Ableitfähigkeit entscheidet in bestimmten Gewerbe- und Industriebereichen darüber, ob ein Bodenbelag überhaupt zugelassen werden darf – etwa in explosionsgefährdeten Bereichen oder Rechenzentren. Dieser Beitrag erklärt die zugrundeliegende Norm, konkrete Widerstandswerte, wo Ableitfähigkeit relevant ist und worauf bei Pflege und Instandhaltung ableitfähiger Böden zu achten ist.
Was ist Ableitfähigkeit?
Ableitfähigkeit beschreibt die Fähigkeit eines Bodenbelags, elektrostatische Aufladung kontrolliert über den Untergrund abzuleiten, statt sie auf Personen oder Geräte zu übertragen. Sie wird nach DIN EN 61340-4-1 als Ableitwiderstand in Ohm gemessen – ableitfähige Böden liegen typischerweise im Bereich 10⁴ bis 10⁶ Ohm, isolierende Böden darüber, direkt leitfähige Böden (für besonders kritische ATEX-Anwendungen) darunter bei 10² bis 10⁴ Ohm.
Messverfahren
Die Prüfung erfolgt mit einer genormten Widerstandsmessung zwischen zwei definierten Elektroden nach der Verlegung, meist an mehreren Punkten der Fläche verteilt (mindestens 3 Messpunkte pro 100 m²). Herstellerangaben allein reichen für eine verlässliche Abnahme nicht aus – die tatsächliche Messung am fertig verlegten Boden ist entscheidend, da Verlegefehler oder ungeeigneter, nicht leitfähiger Kleber das Ergebnis um mehrere Zehnerpotenzen verschlechtern können.
Wo Ableitfähigkeit gefordert wird
Explosionsgefährdete Bereiche (ATEX-Zonen)
In Bereichen mit brennbaren Stoffen oder Gasen kann bereits eine kleine elektrostatische Entladung ab einigen Millijoule Energie einen zündfähigen Funken auslösen – ableitfähige Böden nach TRBS 2153 sind hier zwingend vorgeschrieben.
Elektronikfertigung und Rechenzentren
Empfindliche elektronische Bauteile können bereits durch Entladungen ab etwa 100 Volt beschädigt werden (weit unter der menschlichen Wahrnehmungsschwelle von rund 3000 Volt), weshalb ESD-Schutzböden (Electro-Static Discharge) nach EN 61340-5-1 hier Standard sind.
Operationssäle und medizinische Bereiche
Auch im medizinischen Bereich, insbesondere bei Einsatz brennbarer Narkosegase, ist Ableitfähigkeit nach DIN VDE 0100-710 sicherheitsrelevant vorgeschrieben.
Richtige Pflege ableitfähiger Böden
- Spezielle Reiniger verwenden: Normale Reiniger oder Wachse können einen isolierenden Film bilden, der den Widerstand um mehrere Zehnerpotenzen erhöht
- Regelmäßig nachmessen: Mindestens jährlich, da sich die Ableitfähigkeit über Jahre durch Abnutzung oder Verschmutzung verschlechtern kann
- Kein Wachs oder Polish: Diese Produkte isolieren die Oberfläche und heben die Ableitwirkung faktisch auf
- Fachgerechte Erdung prüfen: Der Boden muss korrekt mit dem Gebäudepotentialausgleich verbunden sein (Erdungswiderstand unter 10⁶ Ohm)
Abgrenzung zu ähnlichen Kennwerten
Ableitfähigkeit vs. Abriebsfestigkeit
Abriebsfestigkeit (siehe Abriebsfestigkeit) beschreibt die mechanische Widerstandsfähigkeit gegen Verschleiß, hat aber nichts mit der elektrischen Leitfähigkeit zu tun – beide Eigenschaften müssen bei der Bodenauswahl unabhängig betrachtet werden.
Ableitfähigkeit vs. Antistatik
Antistatische Böden reduzieren die Aufladung generell mit Widerständen bis 10⁹ Ohm, ohne notwendigerweise die strengeren, genormten Ableitwerte (10⁴–10⁶ Ohm) für ATEX-Zonen zu erfüllen – für sicherheitskritische Bereiche ist speziell zertifizierte Ableitfähigkeit erforderlich.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz bei der Verlegung
Ableitfähige Böden benötigen eine fachgerechte Erdungsanbindung an den Gebäudepotentialausgleich – diese Arbeiten sollten nur von qualifizierten Fachbetrieben ausgeführt werden, da eine fehlerhafte Installation die Schutzwirkung aufheben kann, ohne dass das optisch erkennbar wäre.
Lagerung von Verlegematerial
Leitfähige Kleber und Grundierungen entsprechend Herstellerangabe temperiert lagern, da Kälte oder Hitze die enthaltenen leitfähigen Additive (meist Kohlenstoff- oder Graphitpartikel) in ihrer Verteilung beeinträchtigen kann.
Entsorgung
Altböden mit leitfähigen Zusatzstoffen über den regulären Bauschutt entsorgen, sofern keine weiteren Schadstoffe (z. B. Asbest bei sehr alten Böden vor 1993) vorliegen.

Häufig gestellte Fragen
Welcher Widerstandsbereich gilt als ableitfähig?
Nach DIN EN 61340-4-1 typischerweise 10⁴ bis 10⁶ Ohm – direkt leitfähige Böden für besonders kritische ATEX-Anwendungen liegen darunter.
Kann ich einen ableitfähigen Boden mit normalem Reiniger pflegen?
Nein, normale Reiniger oder Wachse können einen isolierenden Film bilden und den Widerstand um mehrere Zehnerpotenzen erhöhen.
Wo ist Ableitfähigkeit gesetzlich vorgeschrieben?
Unter anderem in ATEX-Zonen nach TRBS 2153, in der Elektronikfertigung nach EN 61340-5-1 und in medizinischen Bereichen nach DIN VDE 0100-710.
Kann sich die Ableitfähigkeit mit der Zeit verschlechtern?
Ja, durch Abnutzung oder falsche Pflegemittel – mindestens jährliches Nachmessen ist in kritischen Bereichen ratsam.
Ist jeder antistatische Boden auch ableitfähig im Sinne der Norm?
Nicht zwingend – antistatische Böden erlauben Widerstände bis 10⁹ Ohm, während zertifizierte Ableitfähigkeit strenger auf 10⁴–10⁶ Ohm begrenzt ist.
Wer sollte ableitfähige Böden verlegen?
Nur qualifizierte Fachbetriebe, da die fachgerechte Erdungsanbindung an den Gebäudepotentialausgleich entscheidend für die tatsächliche Schutzwirkung ist.
Wie entsorge ich einen alten, ableitfähigen Bodenbelag?
Über den regulären Bauschutt, sofern keine zusätzlichen Schadstoffe wie Asbest bei Böden vor 1993 vorliegen.


