Lehmputz

Lehmputz ist der älteste Innenputz überhaupt und wird heute wegen seiner Feuchteregulierung, seiner Wohnlichkeit und seiner vollständigen Rückbaubarkeit wieder viel eingesetzt. Dieser Beitrag erklärt, woraus Lehmputz besteht, wie er nur durch Trocknung abbindet, auf welchen Untergründen er hält, wie er ein- oder mehrlagig verarbeitet wird und wie er sich von Kalk- und Gipsputz unterscheidet.

Was ist Lehmputz?

Lehmputz ist ein Putzmörtel aus Ton als Bindemittel, Sand als Zuschlag und meist pflanzlichen Fasern (Stroh, Zellulose) zur Rissarmierung. Anders als Kalk oder Zement bindet Lehm nicht chemisch ab, sondern härtet rein physikalisch durch Verdunsten des Anmachwassers. Dadurch ist er jederzeit wieder mit Wasser aufweichbar und vollständig wiederverwertbar.

Lehmunterputz und Lehmoberputz

Lehmunterputz ist grob, faserreich und dient dem Flächenausgleich in 10 bis 20 mm; Lehmoberputz ist fein gesiebt für die 2 bis 5 mm starke Deckschicht. Farbige Edel- oder Designlehmputze bringen die endgültige Optik ohne zusätzlichen Anstrich. Ein dünnschichtiger Streich-Lehmputz liegt an der Grenze zur Lehmfarbe.

Eigenschaften und Einsatzbereiche

Feuchteregulierung

Lehmputz nimmt Luftfeuchte schnell auf und gibt sie wieder ab – stärker als jeder andere mineralische Putz. In Verbindung mit einem offenporigen Anstrich dämpft er Feuchtespitzen und unterstützt das Prinzip der atmenden Wand. Er wirkt ausgleichend auf die Luftfeuchte und kann so das Raumklima spürbar verbessern.

Weitere Vorteile und Grenzen

  • Vorteile: emissionsfrei, speichert Wärme, bindet Gerüche, ist unbrennbar und schafft eine warme, matte Oberfläche
  • Grenzen: nicht wasserfest, geringere Oberflächenhärte, empfindlich gegen stehende Nässe – kein Einsatz im Spritzwasserbereich und nicht im Außenbereich ohne konstruktiven Schutz

Typische Einsatzorte sind Wohn- und Schlafräume, Fachwerk-Innenwände, Gefache, Innendämmungen mit Lehmbauplatten und die Denkmalpflege.

Untergrund und Verarbeitung

Geeignete Untergründe

Lehmputz haftet auf Ziegel, Kalksandstein, Lehmsteinen, altem Kalkputz, Holzweichfaserplatten und speziellen Lehmbauplatten. Glatte oder wenig saugende Untergründe brauchen einen Spritzbewurf, ein Putzträgergewebe oder eine Grundierung mit Quarzzusatz. Auf Gipsputz und Beton ist besondere Vorbehandlung nötig.

Auftrag und Trocknung

Lehmputz wird angeworfen oder aufgezogen, abgezogen und je nach gewünschter Oberfläche gefilzt, abgerieben oder geschwämmt. Zwischen Unter- und Oberputz muss die erste Lage vollständig durchgetrocknet und ausgehärtet sein. Die Trocknung braucht viel Lüftung und dauert je nach Schichtdicke, Jahreszeit und Raumklima ein bis mehrere Wochen; bei zu schneller Trocknung können Schwundrisse entstehen, die aber durch Nachfilzen oder eine dünne zweite Lage geschlossen werden.

Armierung

An Materialübergängen, über Installationsschlitzen und in großen Flächen wird ein Jute- oder Glasfasergewebe in die obere Unterputzlage eingebettet, damit die typischen Trockenrisse des Lehms nicht durchschlagen (siehe Armierung).

Abgrenzung zu ähnlichen Putzen

Lehmputz vs. Kalkputz

Kalkputz ist alkalisch und dadurch schimmelhemmend, härtet durch Karbonatisierung und verträgt Spritzwasser besser. Lehmputz reguliert Feuchte stärker, ist wohnlicher und rückbaubar, dafür weicher und feuchteempfindlicher. In Küche, Flur und Keller ist Kalkputz robuster.

Lehmputz vs. Gipsputz

Gipsputz lässt sich schnell in einer dicken Lage glatt abziehen und ist sofort tragfähig, hat aber kaum Feuchtepufferung und ist nicht wiederverwertbar. Lehmputz braucht mehr Zeit und Handwerk, liefert dafür das bessere Raumklima.

Lehmputz vs. Lehmfarbe

Lehmfarbe ist eine dünne Beschichtung für bereits ebene Wände. Lehmputz ist die dickere, strukturgebende Schicht, die Unebenheiten ausgleicht und die volle Speicher- und Pufferwirkung mitbringt.

Sicherheit, Lagerung und Entsorgung

Arbeitsschutz

Lehmputz ist gesundheitlich unbedenklich und nicht alkalisch. Beim Anmischen von Trockenmörtel entsteht mineralischer Staub – hier FFP2-Maske tragen und für Belüftung sorgen. Handschuhe schonen die Haut bei längerer Arbeit im nassen Mörtel.

Lagerung

Trockener Lehmmörtel ist praktisch unbegrenzt haltbar, wenn er trocken lagert. Angemachter Lehmputz bleibt in geschlossenem Gebinde einige Tage verarbeitbar und kann bei Bedarf mit Wasser wieder aufgerührt werden.

Entsorgung

Reiner Lehmputz ohne Kunststoffzusätze ist unbelasteter mineralischer Abfall und kann als Bauschutt oder – in kleinen Mengen und faserfrei – im Garten verwertet werden. Faserhaltiger oder pigmentierter Putz gehört in den Bauschutt.

Erdbrauner Lehmputz wird an einer Innenwand aufgezogen

Häufig gestellte Fragen

Auf Wandflächen außerhalb des direkten Spritzwasserbereichs ja, dort profitiert das Bad von der Feuchtepufferung. Rund um Dusche und Wanne braucht es Abdichtung und Fliesen.

Nein. Farbiger Edellehmputz bleibt unbehandelt. Ein Anstrich mit Lehm-, Kalk- oder Silikatfarbe ist möglich, sollte aber diffusionsoffen sein, um den Vorteil nicht zu verschenken.

Schwundrisse durch zu schnelle Trocknung, zu fetten (tonreichen) Mörtel, zu dicke Lagen ohne Armierung oder fehlende Standzeit zwischen den Lagen. Meist lassen sie sich nachfilzen.

Er hält die Oberfläche durch seine Feuchtepufferung trockener und erschwert Schimmel. Eine bauliche Feuchteursache wie eine Wärmebrücke ersetzt das nicht.

In dünner Lage mit Grundierung und Armierungsgewebe ja. Für dickere Aufbauten sind Lehmbauplatten der passende Untergrund.

Je nach Schichtdicke, Lüftung und Jahreszeit ein bis mehrere Wochen pro Lage. Feuchte Raumluft und fehlende Lüftung verzögern den Vorgang deutlich.

Kleine Flächen und der Oberputz sind mit etwas Übung machbar, gerade weil Fehler durch Anfeuchten korrigierbar sind. Große, ebene Flächen und mehrlagige Aufbauten gelingen mit Fachbetrieb sicherer.

Das Material ist günstig, der höhere Preis entsteht durch den Handarbeitsanteil und die langen Standzeiten. Bei farbigem Edellehmputz spart man dafür den separaten Anstrich.

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