Akustikputze verbinden Raumgestaltung mit Bauphysik – sie sehen aus wie normaler Putz, übernehmen aber gleichzeitig eine schallabsorbierende Funktion. Wird die falsche Farbe darüber gestrichen, kann diese Funktion allerdings komplett verloren gehen. Dieser Beitrag erklärt die akustische Messgröße hinter Akustikputz, wo er eingesetzt wird und worauf bei Verarbeitung und Nachbehandlung zu achten ist.
Was ist Akustikputz?
Akustikputz ist ein speziell poröser Putz, der durch seine offene, luftdurchlässige Struktur Schallwellen absorbiert statt sie zu reflektieren. Die Wirksamkeit wird als Schallabsorptionsgrad Alpha-w nach DIN EN ISO 11654 angegeben, ein Wert zwischen 0 (vollständige Reflexion) und 1 (vollständige Absorption) – typische Akustikputze erreichen bei ausreichender Schichtdicke Werte von 0,5 bis 0,8.
Wirkprinzip
Die feinen, offenporigen Kanäle im Putz wandeln einen Teil der Schallenergie durch Reibungsverluste der Luftmoleküle in Wärme um, statt sie zurückzuwerfen – das reduziert Nachhallzeit und verbessert die Sprachverständlichkeit in räumen mit harten, schallreflektierenden Oberflächen. Die Absorption ist frequenzabhängig und meist bei mittleren bis hohen Frequenzen (500–4000 Hz) am stärksten.
Wo Akustikputz eingesetzt wird
Büroräume und Grossraumbüros
In offenen Büroflächen reduziert Akustikputz die Nachhallzeit auf empfohlene Werte um 0,5–0,8 Sekunden (nach DIN 18041) und verbessert die Konzentrationsfähigkeit spürbar.
Schulungs- und vortragsräume
Reduzierter Nachhall verbessert die Sprachverständlichkeit erheblich, besonders in räumen mit hohen Decken oder viel Glasfläche.
Gastronomie und Restaurants
Auch in gastronomischen Bereichen wird Akustikputz zunehmend eingesetzt, um die Lautstärke bei voller Belegung angenehmer zu gestalten.
Wer statt eines Akustikputzes vorgefertigte Elemente bevorzugt, findet Alternativen in eigenen Beiträgen zu Deckenpaneelen mit Akustiklösungen und zu akustischen Wandpaneelen.
Richtige Verarbeitung
- Nur diffusionsoffene Farben verwenden: Sonst verschließen sich die offenen Poren, und der Alpha-w-Wert sinkt deutlich
- Herstellervorgabe zur Schichtdicke einhalten: Zu dünner Auftrag (unter der Mindestschichtdicke von meist 10–15 mm) reduziert den Absorptionsgrad deutlich
- Flächenplanung vorab prüfen: Der Absorptionsgrad hängt auch von der behandelten Flächengröße im Verhältnis zum Raumvolumen ab
- Vor Nachbehandlung testen: Musterfläche prüfen, bevor die gesamte Decke bearbeitet wird
Abgrenzung zu ähnlichen Systemen
Akustikputz vs. Mineralwolle-Dämmung
Mineralwolle (siehe Mineralwolle) erreicht bei ausreichender Dicke oft höhere Alpha-w-Werte (bis 1,0), ist aber optisch weniger ansprechend und wird meist hinter Verkleidungen verbaut, während Akustikputz als sichtbare, glatte Oberfläche dient.
Akustikputz vs. normaler Putz
Normaler Putz hat einen Alpha-w-Wert von oft unter 0,05 und reflektiert Schall fast vollständig – die poröse Struktur des Akustikputzes macht den entscheidenden Unterschied.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Beim Anmischen und Verarbeiten von mineralischem Akustikputz entsteht Staub – Staubmaske und Handschuhe tragen, da manche Produkte alkalisch reagieren (pH bis 12).
Lagerung
Trocken und vor Feuchtigkeit geschützt lagern, da mineralische Trockenprodukte bei Feuchtekontakt vorzeitig abbinden können.
Entsorgung
Ausgehärtete Putzreste über den Bauschutt, angemischte, noch flüssige Reste über die Schadstoffsammelstelle.







