Der Blower-Door-Test misst, wie luftdicht die Gebäudehülle ist. Ein Gebläse in der Außentür erzeugt einen definierten Über- und Unterdruck, aus dem Luftvolumenstrom lässt sich die Leckagerate berechnen und die undichten Stellen lassen sich orten. Eine dichte Hülle verhindert Zugluft, Wärmeverluste und vor allem Tauwasser, das entsteht, wenn feuchte Raumluft durch Fugen in die Konstruktion strömt. Dieser Beitrag erklärt das Messverfahren nach DIN EN ISO 9972, die Grenzwerte n50 und q50, den richtigen Zeitpunkt und die Abgrenzung zu Winddichtheit und Dampfbremse.
Was ist der Blower-Door-Test?
Der Blower-Door-Test, korrekt Differenzdruck-Messverfahren, ist in DIN EN ISO 9972 geregelt, die die frühere DIN EN 13829 abgelöst hat. In einen Rahmen in der Außentür wird ein regelbares Gebläse eingespannt. Es fördert so viel Luft aus dem Haus, dass zwischen innen und außen ein Unterdruck von 50 Pascal entsteht – das entspricht etwa dem Winddruck bei Stärke 5. Der dabei nötige Volumenstrom entspricht genau der Luftmenge, die gleichzeitig durch alle Undichtheiten nachströmt. Die Messung wird bei Unterdruck und bei Überdruck über mehrere Druckstufen durchgeführt und gemittelt.
Die Messverfahren 1, 2 und 3
Die Norm kennt drei Verfahren. Verfahren 1 prüft das Gebäude im Nutzungszustand. Verfahren 2 prüft die Gebäudehülle und ist der Standard für den Nachweis nach Gebäudeenergiegesetz und für Förderprogramme: absichtliche Öffnungen wie Lüftungsdurchlässe und Abflüsse werden verschlossen oder abgedichtet. Verfahren 3 dient nur der Fehlersuche während der Bauphase. Für die Aussagekraft ist wichtig, welches Verfahren im Protokoll steht.
Die Kennzahlen n50 und q50
Der n50-Wert gibt an, wie oft pro Stunde das gesamte Raumluftvolumen bei 50 Pascal Druckdifferenz ausgetauscht wird, angegeben in 1/h. Das Gebäudeenergiegesetz verlangt für Gebäude ohne lüftungstechnische Anlage n50 ≤ 3,0 1/h und für Gebäude mit Anlage n50 ≤ 1,5 1/h. Das Passivhaus fordert n50 ≤ 0,6 1/h. Der neuere q50-Wert bezieht die Leckluftmenge auf die Hüllfläche statt auf das Volumen und beschreibt große und kleine Gebäude fairer; er wird in m³/(h·m²) angegeben.
Warum Luftdichtheit wichtig ist
Feuchteschutz der Konstruktion
Der wichtigste Grund für eine luftdichte Hülle ist der Feuchteschutz. Strömt 20 Grad warme Raumluft mit 50 Prozent Luftfeuchte durch eine Fuge in eine kalte Dämmschicht, kühlt sie ab und gibt Tauwasser ab. Durch eine nur einen Millimeter breite, einen Meter lange Fuge können über eine Heizperiode mehrere Hundert Milliliter Wasser in die Konstruktion gelangen – ein Vielfaches dessen, was durch Diffusion eindringt. Die Folge sind durchnässte Dämmung, Schimmel und im Holzbau Fäulnis.
Energie, Komfort und Schall
Undichtheiten verursachen je nach Ausgangszustand 10 bis 25 Prozent des Heizwärmebedarfs. Zugluft an Füßen und in Fensternähe senkt den Komfort auch bei ausreichend warmer Raumluft. Eine dichte Hülle verbessert außerdem den Schallschutz gegen Außenlärm und verringert das Eindringen von Radon aus dem Baugrund und von Gerüchen aus Nachbarbereichen.
Die luftdichte Ebene
Im Massivbau bildet der durchgehende Innenputz die luftdichte Ebene – auch hinter Vorwandinstallationen und Bad-Fliesenspiegeln, weshalb dort vor der Verkleidung geputzt wird. Im Holz- und Dachausbau übernimmt eine Dampfbremsbahn oder eine luftdicht verklebte Holzwerkstoffplatte diese Aufgabe. Entscheidend ist, dass die Ebene ohne Unterbrechung um das ganze beheizte Volumen läuft und an allen Anschlüssen, Stößen und Durchdringungen dauerhaft verklebt ist.
Ablauf und Leckageortung
Vorbereitung
Vor der Messung werden Fenster und Außentüren geschlossen, Innentüren geöffnet, Kaminöfen abgestellt und die Aschekläppchen zu, Siphons mit Wasser gefüllt und Lüftungsanlagen sowie Abluftventile für Verfahren 2 abgeklebt. Das Innenvolumen und die Hüllfläche werden aus den Plänen oder vor Ort ermittelt.
Messung
Das Gebläse fährt in Stufen von etwa 10 Pascal von rund 25 bis über 50 Pascal, zuerst im Unterdruck, dann im Überdruck. Aus den Wertepaaren von Druck und Volumenstrom errechnet die Software die Leckagekurve und daraus n50 und q50. Der natürliche Winddruck und Temperaturunterschied werden als Nullpunktmessung berücksichtigt; bei starkem Wind über etwa 6 Meter pro Sekunde ist keine normkonforme Messung möglich.
Undichte Stellen finden
Bei anstehendem Unterdruck strömt Außenluft durch die Lecks nach innen. Sie wird mit der Hand, einem Strömungsprüfgerät, einem Anemometer, künstlichem Nebel oder – bei kaltem Wetter – mit der Wärmebildkamera aufgespürt, weil die einströmende Kaltluft klare Muster auf den Innenoberflächen zeichnet. Typische Fundstellen sind Steckdosen in der Außenwand, der Wand-Dach-Anschluss, die Fensteranschlussfuge, Rollladenkästen, Durchdringungen von Leitungen und die Bodentreppe zum Spitzboden.
Der richtige Zeitpunkt
Sinnvoll sind zwei Messungen. Die Zwischenmessung erfolgt, sobald die luftdichte Ebene komplett, aber noch sichtbar ist – also bevor Installationsebene, Beplankung oder Estrich sie verdecken. Dann lassen sich Lecks noch günstig beheben. Die Schlussmessung nach Fertigstellung liefert den Nachweiswert für GEG und Förderung. Wer erst am fertigen Haus misst und durchfällt, muss Verkleidungen wieder öffnen.
Viele Leckagen sitzen an Wärmebrücken, dort wo Bauteile die Dichtebene durchstoßen. Findet die Messung vor dem Verkleiden statt, lassen sich offene Stöße an Dampfbremse und Dampfsperre noch nacharbeiten.
Abgrenzung zu ähnlichen Begriffen
Luftdichtheit vs. Winddichtheit
Die Luftdichtheit liegt auf der warmen Innenseite und verhindert, dass Raumluft in die Konstruktion strömt. Die Winddichtheit liegt auf der kalten Außenseite der Dämmung und verhindert, dass Wind die Dämmschicht durchströmt und auskühlt (Konvektion in der Dämmung). Beide Ebenen sind im Holzbau nötig; die Außenebene muss deutlich diffusionsoffener sein als die Innenebene.
Luftdichtheit vs. Dampfbremse
Eine Dampfbremse begrenzt den Feuchtetransport durch Diffusion – einen langsamen, molekularen Vorgang. Die Luftdichtheit stoppt den Feuchtetransport durch Strömung – der ist um ein Vielfaches größer. Oft übernimmt dieselbe Bahn beide Funktionen, aber eine Bahn kann diffusionshemmend und trotzdem an einer offenen Naht luftdurchlässig sein.
Blower-Door-Test vs. Thermografie
Die Thermografie zeigt Temperaturunterschiede auf Oberflächen und macht Wärmebrücken und fehlende Dämmung sichtbar. Der Blower-Door-Test quantifiziert die Luftmenge, die durch die Hülle geht. Beide werden oft kombiniert: Der Unterdruck der Blower-Door verstärkt die Kältespuren an Lecks so, dass die Wärmebildkamera sie eindeutig zeigt.
n50 vs. q50
Der n50-Wert bezieht die Leckluft auf das beheizte Volumen, der q50-Wert auf die Hüllfläche. Bei kompakten Einfamilienhäusern liegen beide nah beieinander. Bei großen, kompakten Gebäuden ist n50 günstiger, bei kleinen, zerklüfteten Gebäuden strenger. Neuere Regelwerke nennen zunehmend beide Werte.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Während der Messung darf kein Feuer brennen: Kaminöfen, raumluftabhängige Gasthermen und Dunstabzüge werden abgestellt, weil Unterdruck Abgase in den Raum ziehen kann. Bei Überdruckmessung wirbelt Staub aus Hohlräumen auf — bei Verdacht Atemschutz tragen.
Lagerung
Klebebänder und Dichtmassen kühl und trocken lagern, weil Kleber bei Hitze ausläuft und bei Frost nicht haftet. Dampfbremsbahnen stehend in der Verpackung, damit Rollenkanten und Klebeflächen sauber bleiben.
Entsorgung
Verschnitt von Dampfbrems- und Dichtbahnen ist Kunststoff- oder Baumischabfall. Leere Kartuschen sind Restabfall, Kartuschen mit größerem Restinhalt gehören zur Schadstoffsammlung. Ausgebaute Folien werden nicht wiederverwendet.







