Sumpfkalk: Herstellung, Eigenschaften und Verarbeitung

Sumpfkalk ist gelöschter Kalk, der unter Wasser gelagert wurde und dadurch zu einer geschmeidigen, körnigen Paste reift. Er ist das Bindemittel historischer Kalkfarben, Kalkputze und Kalkschlämmen und härtet über die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Luft. Dieser Beitrag erklärt die Herstellung, die Eigenschaften, die Verarbeitung und die Abgrenzung zu Kalkhydrat, Kalkfarbe und Kalkputz.

Was ist Sumpfkalk?

Sumpfkalk entsteht, wenn Branntkalk mit Wasser gelöscht wird und anschließend unter Wasser lagert. Bei der Löschung reagiert Calciumoxid zu Calciumhydroxid, wobei starke Wärme frei wird. Der Kalk steht danach nicht als trockenes Pulver, sondern als Paste vor, die mit Wasser abgedeckt gelagert wird. Die Wasserdecke verhindert, dass der Kalk an der Luft Kohlendioxid aufnimmt und vorzeitig carbonatisiert.

Herstellung aus Branntkalk

Branntkalk wird in einer Kalkgrube langsam mit Wasser übergossen und umgerührt. Die Mischung erwärmt sich stark, dickt auf und wird anschließend unter Wasser gelagert. Nach mehreren Monaten, oft nach Jahren, ist der Kalk fein genug, um als Farb- oder Putzbindemittel zu dienen.

Kalkkreislauf und Porengefüge

Kalk wird aus Kalkstein gebrannt, gelöscht und carbonatisiert am Bauwerk wieder zu Kalkstein. Dieser Kreislauf erklärt die Materialeigenschaften: Das Bindemittel wird nie völlig dicht, sondern bleibt ein mineralisches Gefüge mit Poren, das Wasser aufnehmen und wieder abgeben kann. Er dauert Jahrzehnte und ist nicht mit dem Abbinden eines Zements vergleichbar.

Eigenschaften

Sumpfkalk ist alkalisch, mit einem pH-Wert um 12 bis 13, was mikrobiellen Befall bremst. Er ist wasserdampfdurchlässig, kapillar aktiv und nimmt Feuchte auf und wieder ab. Nach dem Austrocknen carbonatisiert er zu Kalkstein; diese Reaktion läuft langsam und über Monate.

Kalkhydrat als trockene Alternative

Kalkhydrat wird als trockenes Weißkalkhydrat geliefert und ist kein Sumpfkalk, sondern eine pulverförmige Alternative. Aus gebranntem Kalk entstehen beide Formen: die Paste aus dem Löschen unter Wasser, das Pulver aus dem Trocknen des gelöschten Kalks. Kalkhydrat wird auf der Baustelle angesetzt und quillt dabei auf. In der Denkmalpflege wird häufig Sumpfkalk bevorzugt, weil er nach längerer Lagerung feiner ist und die Verarbeitung leichter fällt.

Wofür Sumpfkalk verwendet wird

Kalkfarbe anrühren

Kalkfarbe wird mit Sumpfkalk und Wasser angesetzt und mit Pigmenten abgetönt. Die Farbe deckt mineralisch und bleibt diffusionsoffen, sodass der Untergrund Feuchte abgeben kann.

Kalkputz und Schlämme

Kalkputz erhält Sumpfkalk als Bindemittel. Eine Kalkschlämme und Tünche wird dünnflüssig angesetzt und als streichfähige Schicht auf Kalkputz oder auf Sumpfkalkflächen aufgebracht.

Denkmalpflege und Altbau

Historische Putzflächen und Ausfachungen vertragen weiche, mineralische Bindemittel besser als Gips oder Zement. Der Kalk nimmt Feuchtigkeit auf und speichert sie, bis sie wieder abgegeben werden kann.

Außenflächen

Im Außenbereich wird Sumpfkalk für Putze und Schlämme verwendet, die der Witterung ausgesetzt sind. Voraussetzung sind ein mineralischer Untergrund, eine ausreichende Schichtdicke und ein Gefälle an horizontalen Flächen, damit Wasser abläuft statt einzuziehen.

Feuchtebelastete Räume

Weil Sumpfkalk alkalisch bleibt, bremst er Schimmelbefall. In Kellern und in unbeheizten Räumen wird er deshalb eingesetzt, allerdings nur in Verbindung mit einer Sanierung der Ursachen, nicht als Ersatz dafür. Eine kalkgestrichene Kellerwand nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie beim Lüften wieder ab.

Verarbeitung

Material ansetzen

Sumpfkalk wird aus der Lagerung entnommen und mit Wasser auf die nötige Konsistenz eingestellt. Für Farben wird stärker verdünnt, für Putze dicker angesetzt. Vor der Verarbeitung wird die Mischung durchgesiebt, damit keine groben Bestandteile in die Oberfläche kommen.

Werkzeuge und Ausrüstung

Für Kalkarbeiten werden ein Rührstab, ein Sieb, ein Quast oder eine Bürste und eine Glättkelle gebraucht; für größere Flächen kommen eine Kalkputzmaschine und ein Schwammbrett dazu. Werkzeuge aus Metall werden nach der Arbeit sofort gereinigt, weil Kalk sie angreift; Pinsel und Quast werden mit Wasser ausgewaschen, solange der Kalk feucht ist.

Untergrund vorbereiten

Der Untergrund wird von Staub und losen Teilen befreit und vorgenässt. Kalk braucht einen saugenden, mineralischen Untergrund; dichte Anstriche, Dispersionsfarben und Gipsflächen sind vorher zu entfernen oder mit einem Grundputz zu überdecken.

Auftragen

Kalk wird in dünnen Lagen oder als dünne Farbschicht aufgetragen. Beim Putz wird lagenweise gearbeitet, jede Lage abbinden gelassen und leicht aufgeraut. Beim Streichen werden zwei bis drei dünne Anstriche nass in nass oder mit Zwischentrocknung aufgebracht. Zu dicke Lagen reißen beim Trocknen, weil sich das Schwindmaß über die Schichtdicke aufbaut.

Trocknung und Aushärtung

Die Trocknung erfolgt langsam, ohne Zugluft und ohne direkte Sonne. Die Karbonatisierung läuft über Wochen und braucht Kohlendioxid aus der Luft; dichte Anstriche dürfen die Fläche während dieser Zeit nicht verschließen. Frische Kalkflächen sind empfindlich gegen Frost und gegen Schlagregen, weil das Bindemittel noch nicht carbonatisiert ist.

Abgrenzung zu verwandten Kalkprodukten

Sumpfkalk vs. Kalkhydrat

Das Kalkhydrat ist der trockene Weißkalk, der in Säcken geliefert und auf der Baustelle angesetzt wird. Sumpfkalk ist derselbe Stoff in gelagerter, pastöser Form. Beide sind mineralische Bindemittel, unterscheiden sich aber in Konsistenz und Verarbeitungsverhalten.

Sumpfkalk vs. Kalkfarbe

Kalkfarbe ist ein fertiges Anstrichmittel aus Kalk, Wasser und Pigmenten. Sumpfkalk ist das Bindemittel, aus dem sie unter anderem hergestellt wird. Wer Streichware kauft, bekommt eine eingestellte Mischung; wer Sumpfkalk kauft, stellt sie selbst ein.

Sumpfkalk vs. Kalkputz

Kalkputz ist der fertige Mörtel für die Wand, Sumpfkalk sein Bindemittel. Die Unterscheidung ist praktisch: Der Putz enthält Zuschläge wie Sand, die Farbe nicht.

Sumpfkalk vs. Zementmörtel

Zementmörtel ist härter, dichter und wasserfester als Kalkmörtel. Auf historischem Mauerwerk führt er dazu, dass Feuchtigkeit und Salz in die weicheren Steine wandern und sie sprengen. Der Kalk bleibt der weichere Baustoff und lässt dem Mauerwerk diesen Weg.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Sumpfkalk ist stark alkalisch und ätzt auf Haut und Schleimhäuten. Beim Umgang sind Handschuhe und eine Schutzbrille Pflicht; beim Streichen über Kopf gehört ein Augenschutz dazu. Kalkstaub reizt die Atemwege, deshalb wird beim Ansetzen auf staubarme Arbeitsweise geachtet.

Lagerung

Sumpfkalk lagert unter Wasser in dicht schließenden Gebinden oder in der Kalkgrube und darf nicht austrocknen, weil er dann verkrustet. Die Gebinde werden frostfrei und aufrecht gelagert; die Wasserdecke über dem Kalk wird regelmäßig erneuert. Größere Mengen werden in der Grube gelagert, kleinere in Fässern mit Deckel.

Entsorgung

Kalkreste sind mineralischer Bauabfall und können über den Bauschutt entsorgt werden. Kalkhaltiges Wasser wird nicht in den Abfluss gegeben, sondern gesammelt und über den Abwasserweg des Objekts entsorgt.

Sumpfkalk wird aus dem Gebinde angerührt

Häufig gestellte Fragen

Je länger, desto feiner und geschmeidiger wird die Paste. Üblich sind mindestens mehrere Monate; in der Denkmalpflege werden Chargen oft über Jahre gelagert.

Es ist derselbe Stoff in anderer Form. Sumpfkalk wird unter Wasser gelagert und pastös verarbeitet, Kalkhydrat trocken geliefert und angesetzt.

Nein. Kalk braucht einen mineralischen, saugenden Untergrund; auf Gips haftet er schlecht und die Materialien verhalten sich bei Feuchte unterschiedlich.

Nein. Er wird frostfrei gelagert und verarbeitet; Wasser in der Paste würde beim Gefrieren die Struktur sprengen.

Weil Calciumhydroxid basisch reagiert und erst durch die Karbonatisierung zu neutralem Kalkstein wird. Solange Kalk im Bindemittel vorliegt, ist die Oberfläche alkalisch.

Ja, mit geeigneten Handspritz- und Putzmaschinen. Die Mischung muss dafür passend eingestellt und gesiebt sein, damit die Düsen nicht verstopfen.

Mineralische Pigmente wie Erdfarben. Sie sind alkalibeständig und behalten im Kalk ihre Farbe; organische Pigmente können ausbleichen.

Er kann mit Kalkfarbe oder Kalkschlämme überstrichen werden. Dichte Farben und Lacke scheiden aus, weil sie die Diffusion unterbrechen.

So viel, dass die Paste geschmeidig bleibt und nicht trocken fällt. Die genauen Ansatzverhältnisse stehen in der Verarbeitungsanleitung des Herstellers.

Ja, im Außenbereich ist er seit Jahrhunderten im Einsatz. Voraussetzung sind ein mineralischer Untergrund, eine ausreichende Schichtdicke und ein handwerklich richtiger Aufbau.

Ähnliche Beiträge