Sanierputz

Sanierputz ist ein speziell hochporöser Putz für feuchtes und salzbelastetes Mauerwerk, dessen Wirkung auf einem definierten Porengefüge beruht. Dieser Beitrag erklärt, wie Sanierputz nach dem WTA-Prinzip funktioniert, wie das Putzsystem aufgebaut ist, welche Vorarbeiten am Mauerwerk nötig sind und worin er sich von Kalk- und Zementputz sowie von einer Abdichtung unterscheidet.

Was ist Sanierputz?

Sanierputz ist ein mineralischer Putzmörtel mit hohem Luftporenanteil (meist über 40 Volumenprozent) und wasserabweisendem Gefüge. Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk verdunstet tief im Putz, die mitgeführten bauschädlichen Salze kristallisieren in den großen Poren aus, ohne die Oberfläche abzusprengen. Der Putz bleibt dadurch über Jahre trocken und salzfrei an der Sichtseite – er trocknet die Wand aber nicht, sondern macht die Restfeuchte optisch und bautechnisch beherrschbar.

Das WTA-Prinzip

Geprüfte Sanierputzsysteme tragen die Bezeichnung nach WTA-Merkblatt 2-9. Sie legt Porenkennwerte, Wasseraufnahme und Wasserdampfdurchlässigkeit fest und schreibt einen mehrlagigen Systemaufbau vor. Nur das komplette, aufeinander abgestimmte System eines Herstellers erfüllt die Anforderung – einzelne Säcke „Sanierputz“ ohne Systemkomponenten nicht.

Systemaufbau

  • Spritzbewurf: netzförmig, maximal halbdeckend, als Haftbrücke
  • Porengrundputz (bei hoher Salzlast): nimmt die Hauptmenge der auskristallisierenden Salze auf
  • Sanierputz: mindestens 20 mm, bei starker Belastung 30 mm und mehr, in maximal zwei Lagen
  • Oberfläche: gefilzt oder mit einem diffusionsoffenen Feinputz, darauf nur mineralische, hoch dampfdurchlässige Farbe

Vorarbeiten am Mauerwerk

Sanierputz ist keine Abdichtung und ersetzt keine Ursachenbehebung. Vor dem Auftrag gehören dazu:

  • Alten, salzbelasteten Putz mindestens 80 cm über die sichtbare Schadenszone hinaus abschlagen
  • Fugen 2 cm tief auskratzen, Mörtelreste und lose Teile entfernen, Bauschutt sofort abfahren
  • Wenn nötig eine Horizontal- oder Vertikalsperre gegen aufsteigende bzw. seitlich eindringende Feuchte ausführen
  • Salzart und -menge bestimmen lassen (Sulfat, Nitrat, Chlorid), da sie die Systemwahl bestimmen

Verarbeitung

Jede Lage muss vor der nächsten ausreichend abbinden; als Richtwert wird ein Tag Standzeit pro Millimeter Schichtdicke eingehalten. Nicht bei Temperaturen unter 5 °C und nicht auf gefrorenem Untergrund arbeiten. Der fertige Putz wird nicht geglättet oder gesintert, weil eine dichte Sinterschicht die Verdunstung behindert und das System unwirksam macht. Auf die Fläche gehört ausschließlich ein hoch diffusionsoffener Anstrich; Dispersions- oder Latexfarbe verschließt die Poren.

Abgrenzung

Sanierputz vs. Kalkputz

Kalkputz ist diffusionsoffen und kapillaraktiv, hat aber nicht das definierte, salzspeichernde Porengefüge. Bei nachweisbarer Salzbelastung ist er der falsche Putz – die Salze würden die Oberfläche absprengen.

Sanierputz vs. Zementputz

Zementputz ist dicht und fest und hält Feuchte im Mauerwerk zurück, statt sie geregelt verdunsten zu lassen. Auf feuchtem, salzbelastetem Mauerwerk beschleunigt er den Schaden.

Sanierputz vs. Abdichtung

Eine Abdichtung hält Wasser vom Bauteil fern. Sanierputz lässt vorhandene Feuchte kontrolliert austreten. Beides ergänzt sich, ersetzt sich aber nicht: Ohne Sperre gegen die Feuchtequelle ist die Wirkung des Sanierputzes zeitlich begrenzt.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Der zement- und kalkgebundene Mörtel ist stark alkalisch – Schutzbrille, Handschuhe und Hautschutz tragen, Augenspritzer länger ausspülen und ärztlich kontrollieren lassen. Beim Abschlagen des salzbelasteten Altputzes und beim Anmischen entsteht quarz- und salzhaltiger Staub; mit Absaugung, FFP3-Maske und Schutzbrille arbeiten und den Bauschutt gekapselt lagern.

Lagerung

Systemkomponenten trocken, frostfrei und auf Paletten lagern, Säcke vor Feuchte schützen und die Herstellerfrist (meist 6 bis 12 Monate) einhalten. Verschiedene Systeme nicht mischen.

Entsorgung

Der abgeschlagene, salzbelastete Altputz gehört getrennt gesammelt und darf nicht über unbelasteten Bauschutt oder im Garten entsorgt werden. Ausgehärtete Reste des neuen Putzes sind mineralischer Bauschutt, Frischmörtel aushärten lassen.

Kellerwand mit abgeschlagenem Altputz und neuem Sanierputz

Häufig gestellte Fragen

Nein. Er verlagert die Verdunstungszone in den Putz und hält Salze von der Oberfläche fern. Die Ursache der Feuchte muss separat beseitigt werden.

Bei behobener Feuchteursache viele Jahrzehnte. Bei weiterhin nachlaufender Feuchte füllen sich die Poren mit Salz und die Wirkung lässt nach 10 bis 20 Jahren nach.

Nur hoch diffusionsoffene mineralische Farben wie Silikat- oder Kalkfarbe. Dispersions- und Latexfarbe machen das System unwirksam.

Die Verarbeitung ähnelt normalem Putz, aber Salzanalyse, Systemwahl, Sperrmaßnahmen und das korrekte Nichtsintern der Oberfläche gehören in Fachhand – Fehler zeigen sich erst nach Jahren.

Mindestens 20 mm, bei starker Salz- und Feuchtebelastung 30 mm und mehr, plus gegebenenfalls eine Lage Porengrundputz.

Indirekt, indem er die Oberfläche trocken hält. Gegen Schimmel durch Kondensat an Wärmebrücken ist er nicht das richtige Mittel – dort geht es um Dämmung und Lüftung.

Ja, mindestens 80 cm über die sichtbare Schädigung hinaus, weil sich Salze und Feuchte unsichtbar weiter im Mauerwerk verteilen.

Nein. Opferputz ist ein einfacher Putz, der die Salze aufnimmt und nach einiger Zeit bewusst wieder abgeschlagen wird. Sanierputz ist auf Dauerhaftigkeit ausgelegt.

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