einwirken lassen, nicht länger.
  • Belüften und schützen. Chlorhaltige Mittel reizen die Atemwege. Fenster auf, Handschuhe, bei Sprühnebel Maske nach Herstellerangabe.
  • Nachspülen und trocknen. Rückstände greifen die Fuge an und ziehen neuen Schmutz an. Anschließend gründlich abspülen.
  • Kontrolle nach einigen Tagen. Kommen die Punkte an gleicher Stelle zurück, sitzt der Befall in der Fuge, nicht auf ihr.
  • Keine Sammlung anwenden. Mehrere Mittel hintereinander, womöglich noch mit Essig oder Schimmelvernichter aus der Sprühflasche, belasten die Fuge unnötig und schaden der Haftung.

Der Wirkstoff in Silikonen selbst hilft nur begrenzt. Sanitärsilikone enthalten Fungizide, die den Dichtstoff vor Pilzbefall schützen. Sie wirken im Silikon, nicht auf der Oberfläche, und sie werden mit der Zeit ausgewaschen. Eine Fuge, die regelmäßig befallen ist, retten sie deshalb nicht.

Die Fuge erneuern: in Schritten

Erster Schritt: Ausgangslage herstellen. Der Bereich um die Fuge muss erreichbar sein. Entfernen Sie Silikonreste nicht mit einem Haushaltsmesser über die Fliese, sondern mit Fugenmesser oder Fugenkratzer und einem Cutter mit neuer Klinge. Arbeiten Sie beidseitig am Übergang zum Fliesenrand.

Zweiter Schritt: alten Dichtstoff vollständig entfernen. Alles Silikon muss raus, auch die dünnen Reste am Rand. Sie sind eine Trennschicht und der neue Dichtstoff haftet darauf nicht. Prüfen Sie, ob Feuchtigkeit hinter der Fuge steht — dann ist die Ursache nicht die Fuge, sondern eine undichte Stelle dahinter.

Dritter Schritt: Untergrund reinigen und trocknen. Die Fugenflanken müssen sauber, staubfrei und tragfähig sein. Fett und Seifenreste entfernen; dazu eignen sich die Reiniger, die der Dichtstoffhersteller dafür nennt. Danach trocknen lassen. Auf feuchtem Untergrund haftet kein Sanitärsilikon zuverlässig.

Vierter Schritt: hinterfüllen. In der Fuge darf der Dichtstoff nicht drei Flächen zugleich berühren, also links, rechts und hinten. Bei Dreifachhaftung kann das Silikon sich beim Bewegen nicht dehnen und reißt auf. Deshalb wird der Fugengrund mit einer Rundschnur oder einem Komprimierband hinterlegt, sodass nur die beiden Flanken die Haftflächen bilden.

Fünfter Schritt: Dichtstoff einbringen. Silikon in die Fuge abziehen, nicht auf die Fliese schmieren. Bei Sanitärsilikon unterscheiden Sie zwischen acetatvernetzend und neutralvernetzend. Acetatvernetzendes Silikon riecht beim Aushärten nach Essig, haftet auf Glas und Keramik und ist nichts für Naturstein wie Marmor, Zink oder Beton. Neutralvernetzendes Silikon ist im Sanitärbereich die sichere Wahl, wenn Sie den Untergrund nicht genau kennen.

Für das Auspressen brauchen Sie eine Kartuschenpresse. Eine stabile Presse mit Übersetzung erleichtert das gleichmäßige Abziehen, gerade bei zähen Dichtstoffen.

Sechster Schritt: glätten. Mit Glättmittel und Fugenglätterset abziehen, in einem Zug, bevor die Haut anzieht.

Siebter Schritt: aushärten lassen. Die Fuge ist erst nach vollständiger Aushärtung wasserfest. Die Zeit steht in der Produktangabe; bis dahin den Bereich nicht mit Wasser beaufschlagen.

Vorbeugen

Dauerhaft schimmelfrei bleibt eine Fuge nur, wenn die Feuchtigkeit wieder abzieht.

  • Nach dem Duschen kurz lüften, im Winter besser stoßlüften als das Fenster auf Kipp.
  • Wände und Wannenumfeld abziehen, damit Wasser nicht stehen bleibt.
  • Keine Putzmittel überdosieren. Reinigerrückstände sind der Nährboden.
  • Fugen nicht mit Essigreiniger behandeln.
  • Undichte Stellen hinter der Fuge — Fliessfugen, Armaturenanschlüsse, Silikonfuge zur Wanne — instand setzen, bevor sie die neue Fuge wieder durchnässen.
Silikonfuge zwischen Wandfliese und Duschwanne mit beginnendem Schimmelbefall

Häufige Fragen

Weil der Belag nicht auf der Fuge sitzt, sondern in ihr oder dahinter. Solange Feuchtigkeit und Nährboden vorhanden sind, wächst der Pilz weiter. Reinigen bekämpft das Ergebnis, nicht die Ursache.

Es verzögert den Befall. Die enthaltenen Fungizide schützen den Dichtstoff selbst, sie wirken nicht auf der Oberfläche. Mit der Zeit werden sie ausgewaschen. Ein schlechter Dichtstoff mit hohem Volumenschwund wird dadurch nicht besser.

Nein. Überstreichen schließt die Feuchtigkeit ein. Die Fuge muss raus.

Bis das Silikon ausgehärtet ist. Die Zeit nennt der Hersteller in der Produktangabe. Bis dahin den Bereich trocken halten.

Hinterfüllen ist die Regel. Ohne Hinterfüllung haftet der Dichtstoff auf drei Flächen und kann sich nicht bewegen. Er reißt an der schwächsten Stelle auf, meist am Rand.

Neutralvernetzendes Sanitärsilikon. Acetatvernetzendes Silikon haftet sehr gut auf Glas und Keramik, greift aber Naturstein und Metalle wie Zink an und riecht beim Aushärten nach Essig.

Nein. Die Reste bleiben als Trennschicht, die neue Fuge löst sich wieder. Das Silikon muss vollständig aus der Fuge.

An der Angabe zur DIN EN 15651-3 und an den weiteren Werten. Ein Volumenschwund von höchstens 10 Prozent entspricht den Anforderungen des IVD-Merkblatts 3-1; die Norm selbst lässt bis 55 Prozent zu.

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