Das Dünnbettverfahren ist das heute übliche Fliesenverlegeverfahren nach DIN 18157-1, bei dem der Fliesenkleber nur in einer dünnen, mit der Zahnkelle gekämmten Schicht von 3 bis 5 Millimetern aufgetragen wird – im Gegensatz zum traditionellen, mehrere Zentimeter dicken Dickbett-Mörtel. Dieser Beitrag erklärt Ablauf und Zahnung, die Buttering-Floating-Methode für großformatige Fliesen und die Abgrenzung zum Fliesenkleber selbst und zum älteren Dickbettverfahren.
Was ist das Dünnbettverfahren?
Beim Dünnbettverfahren wird der Fliesenkleber mit einer gezähnten Kelle in gleichmäßige Rillen gekämmt, bevor die Fliese eingelegt und angedrückt wird. Beim Andrücken verlaufen die Kleberrillen und füllen die Zwischenräume, sodass eine dünne, aber durchgehende Kleberschicht entsteht. Diese Technik ersetzte ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zunehmend das traditionelle, viel materialintensivere Dickbett aus Zementmörtel.
Zahnung der Kelle
Die Größe der Kellenzähne richtet sich nach dem Fliesenformat: kleinere Zähne von 6 Millimetern für kleinformatige Mosaikfliesen, größere Zähne bis 12 Millimeter für großformatige Boden- und Wandfliesen. Je größer die Fliese, desto mehr Kleber wird benötigt, um eine vollflächige, hohlraumfreie Verklebung zu gewährleisten.
Buttering-Floating-Methode
Bei großformatigen oder rektifizierten Fliesen reicht das einfache Kämmen des Untergrunds oft nicht aus, um Hohlräume zuverlässig zu vermeiden. Deshalb wird zusätzlich dünn Kleber auf die Fliesenrückseite aufgetragen – das sogenannte Buttering – bevor die Fliese in den gekämmten Untergrund gedrückt wird. Diese Kombination stellt eine vollflächige Benetzung sicher, wichtig für Frostsicherheit und Tragfähigkeit.
Verarbeitung
Untergrundanforderungen
Weil die dünne Kleberschicht kaum Unebenheiten ausgleicht, muss der Untergrund im Dünnbettverfahren deutlich ebener sein als beim Dickbett. Größere Unebenheiten werden vorab mit einer Nivelliermasse ausgeglichen, bevor die Fliesen verlegt werden.
Offene Zeit
Der gekämmte Kleber bleibt nur begrenzt klebefähig, bevor sich an der Oberfläche eine Haut bildet, die die Haftung verschlechtert. Deshalb wird immer nur so viel Fläche gekämmt, wie innerhalb dieser offenen Zeit mit Fliesen belegt werden kann.
Kontrolle der Verklebung
Stichprobenartig werden einzelne Fliesen wieder abgenommen, um zu prüfen, ob die Rückseite vollflächig mit Kleber benetzt ist. Deckungsgrade unter etwa 80 Prozent gelten je nach Anwendung als unzureichend und können später zu Hohlstellen und, bei Frostbelastung im Außenbereich, zu Absprengungen führen.
Verzögert abbindende Kleber
Für große Flächen oder ungeschulte Verleger gibt es Fliesenkleber mit verlängerter offener Zeit, die mehr Spielraum beim Verlegen geben, ohne dass der Kleber vorzeitig eine Haut bildet. Diese Produkte sind besonders bei hohen Temperaturen oder starker Sonneneinstrahlung auf der Baustelle hilfreich.
Rutschfeste Einstellung für Wandfliesen
Für vertikale Flächen wird ein Kleber mit erhöhter Anfangshaftung, umgangssprachlich als rutschfest oder thixotrop bezeichnet, verwendet, damit großformatige Wandfliesen nicht unter ihrem eigenen Gewicht nach unten rutschen, bevor der Kleber abgebunden hat.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
Dünnbettverfahren vs. Fliesenkleber
Das Dünnbettverfahren beschreibt die Verlegemethode – wie dick und wie aufgetragen der Kleber wird. Der Fliesenkleber ist das Material selbst, das für diese Methode verwendet wird. Beide Begriffe gehören zusammen, beschreiben aber unterschiedliche Aspekte derselben Arbeit.
Dünnbettverfahren vs. Dickbettverfahren
Das Dickbettverfahren verwendet einen mehrere Zentimeter starken Zementmörtel, der größere Unebenheiten des Untergrunds direkt ausgleichen kann, dabei aber schwer, materialintensiv und langsam abbindet. Das Dünnbettverfahren ist leichter, schneller verarbeitet und materialsparender, verlangt dafür einen bereits ebenen Untergrund.
Kombi-Verfahren vs. einfaches Dünnbett
Bei kleinformatigen Standardfliesen reicht meist das einfache Kämmen des Untergrunds. Bei großformatigen oder rektifizierten Fliesen ist die zusätzliche Beschichtung der Fliesenrückseite im Buttering-Floating-Verfahren nötig, um eine ausreichende Kontaktfläche sicherzustellen.
Dünnbettverfahren vs. Feinsteinzeug-Verlegung
Feinsteinzeug wird grundsätzlich im Dünnbettverfahren verlegt, benötigt wegen seiner geringen Saugfähigkeit aber einen speziell abgestimmten Flexkleber und häufiger die Buttering-Floating-Methode als saugfähigere Fliesenarten.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Zementhältiger Fliesenkleber ist alkalisch und kann Haut und Augen reizen – Handschuhe und bei Spritzgefahr eine Schutzbrille tragen. Beim Anmischen von Trockenmörtel entsteht Feinstaub, eine Staubmaske reduziert die Belastung. Beim Arbeiten auf Knien Knieschoner verwenden.
Lagerung
Trockenkleber in Sackware trocken und vor Feuchtigkeit geschützt lagern, angebrochene Säcke zügig verarbeiten. Fertigangemischter Kleber innerhalb der angegebenen offenen Zeit verwenden und nicht über längere Zeit stehen lassen.
Entsorgung
Ausgehärtete Kleberreste sind mineralischer Bauschutt. Werkzeugreinigungswasser absetzen lassen und den festen Schlamm als Bauschutt entsorgen, nicht in größeren Mengen in die Kanalisation geben.







