Rotes Bleioxid: Eigenschaften, Mennige und Verwendung

Rotes Bleioxid ist unter zwei Namen bekannt: als Mennige und als Minium. Chemisch ist es Blei(II,IV)-oxid mit der Formel Pb3O4 — ein Mischoxid aus zweiwertigem und vierwertigem Blei. Bis in die 1980er Jahre war es eines der wichtigsten Pigmente für Korrosionsschutzanstriche; heute ist es vor allem ein Gefahrstoffthema, weil bleihaltige Anstriche in Altbeständen weiter vorhanden sind.

Dieser Beitrag beschreibt die Eigenschaften, die früheren und heutigen Verwendungen und den Umgang mit Altanstrichen. Die Begriffe stehen kompakt unter Bleimennige und Bleioxid, die Korrosion von Metallen unter Korrosion.

Was rotes Bleioxid ist

Rotes Bleioxid entsteht beim Erhitzen von Blei an Luft. Es ist ein leuchtend rotes bis orangefarbenes Pulver, das in Wasser praktisch unlöslich ist und sich in Säuren löst. In der Anstrichtechnik hieß es Mennige, in der Chemie Minium; beide Namen gehen auf das lateinische minium zurück.

EigenschaftWert
NameRotes Bleioxid, Mennige, Minium
FormelPb3O4, als 2 PbO · PbO2
Farberot bis orange, leuchtend
Dichterund 8,9 Gramm je Kubikzentimeter
Löslichkeitin Wasser praktisch nicht löslich, in Säuren löslich
Verhalten bei Hitzezersetzt sich beim Erhitzen, gibt Sauerstoff ab
EinstufungBleiverbindung, fortpflanzungsgefährdend (Repr. 1A)

Verwechslungsgefahr besteht mit drei anderen Bleiverbindungen, die unterschiedliche Farben und Verwendungen haben. Die wichtigsten Unterschiede:

VerbindungFormelFarbeVerwendung früher
Blei(II)-oxid, BleiglättePbOgelb bis rötlichGläser, Glasuren, Kitt
Blei(II,IV)-oxid, MennigePb3O4rot bis orangeKorrosionsschutz, Pigment
Blei(IV)-oxidPbO2braun bis schwarzAkkumulatoren, Elektroden
Bleiweißbasisches BleicarbonatweißAnstriche innen und außen

Wer im Datenblatt oder in einem Prüfbericht nur „Bleioxid“ liest, hat es deshalb nicht automatisch mit Mennige zu tun. Maßgeblich sind Formel und Farbangabe.

Mennige: der Name und die sieben Buchstaben

Der Name Mennige stammt vom lateinischen minium, mit dem schon die Römer das rote Pigment bezeichneten. Aus minium wurde im Deutschen Mennige. Weil das Wort genau sieben Buchstaben hat, ist es in Kreuzworträtseln die Standardantwort auf die Frage nach dem roten Bleioxid — ein Nebenschauplatz, der in vielen Suchanfragen auftaucht, aber nichts über die Verwendung des Stoffes aussagt.

Für die Anstrichtechnik zählt etwas anderes: Mennige war kein Farbton für Wohnräume, sondern ein Korrosionsschutzpigment. Sie wurde als Grundierung auf Stahl gestrichen, weil sie die Eisenoberfläche passiviert und den Rostangriff verzögert.

Wofür rotes Bleioxid verwendet wurde

Anwendunghistorische BedeutungStand heute
Korrosionsschutz auf Stahlwichtigste Anwendung, Grundierung für Brücken, Tore, Geländerin Anstrichmitteln nicht mehr zulässig
Pigment für rote Anstrichehohe Deckkraft und Lichtechtheitersetzt durch Eisenoxidrot und organische Pigmente
Bleiglas und Kristallhoher Brechungsindex, schweres Glasweiter in Verwendung, mit Grenzwerten
Glasuren und Keramikfarbgebend und flussmittelartigstark eingeschränkt
AkkumulatorenBlei(IV)-oxid in der positiven Elektrodeunverändert die Hauptmenge des Einsatzes
Stabilisatoren in KunststoffenWärmestabilisierung von PVCin der EU weitgehend ersetzt

Die Beschränkung beruht auf der europäischen Chemikalienverordnung: Blei und seine Verbindungen sind in Anhang XVII der REACH-Verordnung beschränkt, zuletzt 2015 verschärft. In Anstrichmitteln werden bleihaltige Pigmente heute nicht mehr eingesetzt; in Altbeständen sind sie weiter vorhanden.

Was heute statt Mennige verwendet wird

Der Korrosionsschutz arbeitet heute mit drei Wirkprinzipien. Zinkstaub in einer Grundierung wirkt kathodisch und schützt den Stahl auch dort, wo die Schicht verletzt ist. Zinkphosphat hemmt die Rostbildung als Aktivpigment, ohne Schwermetallbelastung. Zweikomponentige Epoxidharz-Systeme bilden dichte, hoch haftende Grundierungen, die auch mechanisch belastbar sind.

Ein Zinkspray für Ausbesserungen und Schweißnähte kostet 6,95 Euro und wird mit 4,6 von 5 Sternen aus 3.081 Bewertungen geführt (Produktdaten, Stand 12.09.2026).

Als Vorbehandlung vor dem Deckanstrich dient ein Rostprimer, der die Oberfläche passiviert: 12,99 Euro, 4,5 von 5 Sternen aus 1.904 Bewertungen (Produktdaten, Stand 12.09.2026). Wo eine dichte, chemisch beständige Grundierung gebraucht wird, kommt eine Epoxid-Grundierung ins Spiel: 11,99 Euro, 4,6 von 5 Sternen aus 508 Bewertungen (Produktdaten, Stand 12.09.2026).

Diese drei Produkte ersetzen das Wirkprinzip der Mennige, nicht ihr Farbergebnis. Wer den historischen Rotton nachbilden will, arbeitet mit Eisenoxidrot, das ungiftig ist und in der Farbtonkarte unter den roten Pigmenten liegt.

Warum Bleiverbindungen gefährlich sind

Blei verlässt den Körper kaum. Aufgenommen wird es über den Atemweg als Staub oder Dampf und über den Magen-Darm-Trakt, etwa über verschmutzte Hände, Werkzeug oder Nahrung. Im Körper wirkt es auf mehrere Systeme: auf die Bildung der roten Blutkörperchen, auf das Nervensystem, auf die Nieren und den Bewegungsapparat. Besonders gefährdet sind Schwangere und kleine Kinder, weil Blei die Entwicklung des Nervensystems beeinträchtigt. Bleiverbindungen sind nach der CLP-Verordnung als fortpflanzungsgefährdend der Kategorie 1A eingestuft.

Das Risiko entsteht nicht durch das Vorhandensein eines alten Anstrichs, sondern durch die Bearbeitung: Schleifen, Bürsten, Sandstrahlen und Erhitzen setzen Staub und Dämpfe frei, die eingeatmet werden.

TätigkeitRisikoVorgehen
alten Anstrich anschleifenBleistaub in der Luftnicht trocken schleifen
Anstrich mit Heißluft oder Flamme entfernenBleidämpfekeine thermische Entfernung bei Bleiverdacht
Anstrich mit Lösemittel abwaschenAufnahme über die Haut und AerosoleHandschuhe nach Sicherheitsdatenblatt, lüften
Anstrich abbeizengeringer, weil staubarmSchutzhandschuhe, Schutzbrille, Abfall getrennt sammeln
Reste und Staub entsorgenKontamination von Räumengeschlossen sammeln, als gefährlichen Abfall abgeben

Wer mit bleihaltigen Altanstrichen arbeitet, trägt eine Atemschutzmaske mit Partikelfilter der Klasse FFP3: ein Zehnerpack mit Ventil kostet 18,63 Euro und wird mit 4,7 von 5 Sternen aus 2.887 Bewertungen geführt (Produktdaten, Stand 12.09.2026). Dazu gehören getrennte Arbeitskleidung, Handschuhe und die Regel, während der Arbeit nicht zu essen oder zu rauchen.

Alte Bleianstriche entfernen

Der staubarme Weg ist das Abbeizen. Das Mittel wird aufgetragen, die Schicht aufgeweicht und abgeschoben; dabei entsteht kein Feinstaub. Wie das Verfahren abläuft, steht unter Abbeizen und die Mittelwahl unter Abbeizer und Abbeizmittel. Ein wasseremulgierbares Abbeizmittel in 0,75 Litern kostet 9,95 Euro und wird mit 4,2 von 5 Sternen aus 191 Bewertungen geführt (Produktdaten, Stand 12.09.2026).

Wenn geschliffen werden muss, gehört eine Absaugung an die Maschine, und der Arbeitsbereich wird mit Folie abgeschlossen. Die abgeschabten Reste, Filter und Abdeckungen kommen getrennt in geschlossene Behälter. Für Farb- und Lackentfernungsabfälle mit gefährlichen Stoffen gilt der Abfallschlüssel 08 01 17*, sie gehören zur Schadstoffsammelstelle und nicht in den Bauschutt.

Ob ein Anstrich tatsächlich Blei enthält, zeigt nur eine Analyse. Alte Bestände lassen sich am Baujahr einschätzen, aber nicht am Aussehen: Ein bleihaltiger Anstrich sieht aus wie jeder andere Lack. Bei größeren Flächen, bei Sandstrahl- und Abbrucharbeiten und bei Arbeiten in Innenräumen gehört die Beurteilung in die Hand eines Fachbetriebs.

rotes bleioxid

Häufige Fragen

Rotes Bleioxid ist Blei(II,IV)-oxid mit der Formel Pb3O4, bekannt als Mennige oder Minium. Es ist ein rotes bis orangefarbenes Pulver, das früher als Korrosionsschutzpigment und als Farbpigment diente.

Weil der deutsche Name des Pigments Mennige lautet — abgeleitet vom lateinischen minium. Mit sieben Buchstaben passt das Wort in Kreuzworträtsel, die nach dem roten Bleioxid fragen.

Pb3O4. Die Verbindung ist ein Mischoxid und lässt sich als 2 PbO · PbO2 schreiben, enthält also Blei in zwei Oxidationsstufen.

Sie liegt bei rund 8,9 Gramm je Kubikzentimeter. Bleiverbindungen gehören damit zu den schweren anorganischen Pigmenten — Bleiglätte als gelbes Bleioxid liegt bei etwa 9,5 Gramm je Kubikzentimeter.

Ja. Es ist eine Bleiverbindung und als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Gefährlich ist vor allem der Staub, der beim Schleifen und Bürsten entsteht, sowie der Dampf beim Erhitzen.

In großen Mengen in Akkumulatoren, außerdem in Gläsern, Glasuren und keramischen Erzeugnissen mit Grenzwerten. In Anstrichmitteln wird es nicht mehr eingesetzt.

Am Aussehen nicht. Sicherheit gibt nur eine Analyse; das Baujahr liefert einen Anhaltspunkt. Bei größeren Flächen und bei Innenraumarbeiten gehört die Beurteilung in fachliche Hände.

Als gefährlichen Abfall: Farb- und Lackentfernungsabfälle mit gefährlichen Stoffen laufen unter dem Abfallschlüssel 08 01 17* und gehören zur Schadstoffsammelstelle. Filter, Folien und Arbeitskleidung werden getrennt gesammelt.

Weil Blei sich im Körper anreichert und die Gesundheit schädigt. Blei und seine Verbindungen sind in der EU über die REACH-Verordnung beschränkt; in Anstrichmitteln haben ungiftige Pigmente die Aufgabe übernommen.

Fazit

Rotes Bleioxid ist chemisch eindeutig — Pb3O4, ein Mischoxid — und technisch überholt. Als Korrosionsschutzpigment wurde es durch Zinkstaub, Zinkphosphat und Epoxidharzsysteme ersetzt, als Farbpigment durch Eisenoxidrot.

Was bleibt, ist der Umgang mit Altbeständen. Bleihaltige Anstriche sehen unauffällig aus, und ihr Risiko liegt nicht im Vorhandensein, sondern in der Bearbeitung: Schleifen und Erhitzen setzen Blei frei. Wer sie entfernt, arbeitet staubarm mit Abbeizer, schützt die Atemwege mit FFP3 und gibt die Reste als gefährlichen Abfall ab.

Ähnliche Beiträge