Alte rotbraune Rostschutzanstriche auf Stahl enthalten häufig Bleimennige. Lassen Sie den Anstrich zuerst mit einem Bleischnelltest prüfen, bevor Sie schleifen oder schaben. Intakte Schichten überstreichen Sie besser, statt sie abzutragen. Muss die Schicht weg, entfernen Sie sie staubarm mit Abbeizer, Atemschutz P3 und Chemikalienhandschuhen.
Benötigtes Material und Werkzeug
Bei Bleimennige entscheidet nicht das Werkzeug über das Ergebnis, sondern die Schutzausrüstung. Der Staub ist das eigentliche Risiko, deshalb gehört alles in die Liste, was Staub verhindert oder abfängt. Für einen Stahlträger, ein Geländer oder ein altes Stahlfenster brauchen Sie in der Regel Folgendes:
- Atemschutzmaske mit P3-Partikelfilter, bei Abbeizerarbeiten zusätzlich mit passendem Gasfilter
- Schutzbrille mit Vollsicht, die gegen Spritzer von Abbeizer und Rostumwandler dicht abschließt
- Chemikalienbeständige Handschuhe, die auch Säuren und Laugen standhalten
- Wasseremulgierbarer Abbeizer in Gelform und ein Pinsel zum Auftragen
- Kunststoffspachtel statt Stahlspachtel, damit der Untergrund nicht aufgeraut wird
- Dichte Abdeckfolie, Malerkrepp und Auffangwanne für Abbeizerreste
- Rostumwandler und Rostschutzbeschichtung für den neuen Aufbau
- Verschließbare Behälter für Abfall, die Sie beschriften können
Zur persönlichen Schutzausrüstung zählen drei Dinge, die Sie vor Beginn bereitlegen. Beim Atemschutz zählt die Filterklasse: Ein P3-Filter hält feinen Staub zurück, der bei trockenem Schaben und Schleifen entsteht. Das Dräger-Modell unten kommt laut Produkttitel mit einem Kombifilter, der die Klasse P3 enthält.
Die Schutzbrille sollte als Vollsichtbrille über den Brillenträgern sitzen und seitlich schließen. Das uvex-Modell ist laut Produkttitel eine Vollsichtbrille mit UV-Schutz, innen beschlagfrei und chemikalienbeständig.
Bei den Handschuhen reichen dünne Einweghandschuhe nicht, sobald Abbeizer oder Rostumwandler im Spiel sind. Das Modell unten ist laut Produkttitel gegen Säure, Alkali und Öl beständig und nach EN 388 und EN 374 gekennzeichnet.
Ursachen und Fachhintergrund
Bleimennige ist ein orangeroter Rostschutzpigment-Anstrich auf Basis von Bleioxid. Sie wurde jahrzehntelang als Grundierung auf Stahl eingesetzt, weil sie auch auf nicht ganz sauberem Metall haftet und das Rosten verzögert. Sie finden sie deshalb vor allem an Stahlträgern, Geländern, Gittern, Fenstern aus Stahl, Heizungsrohren und Tragkonstruktionen aus der Zeit vor den 1990er Jahren. Eine genaue Jahresgrenze lässt sich nicht pauschal nennen, weil sie je nach Bauteil und Hersteller schwankt.
Gefährlich ist nicht der intakte, geschlossene Anstrich, sondern jede Handlung, die Partikel freisetzt. Trockenes Schleifen, Abbrennen mit Heißluft oder Gasbrenner und Strahlen erzeugen Staub und Dämpfe, die Sie einatmen oder auf Hände und Kleidung übertragen. Blei reichert sich im Körper an. Kinder und Schwangere reagieren besonders empfindlich, deshalb gehören sie während der Arbeit nicht in den Raum.
Zur Abgrenzung lohnt der Beitrag zu rotem Bleioxid, einem verwandten bleihaltigen Pigment. Gemeinsam ist beiden: Ohne Test wissen Sie nicht, was auf dem Untergrund liegt. Geben Sie sich deshalb nicht mit dem Augenschein zufrieden, denn auch Überlackierungen in Grau oder Weiß verdecken die rote Schicht darunter.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Anstrich prüfen und Schicht begutachten
Kratzen Sie an einer unauffälligen Stelle mit einem Kunststoffschaber ein kleines Fenster frei, ohne zu schleifen. Rote bis orangerote Schicht direkt auf dem Metall ist ein Hinweis, aber noch kein Beweis. Für Gewissheit sorgt ein Schnelltest auf Blei, wie ihn Fachhandel und Baustoffhändler als Teststäbchen führen, oder eine Laboranalyse einer kleinen Probe. Sprühen Sie bei der Probenahme Wasser auf die Stelle, damit kein Staub aufsteigt, und verpacken Sie die Probe sofort in einem verschließbaren Beutel.
Prüfen Sie außerdem den Zustand: Ist die Beschichtung geschlossen, haftet sie fest, oder blättert sie in Schuppen ab? Davon hängt ab, ob Sie überstreichen oder abtragen.
Schritt 2: Überstreichen, wenn die Schicht intakt ist
Eine fest haftende, unbeschädigte Bleimennige-Schicht ist die sicherste Lösung, wenn Sie sie unter einem neuen Anstrich einschließen. Reinigen Sie die Fläche nass mit einem feuchten Schwamm und einem milden Reiniger, ohne Bürste und ohne Hochdruckreiniger, damit nichts abplatzt. Lassen Sie die Fläche vollständig trocknen, bei 15 bis 20 Grad und normaler Luftfeuchte mindestens einen Tag. Tragen Sie danach einen passenden Rostschutzaufbau auf. Welche Systeme sich für Stahl eignen, erklärt der Beitrag Metall streichen und Rostschutz.
Schritt 3: Staubarm abbeizen, wenn die Schicht weg muss
Ist die Schicht rissig, blättert sie oder wird das Bauteil saniert, tragen Sie sie nass ab. Decken Sie den Boden mit dichter Folie ab und schaffen Sie eine Auffangwanne für Abfall. Tragen Sie den Abbeizer dick und gleichmäßig mit dem Pinsel auf und lassen Sie ihn so lange wirken, wie der Hersteller angibt. Ein Gel haftet auch an senkrechten Flächen. Schieben Sie die aufgeweichte Schicht anschließend mit einem Kunststoffspachtel in die Wanne und wischen Sie Reste mit feuchten Tüchern nach.
Das Produkt unten ist laut Produkttitel ein wasseremulgierbarer Abbeizer in Gelform, der biologisch abbaubar ist und mit Pinsel geliefert wird. Prüfen Sie vor dem Einsatz auf der Verpackung, ob er für Metall freigegeben ist.
Schleifen, Abbrennen und Strahlen kommen bei Bleimennige für Privatleute und kleine Betriebe nicht infrage, weil dabei Staub und Dämpfe entstehen. Wird großflächig saniert, etwa an einer Stahlbrücke oder Tragkonstruktion, gehört die Arbeit in die Hand einer Fachfirma mit Absaugung und Nachweis über die Entsorgung.
Schritt 4: Rost behandeln und neu beschichten
Unter dem Abbeizer kommt häufig Rost zum Vorschein. Entfernen Sie losen Rost nass mit einem Kunststoffvlies oder einer Bürste, die nicht stäubt, und lassen Sie die Fläche trocknen. Danach behandeln Sie verbliebene feste Rostreste mit einem Rostumwandler. Das Produkt unten ist laut Produkttitel ein Rostumwandler und Rostentferner in Gelform für Metall. Beachten Sie die Einwirkzeit auf dem Gebinde, meist rechnen Sie mit mehreren Stunden bis zum nächsten Arbeitsgang.
Anschließend folgt die Rostschutzgrundierung, danach Zwischen- und Schlussbeschichtung. Halten Sie pro Schicht mindestens 12 bis 24 Stunden Trockenzeit ein und arbeiten Sie nicht unter 5 Grad oder bei Betauung. Genaue Werte stehen im technischen Merkblatt des gewählten Systems. Bleifreie Rostschutzsysteme sind seit Jahren Stand der Technik, bleihaltige Ware brauchen Sie dafür nicht.
Häufige Fehler aus der Praxis
Trocken schleifen oder abbrennen
Der häufigste Fehler ist der Griff zum Exzenterschleifer oder zur Heißluftpistole. Beides setzt Blei in Form von Staub und Dämpfen frei und verteilt es im ganzen Haus. Gegenmaßnahme: Anstrich vorher testen lassen und bei Nachweis nass arbeiten oder überstreichen.
Abfall im Hausmüll entsorgen
Abbeizerreste, Folien, Tücher und Schälgut dürfen bei bleihaltigem Material nicht in die Restmülltonne. Sammeln Sie alles in dicht verschlossenen, beschrifteten Behältern und fragen Sie bei Ihrem örtlichen Entsorger oder der Schadstoffsammelstelle nach, ob und wie er bleihaltigen Abfall annimmt.
Arbeitskleidung mit ins Wohnzimmer nehmen
Feiner Staub haftet an Kleidung, Haaren und Schuhen. Ziehen Sie die Arbeitskleidung vor dem Verlassen des Arbeitsbereichs aus, waschen Sie sie getrennt und duschen Sie danach. Essen, Trinken und Rauchen verschieben Sie auf die Pausen außerhalb des Arbeitsbereichs.
Produktvergleich: Welche Maßnahme für welche Situation
| Maßnahme | Einsatzbereich | Staubentwicklung | Eignung bei Bleimennige |
|---|---|---|---|
| Überstreichen | Intakte, fest haftende Schicht | Sehr gering bei Nassreinigung | Erste Wahl |
| Chemisch abbeizen | Rissige oder blätternde Schicht, kleine Flächen | Gering, wenn nass gearbeitet wird | Geeignet mit Atemschutz und Handschuhen |
| Trocken schleifen | Normalerweise Holz und Altlack | Hoch | Nicht geeignet |
| Abbrennen mit Heißluft | Holzfenster | Dämpfe und Staub | Nicht geeignet |
| Strahlen | Große Stahlbauteile | Sehr hoch | Nur durch Fachfirma mit Absaugung |
Häufige Fragen







