Kalkzementputz: Zusammensetzung, Einsatz und Verarbeitung

Kalkzementputz ist ein mineralischer Putzmörtel, dessen Bindemittel aus Kalkhydrat und Zement besteht. Er verbindet die gute Verarbeitbarkeit und Diffusionsoffenheit des Kalks mit der Festigkeit und Wasserbeständigkeit des Zements und gilt deshalb als Standardputz für Innenwände, Außenwände und Sockel im Neubau. Dieser Beitrag erklärt, wie Kalkzementputz zusammengesetzt ist, wo er eingesetzt wird und wie er verarbeitet wird.

Was ist Kalkzementputz?

Kalkzementputz ist ein Putzmörtel aus Sand, Kalkhydrat und Zement mit Zusätzen wie Luftporenbildnern und Wasserrückhaltemitteln. Er wird als Werktrockenmörtel im Sack geliefert und von Hand oder mit der Putzmaschine verarbeitet. Eingeordnet wird er in der Regel als Putzmörtelgruppe P II nach DIN V 18550 beziehungsweise als Druckfestigkeitsklasse CS II oder CS III nach DIN EN 998-1.

Zusammensetzung

Als Richtwert gilt ein Mischungsverhältnis von etwa einem Raumteil Kalk, einem Raumteil Zement und sechs Raumteilen Sand. Der Kalk sorgt für Geschmeidigkeit, Wasserrückhaltung und Diffusionsoffenheit, der Zement für Festigkeit und Beständigkeit gegen Feuchte. Fertigmörtel sind exakt auf dieses Verhältnis abgestimmt.

Eigenschaften

Kalkzementputz erreicht je nach Klasse Druckfestigkeiten von etwa 1,5 bis 7,5 N/mm². Er ist wasserabweisend und feuchtebeständiger als Kalkputz, dabei diffusionsoffener und weniger spröde als reiner Zementputz. Die Wasserdampfdiffusionswiderstandszahl liegt je nach Produkt im Bereich von etwa 10 bis 35. Wegen des Zementanteils ist der Putz stark alkalisch.

Maschinenputz und Handputz

Kalkzementputz wird heute überwiegend als Maschinenputz verarbeitet. Die Putzmaschine mischt den Trockenmörtel mit Wasser und fördert ihn an die Wand, wo er mit der Latte abgezogen wird. Das spart Zeit und sorgt für gleichmäßige Mischung. Bei kleinen Flächen und Ausbesserungen wird der Mörtel von Hand im Eimer angemischt und mit der Kelle aufgebracht.

Anwendung und Einsatzbereiche

Innenwände

Im Innenbereich eignet sich Kalkzementputz auch für Räume mit höherer Feuchte wie Bäder und Küchen, in denen Gipsputz an seine Grenzen kommt. Im Vergleich zum Kalkputz ist er härter und weniger empfindlich gegen Stoß.

Außenputz

Am Außenbau wird Kalkzementputz als Unterputz und, mit entsprechender Körnung, als Oberputz verwendet. Er bildet die Grundlage für mineralische und organisch gebundene Oberputze, siehe Mineralischer Fassadenputz. Auch Armierungsmörtel für Wärmedämmverbundsysteme beruhen häufig auf kalkzementären Bindemitteln, nachzulesen unter Armierungsmörtel.

Sockel und Spritzwasserbereich

Im Sockelbereich wird der Putz durch Spritzwasser beansprucht. Hier kommen kalkzementäre Sockelputze mit wasserabweisenden Zusätzen zum Einsatz, die der Beitrag Sockelputz beschreibt.

Untergründe

Geeignet sind Mauerwerk aus Ziegel, Kalksandstein und Porenbeton sowie Beton mit Spritzbewurf. Auf gipshaltigen Untergründen ist Kalkzementputz nicht geeignet, weil sich bei Feuchte schädliche Treibminerale bilden können. Gipsreste auf Mauerwerk, etwa von früheren Gipsputzen, müssen deshalb vollständig entfernt werden.

Putzträger und Materialwechsel

An Übergängen zwischen verschiedenen Baustoffen, etwa Mauerwerk und Beton, und an Rolllädenkästen arbeitet der Untergrund unterschiedlich und der Putz reißt. Dort wird ein Armierungsgewebe in die obere Hälfte des Putzes eingelegt, das die Spannungen verteilt. Auf Holz, Metall oder Dämmstoffen ist ein Putzträger nötig, auf dem der Mörtel mechanisch verankert wird.

Verarbeitung von Kalkzementputz

Untergrund vorbereiten

Der Untergrund muss tragfähig, sauber und frei von Trennmitteln sein. Stark saugende Steine werden vorgenässt. Auf glatten Betonflächen wird ein Spritzbewurf oder eine Haftbrücke aufgebracht, damit der Putz Halt findet.

Auftragen und Lagenaufbau

Putzprofile und Eckschutz werden zuerst gesetzt, siehe Putzprofil. Danach wird der Mörtel aufgetragen und abgezogen. Die Putzdicke beträgt nach DIN 18550 im Regelfall etwa 15 mm innen und 20 mm außen. Dickere Aufbauten werden in mehreren Lagen ausgeführt, wobei jede Lage vor der nächsten angezogen sein muss. Angemischter Mörtel bleibt je nach Produkt etwa ein bis zwei Stunden verarbeitbar, angesteifter Mörtel wird nicht mit Wasser wieder aufgefrischt.

Abziehen und Filzen

Nach dem Ansteifen wird der Putz abgerieben oder gefilzt. Das Vorgehen beschreibt der Beitrag Filzen. Zu frühes Filzen führt zu Wolkenbildung, zu spätes zu Rissen und Haftungsverlust.

Nachbehandlung und Standzeit

Bei Hitze und Wind wird der Putz feucht gehalten, damit er nicht zu schnell austrocknet und reißt. Als Faustregel gilt eine Standzeit von etwa einem Tag je Millimeter Putzdicke, bevor ein Oberputz oder ein Anstrich folgt. Frost während der Erhärtung schädigt den Putz. Auf der Wetterseite wird der Putz zusätzlich vor Schlagregen geschützt, solange er noch nicht ausreichend erhärtet ist.

Überarbeiten und Anstrich

Auf Kalkzementputz eignen sich mineralische Farben und Dispersionsfarben. Wegen der Alkalität sind Farben mit guter Alkalibeständigkeit zu wählen. Lässt sich Ausblühen nicht vermeiden, hilft die Einordnung im Beitrag Ausblühungen.

Wetter und Temperatur

Kalkzementputz wird bei Luft- und Untergrundtemperaturen von etwa 5 bis 30 °C verarbeitet. Bei Frost bindet der Zement nicht richtig ab, bei direkter Sonne und Wind trocknet die Oberfläche zu schnell und reißt. Außenputz wird daher bei Hitze abgehängt oder feucht gehalten und vor Regen durch Planen geschützt.

Abgrenzung zu ähnlichen Putzen

Kalkzementputz vs. Kalkputz

Kalkputz ist weicher, stärker diffusionsoffen und feuchteregulierend, aber weniger fest und witterungsbeständig. Kalkzementputz ist belastbarer und wird deshalb im Neubau und am Sockel eingesetzt, Kalkputz eher im Altbau und für Innenräume mit hohem Anspruch an das Raumklima.

Kalkzementputz vs. Zementputz

Zementputz ist härter, dichter und weniger diffusionsoffen und wird im Sockel und Keller verwendet, siehe Zementputz. Er ist rissanfälliger, weil er weniger Verformung aufnimmt als Kalkzementputz.

Kalkzementputz vs. Gipsputz

Gipsputz wird nur im trockenen Innenraum verwendet, bindet schneller ab und ist nicht feuchtebeständig. Eine Übersicht bietet der Beitrag Gipsputz. Kalkzementputz wird nicht auf Gipsputz aufgebracht.

Kalkzementputz vs. Sanierputz

Sanierputz ist ein hochporöser Spezialputz für salzbelastetes Mauerwerk nach WTA-Merkblatt. Kalkzementputz ist dafür nicht geeignet, siehe Sanierputz.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Zement wirkt alkalisch und kann Haut und Augen reizen oder schädigen. Handschuhe, Schutzbrille und geeignete Kleidung sind Pflicht, beim Anmischen von Sackware ist Atemschutz gegen Staub empfehlenswert. Chromatarme Produkte verringern das Risiko von Kontaktallergien.

Lagerung

Säcke werden trocken, auf Paletten und vor Feuchtigkeit geschützt gelagert. Die Haltbarkeit von Werktrockenmörtel beträgt je nach Hersteller etwa 6 bis 12 Monate, angebrochene Säcke werden zügig verbraucht.

Entsorgung

Ausgehärtete Mörtelreste gelten als Bauschutt. Zementhaltiges Waschwasser darf wegen des hohen pH-Werts nicht in Gewässer oder Kanalisation gelangen und wird abgesetzt entsorgt.

Verputzer zieht Kalkzementputz auf einer Ziegelwand ab

Häufig gestellte Fragen

Faustregel ist etwa ein Tag je Millimeter Putzdicke bis zum Oberputz oder Anstrich. Bei 15 mm sind das rund zwei Wochen, bei Kälte und hoher Luftfeuchte länger.

Ja, nach ausreichender Trocknung. Geeignet sind Dispersions-, Silikat- und Kalkfarben. Wegen der Alkalität ist auf alkalibeständige Anstriche zu achten.

Nein. Bei Feuchte kann sich Ettringit bilden, das den Putz sprengt. Gipshaltige Untergründe werden entfernt oder mit geeigneter Trennschicht behandelt.

Üblich sind etwa 15 mm im Innenbereich und 20 mm außen. Mehr als 20 mm werden in zwei Lagen aufgetragen.

Ursachen sind zu schnelles Austrocknen, zu dicke Lagen, Bewegungen im Untergrund und fehlende Armierung an Materialwechseln. Nachbehandeln und Gewebeeinlagen helfen.

Im Spritzwasserbereich ja, in Duschen und anderen Nassbereichen nur mit zusätzlicher Abdichtung unter dem Fliesenbelag.

P II ist die Putzmörtelgruppe für Kalkzementmörtel nach der älteren DIN V 18550. Heute wird die Festigkeit meist als CS-Klasse nach DIN EN 998-1 angegeben.

Kalkzementputz ist fester, feuchtebeständiger und eignet sich auch für Bäder. Gipsputz ist schneller, glatter und wird im trockenen Wohnraum bevorzugt.

Unterputze haben meist Körnungen bis etwa 1,4 bis 2 mm, Oberputze je nach Struktur von 1 bis 4 mm. Die Körnung bestimmt die Putzstruktur und die erreichbare Schichtdicke.

Im Altbau mit weichem Mauerwerk ist Kalkputz verformungsverträglicher und passt besser zum Untergrund. Kalkzementputz ist für festes, formstabiles Mauerwerk und für den Sockel ausgelegt.

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