Vliestapete

Vliestapete ist heute die meistverkaufte Tapetenart, weil sie sich passgenau zuschneiden lässt und sich später trocken und rückstandsfrei wieder abziehen lässt. Dieser Beitrag erklärt, wie Vliestapete aufgebaut ist, warum sie im Wandklebeverfahren statt auf der Bahn eingekleistert wird, welche Typen es gibt und wie sie sich von Malervlies und klassischer Papiertapete unterscheidet.

Was ist Vliestapete?

Vliestapete besteht aus einem Trägervlies aus Zellulose- und Polyesterfasern, das mit Dekordruck, Struktur oder Prägung versehen ist. Das Vlies quillt beim Ankleistern kaum auf und verändert seine Maße nicht – anders als Papiertapete, die sich beim Einweichen dehnt und beim Trocknen wieder zusammenzieht. Dadurch lassen sich Muster passgenauer anpassen und Bahnen maßhaltig zuschneiden.

Typen

  • Strukturvlies (überstreichbar): unbedruckt oder nur leicht geprägt, wird nach dem Kleben gestrichen – nah verwandt mit Malervlies
  • Dekorvliestapete: fertig bedruckt oder geprägt, wird nicht mehr überstrichen
  • Vlies-Fototapete: hochauflösender Digitaldruck auf Vliesträger, siehe Fototapete

Flächengewicht und Rollenmaße

Vliestapete wird meist in Rollenbreiten von 53 oder 106 Zentimetern angeboten, die breiteren Rollen (Tapeten „auf Meter“) reduzieren die Anzahl der Nähte pro Wand deutlich. Das Flächengewicht liegt je nach Qualität zwischen etwa 130 und über 300 Gramm pro Quadratmeter – schwerere Qualitäten überdecken mehr Untergrundunruhe, sind aber auch beim Verarbeiten unhandlicher.

Musterversatz

Bei gemusterten Dekorvliestapeten muss der Rapport (die Musterwiederholung) beim Zuschnitt jeder Bahn beachtet werden, damit sich das Muster nahtlos fortsetzt. Der Rapportversatz steht auf der Rolle und führt bei Nichtbeachtung zu deutlichem Verschnitt und sichtbaren Mustersprüngen an den Bahnenübergängen.

Verarbeitung

Wandklebeverfahren

Anders als bei Papiertapete wird der Kleister direkt auf die Wand aufgerollt, nicht auf die Tapetenbahn. Die trocken zugeschnittene Bahn wird angelegt, mit Rakel oder Andrückroller blasenfrei ausgestrichen und am Rand zugeschnitten. Weil das Vlies nicht quillt, entfällt die bei Papiertapete nötige Weichzeit.

Bahnen und Nähte

Vliestapetenbahnen werden meist stumpf gestoßen, nicht überlappt. An Ecken und Fensterlaibungen wird überlappend gearbeitet und die Überdeckung mit einem Doppelschnitt präzise getrennt, damit keine Wulst entsteht.

Eckentapezieren

Innen- und Außenecken werden nie mit einer durchgehenden Bahn um die Ecke geführt, weil kaum eine Wand exakt im rechten Winkel steht. Stattdessen wird die Bahn mit einigen Zentimetern Überstand um die Ecke geführt, die neue Bahn auf der Folgewand plumb (lotrecht) angesetzt und die Überlappung im Eckbereich verdeckt – so bleiben Musterverlauf und Fluchten auf der sichtbaren Fläche korrekt.

Abgrenzung

Vliestapete vs. Malervlies

Malervlies ist unbedruckt und ausschließlich zum Überstreichen gedacht, Dekorvliestapete trägt bereits das fertige Muster oder eine feste Struktur und wird in der Regel nicht mehr gestrichen.

Vliestapete vs. Papiertapete und Raufaser

Raufaser und Papiertapete werden im Bahnenklebeverfahren eingekleistert, quellen auf und brauchen eine Weichzeit vor dem Ankleben. Vliestapete bleibt formstabil und wird direkt über den frisch eingekleisterten Untergrund gelegt.

Vliestapete vs. Textiltapete

Textiltapete hat eine textile Oberfläche (Filz, Leinen, Seide) auf einem Trägervlies und ist empfindlicher gegen Feuchte und Flecken. Vliestapete ist robuster und leichter zu verarbeiten.

Renoviervlies vs. Dekorvliestapete

Beide Begriffe werden manchmal synonym verwendet, meinen aber unterschiedliche Produkte: Renoviervlies ist der Fachbegriff für unbedrucktes Malervlies zum Überstreichen, Dekorvliestapete trägt bereits das fertige Muster und wird nicht mehr gestrichen.

Umweltzeichen und Schadstoffprüfung

Viele Vliestapeten tragen Prüfsiegel wie den Blauen Engel oder Ökotex-Zertifizierungen, die niedrige Emissionswerte bestätigen. Gerade in Schlaf- und Kinderzimmern lohnt sich ein Blick auf solche Kennzeichnungen, wenn Wert auf geringe Ausdünstung gelegt wird.

Lichtechtheit gemusterter Tapeten

Stark der Sonne ausgesetzte Wandbereiche können bei farbintensiven Dekoren im Lauf der Jahre leicht verblassen. Bei Fenster nahen Flächen lohnt sich vorab ein Blick auf die Lichtechtheitsangabe des Herstellers.

Welche Tapete welche Unebenheit ausgleicht und wann Vlies die richtige Wahl ist, steht im Ratgeber Unebene Wände tapezieren.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Kleister kann Konservierungsmittel enthalten, die Haut reizen – Handschuhe tragen. Beim Zuschneiden mit dem Cuttermesser auf sichere Klingenführung achten, bei Überkopfarbeiten an der Decke auf sicheren Stand.

Lagerung

Rollen stehend, trocken und vor Druckstellen geschützt lagern. Angemischten Kleister frostfrei lagern und innerhalb weniger Tage aufbrauchen.

Entsorgung

Abgezogene Vliestapete ist Restabfall. Kleisterreste eintrocknen lassen und ebenfalls als Restabfall entsorgen.

Kleisterauftrag auf die Wand beim Verlegen von Vliestapete

Häufig gestellte Fragen

Nur wenn sie ausdrücklich dafür ausgewiesen ist (Strukturvlies). Fertig bedruckte Dekorvliestapete verliert beim Überstreichen oft ihre Struktur oder Farbwirkung.

In der Regel lässt sich die bedruckte Deckschicht trocken abziehen, während eine dünne Vliesschicht auf der Wand bleibt und mitübertapeziert werden kann. Details im Beitrag Tapete entfernen.

Bei stark saugendem oder ungleichmäßigem Untergrund ja, mit einer saugausgleichenden Grundierung oder verdünntem Kleister als Vorstrich.

Nur auf fest sitzender, dünn gestrichener Raufaser. Mehrfach überstrichene oder lose Raufaser sollte vorher entfernt werden.

Meist wegen ungenauem Zuschnitt, zu wenig Überlappung beim Doppelschnitt oder Glanzunterschieden bei seitlichem Lichteinfall – hier hilft ein feinerer Untergrund und sorgfältiges Anlegen.

Viele Dekorvliestapeten sind wisch- oder scheuerbeständig, das steht auf der Rolle. Unbeschichtetes, überstrichenes Strukturvlies richtet sich nach der Wischfestigkeit der verwendeten Farbe.

Meist 24 bis 48 Stunden, bevor überstrichen oder stark gelüftet wird, um Ablösen durch Zugluft zu vermeiden.

Das hängt von Wandfläche, Rollenbreite und Musterrapport ab – Tapetenrechner der Hersteller helfen bei der genauen Kalkulation inklusive Verschnittzuschlag.

Nur außerhalb des Spritzwasserbereichs und mit ausreichender Lüftung, sonst steigt das Schimmelrisiko hinter der Tapete.

Mit einer feinen Nadel anstechen, die Luft herausdrücken und glattstreichen – bei größeren Blasen hilft erneutes Andrücken mit dem Rakel, solange der Kleister noch feucht ist.

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