Wasserdampfdiffusion ist einer der am häufigsten verlinkten physikalischen Prozesse im gesamten Lexikon – sie entscheidet darüber, ob eine Wandkonstruktion „atmet“ oder Feuchtigkeit einschließt. Dieser Beitrag erklärt den physikalischen Mechanismus, wofür Wasserdampfdiffusion relevant ist und worauf bei der Materialwahl zu achten ist.
Was ist Wasserdampfdiffusion?
Wasserdampfdiffusion beschreibt die Wanderung von Wasserdampfmolekülen durch poröse Baustoffe entlang eines Feuchtegefälles – von Bereichen höherer zu niedrigerer Feuchtekonzentration. Diese Wanderung ist nur bei offenporigen (siehe Offenporig) Materialien möglich, deren durchgängige Porenstruktur den notwendigen Diffusionsweg bietet.
Warum eine dichte Aussenschicht feuchteschäden verursachen kann
Wenn eine dampfdichte Beschichtung auf der Aussenseite einer Wand aufgebracht wird, kann von innen eindringender Wasserdampf nicht mehr nach außen entweichen – dieser Feuchtestau kann zu Kondensation innerhalb der Wandkonstruktion führen, mit Folgeschäden wie Schimmel (siehe Schimmel) oder struktureller Feuchtebelastung. Dieses Prinzip erklärt, warum die Diffusionsoffenheit der gesamten Schichtenkette entscheidend ist.
Wo Wasserdampfdiffusion besonders relevant ist
Historische, feuchteempfindliche Bausubstanz
Bei Fachwerk oder anderen diffusionsoffenen Konstruktionen ist die richtige Materialwahl entscheidend, um die ursprüngliche Feuchteregulierung nicht zu stören.
Wärmedämm-Verbundsysteme
Bei WDVS (siehe Wärmedämm-Verbundsystem – WDVS) muss die gesamte Schichtenkette diffusionsoffen aufeinander abgestimmt sein.
Erneuerungsbeschichtungen auf Altsystemen
Bei der Überarbeitung bestehender Beschichtungen ist es wichtig, die ursprüngliche Diffusionsoffenheit des Systems nicht durch inkompatible neue Schichten zu blockieren.
Richtige Berücksichtigung
- Gesamte Schichtenkette diffusionsoffen halten: Eine einzelne dampfdichte Schicht kann das gesamte System beeinträchtigen
- Bei feuchteempfindlicher Substanz besonders sorgfältig planen: Historische Konstruktionen reagieren empfindlicher auf Diffusionsbarrieren
- Systemverträgliche Produkte verwenden: Herstellerabgestimmte Systeme sichern konsistente Diffusionswerte
- Bei Unsicherheit fachliche Bauphysik-Beratung einholen: Besonders bei kritischer, historischer Bausubstanz
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Wasserdampfdiffusion vs. Offenporig
Offenporig (siehe Offenporig) ist die Materialeigenschaft, die Wasserdampfdiffusion strukturell ermöglicht, Diffusion selbst der eigentliche Feuchtetransportprozess.
Wasserdampfdiffusion vs. Hydrophobierung
Hydrophobierung (siehe Hydrophobierung) blockiert gezielt flüssiges Wasser, lässt aber Wasserdampfdiffusion durch die kleineren Molekülgrößen weiterhin zu.






