Schalldämmung bezeichnet alle Maßnahmen, die die Übertragung von Schall von einem Raum in den nächsten oder von außen nach innen verringern. Bei Luftschall (Sprache, Musik, Verkehr) entscheiden vor allem Masse und Dichtheit der Bauteile, bei Trittschall und Körperschall Entkopplung und Federung. Gemessen wird in Dezibel (dB) als Schalldämm-Maß R’w.
Was ist Schalldämmung?
Schall breitet sich als Druckschwankung in Luft und in festen Körpern aus. Wenn er auf eine Wand oder Decke trifft, wird ein Teil reflektiert, ein Teil absorbiert und ein Teil übertragen. Die Schalldämmung beschreibt, wie gut ein Bauteil die Übertragung verhindert. Sie ist von der Schallabsorption zu unterscheiden, die Schall im Raum dämpft und den Nachhall senkt. Eine Schaumstoffplatte an der Wand absorbiert, dämmt aber kaum.
Die Unterscheidung ist wichtig für jede Maßnahme: Wer den Nachbarn nicht hören möchte, braucht Schalldämmung. Wer den eigenen Raum weniger hallig machen will, braucht Schallabsorption, etwa durch Akustikputz oder Deckensegel.
Luftschall, Trittschall und Körperschall
Luftschall
Luftschall entsteht durch Sprache, Musik und Geräte und wird durch die Luft übertragen. Er trifft Wände und Decken und bringt sie zum Schwingen, wodurch auf der anderen Seite wieder Schall abgestrahlt wird. Je schwerer und dichter das Bauteil, desto geringer die Übertragung.
Trittschall
Trittschall entsteht, wenn Schritte, Stoßen oder fallende Gegenstände die Decke direkt anregen. Er wird vor allem durch schwimmende Estriche und weiche Bodenaufbauten bekämpft. Der Eintrag Trittschalldämmung erklärt Aufbau und Kennwerte im Detail.
Körperschall
Körperschall breitet sich in festen Bauteilen aus, etwa Rohrleitungen, Heizungen oder Aufzugsschienen. Er wird in angrenzenden Räumen als Brummen oder Rauschen wieder abgestrahlt. Abhilfe schaffen elastische Lagerungen, Entkopplungen und Schallschutzmanschetten an Leitungen.
Kennwerte und Normen
Das Bau-Schalldämm-Maß R’w beschreibt, wie viele Dezibel ein Bauteil im eingebauten Zustand dämmt. Je höher der Wert, desto besser. Der Apostroph kennzeichnet, dass auch Nebenwege wie flankierende Bauteile berücksichtigt werden. Für Trittschall gilt der Norm-Trittschallpegel L’n,w; hier ist ein niedriger Wert besser.
| Anwendungsfall | Anforderung (DIN 4109) | Erhöhter Schallschutz (Beiblatt) |
|---|---|---|
| Wohnungstrennwand im Mehrfamilienhaus | R’w mindestens 53 dB | R’w 56 dB und mehr |
| Reihenhaus-Trennwand | R’w mindestens 59 dB | R’w 63 dB und mehr |
| Wohnungstrenndecke, Trittschall | L’n,w höchstens 50 dB | L’n,w 46 dB und weniger |
DIN 4109 beschreibt Mindestanforderungen zum Schutz vor unzumutbaren Belästigungen. Für mehr Komfort gelten die Empfehlungen der VDI 4100, die in drei Schallschutzstufen eingeteilt ist. Wer ruhig wohnen möchte, sollte den erhöhten Schallschutz vereinbaren, denn die Mindestwerte lassen laute Sprache oft noch durchkommen.
Wirkprinzipien im Bauteilaufbau
Masse
Das Massegesetz besagt: Verdoppelt man die flächenbezogene Masse einer einschaligen Wand, verbessert sich die Dämmung um etwa 6 dB. Kalksandstein und Beton sind deshalb schalltechnisch günstiger als leichte Bauplatten. Dieses Prinzip erklärt, warum Altbauwände aus schwerem Ziegel oft besser dämmen als moderne Leichtbauwände.
Entkopplung und Masse-Feder-Masse
Bei zweischaligen Bauteilen wirken zwei Massen mit einer Feder dazwischen. Dieses Masse-Feder-Masse-System dämmt besonders bei hohen Frequenzen sehr gut, wenn die Schalen nicht starr gekoppelt sind. Eine freistehende Vorsatzschale oder eine Trockenbauwand mit getrenntem Ständerwerk arbeitet nach diesem Prinzip. In den Hohlraum gehört eine Mineralwolle-Einlage, die den Resonanzeffekt dämpft.
Dichtheit
Schall geht durch jede Öffnung. Eine undichte Tür, ein Spalt unter der Wohnungseingangstür oder offene Steckdosen reduzieren die Dämmung stark. Ein einziger Spalt von 1 Prozent der Fläche kann ein Bauteil von 50 dB auf 20 dB verschlechtern. Elastische Fugen mit Dichtstoffen und umlaufende Dichtungen sind deshalb Pflicht.
Schalldämmung bei Trockenbauwänden
Leichtbauwände erreichen hohe Dämmwerte, wenn der Aufbau stimmt. Entscheidend sind die Beplankung, der Abstand der Schalen und die Füllung. Eine Wand mit einfacher Gipskartonbeplankung auf beiden Seiten und Mineralwolle im Hohlraum erreicht etwa 45 bis 50 dB. Wird jede Seite doppelt beplankt, liegen die Werte bei 55 bis 60 dB. Ein getrenntes Doppelständerwerk, bei dem die beiden Seiten nicht verbunden sind, erreicht sogar über 65 dB und eignet sich für Heimkinos und Musikzimmer.
Bei der Montage müssen Anschlussfugen am Boden, an der Decke und an den Wänden elastisch abgedichtet werden. Direkt befestigte Profile ohne Trennstreifen übertragen Körperschall in die Rohbauteile. Mehr zu den Bauplatten steht unter Gipskartonplatten und Trockenbau. Für höhere Anforderungen kommen schwere Platten wie Gipsfaserplatten oder Spezialplatten mit Schallschutzkern zum Einsatz.
Raumakustik und Nachhall
Hallige Räume klingen laut und müde, auch wenn die Trennwände ausreichend dämmen. Hier hilft Schallabsorption: Akustikdecken, Teppiche, Vorhänge, Bilder aus Akustikschaum oder Akustikputz. Wie lange ein Raum nachhallt, wird als Nachhallzeit in Sekunden angegeben. In Wohnräumen sind 0,4 bis 0,6 Sekunden angenehm, in Besprechungsräumen deutlich weniger.
Absorber verbessern die Sprachverständlichkeit, verändern aber die Übertragung durch die Wand nur wenig. Beide Aufgaben sind getrennt zu lösen. Wer beides braucht, plant zuerst die Dämmung der Bauteile und danach die Raumakustik.
Typische Schwachstellen
Häufige Schwachstellen sind Schallbrücken. Dazu zählen Estrich, der Kontakt zur Wand hat, Trittschalldämmung ohne Randdämmstreifen, starre Befestigungen von Vorsatzschalen, Elektro-Unterputzdosen Gerät an Gerät und Rolladenkästen. Auch Fenster sind oft das schwächste Glied; Hinweise zum Einbau gibt der Eintrag Fenstermontage nach RAL.
Bei Holzbalkendecken und leichten Wänden können tiefe Frequenzen wie Schrittgeräusche oder Basstöne problematisch sein, obwohl der Einzahlwert gut aussieht. Hier helfen Zusatzmasse, abgehängte Decken mit elastischen Abhängern und entkoppelte Bodenaufbauten, wie sie unter Abgehängte Decke beschrieben sind.
Fenster, Türen und Öffnungen
Fenster haben deutlich weniger Masse als Wände und bestimmen oft die Außenlärmdämmung. Schallschutzfenster werden in Klassen von 1 bis 6 eingeteilt, wobei Klasse 3 (35 bis 39 dB) für stark befahrene Straßen gebräuchlich ist. Dichtungen, Verglasungsaufbau mit unterschiedlichen Scheibendicken und ein tiefer Scheibenzwischenraum steigern die Dämmung. Außerdem ist der Einbau entscheidend: Ein offener Spalt zwischen Rahmen und Wand macht die beste Verglasung zunichte.
Innentüren in Schlafzimmern oder Arbeitszimmern können mit umlaufenden Dichtungen und Absenkdichtungen verbessert werden. Eine Tür mit Vollspanplatte und Dichtung erreicht rund 30 dB, ein simples Hohlraumblatt nur etwa 15 bis 20 dB.
Nachrüsten im Bestand
In bestehenden Wohnungen ist die Verbesserung begrenzt, aber möglich. Eine zweite Beplankung aus Gipskarton mit Dichtmasse an den Rändern bringt rund 3 bis 6 dB. Eine freistehende Vorsatzschale mit Mineralwolle füllt Resonanzlücken und kann die Dämmung um 8 bis 15 dB steigern, kostet aber 6 bis 12 cm Raumtiefe. Bei der Decke hilft ein abgehängtes System mit Federbügeln und Mineralwolle.
Wichtig ist, nicht nur eine Seite zu betrachten. Wenn das flankierende Mauerwerk undicht ist oder die Rohre nicht entkoppelt sind, verpufft die Maßnahme. Vor größeren Umbauten sollte ein Bauakustiker die Wege beurteilen.







