Risse im Altputz sind selten nur ein optisches Problem. Werden sie einfach überstrichen, brechen sie meist innerhalb weniger Monate wieder durch die neue Farbschicht. Kraftschlüssig verschlossen ist ein Riss erst, wenn er gefüllt und die Bewegung im Untergrund überbrückt ist.
Dieser Beitrag ordnet Rissarten und Rissbreiten ein, zeigt das Vorgehen beim kraftschlüssigen Verschließen und grenzt ab, wann ein elastischer Dichtstoff genügt. Die Klassifizierung folgt den technischen Fachregeln: BFS-Merkblatt Nr. 19 für Risse in Außenputzen, Beschichtungen und Armierungen, Nummer 19.1 für Risse in Mauerwerk und Gipskartonplatten sowie WTA-Merkblatt 2-4.
Kurzantwort
Ein Riss, der sich verändert, darf nicht starr geschlossen werden. Ein ruhender Riss wird geöffnet, mit Spachtelmasse gefüllt und mit Armierungsgewebe überbrückt; anschließend wird die Fläche geschliffen und beschichtet. Bei feinen, stabilen Haarrissen genügt ein Rissfüller oder ein rissüberbrückender Systemanstrich.
Die Risssanierung unterscheidet zwei Wege: die Einzelrisssanierung und die Flächeninstandsetzung. Welcher Weg richtig ist, entscheidet die Prüfung des Untergrunds, nicht die Rissbreite allein.
Rissarten und was sie bedeuten
| Risstyp | Ursache | Verhalten |
|---|---|---|
| Schwindriss | Austrocknung des Putzes | ruhend, meist fein und netzartig |
| Schrumpfriss | Schwund des Materials | ruhend bis leicht veränderlich |
| Setzungsriss | Bewegung des Bauwerks | veränderlich, oft treppenförmig |
| Kerbriss | Stoß- oder Lagerfugen im Putzträger | ruhend, aber wiederkehrend an derselben Stelle |
| Fugenriss | Bewegungen im Putzträger | veränderlich, abhängig von der Fuge |
| Deckenschubriss | Spannungen an Deckenanschlüssen | veränderlich |
| Haarrisse | oberflächliche Spannungen | ruhend, meist ohne technische Bedeutung |
Für die Praxis zählt die Einteilung in drei Gruppen: putzbedingte Risse liegen nur in der Putzschicht und sind meist ruhend. Putzgrundbedingte Risse, also Fugen- und Kerbrisse, gehen vom Putzträger aus. Bauwerksbedingte Risse entstehen aus Setzung und Bewegung des Gebäudes; sie verändern sich weiter und verlangen ein elastisches oder beweglich überbrückendes Verfahren.
Rissbreiten: wann ein Riss ein Mangel ist
Nicht jeder feine Riss ist ein Mangel. Nach den Fachregeln stellen Risse im Außenputz bis 0,1 Millimeter bei glatter Putzstruktur und bis 0,2 Millimeter bei Strukturputzen mit einer Körnung über 3 Millimeter keinen optischen Mangel dar. Saniert wird trotzdem, wenn die Rissflanken verschmutzt und dadurch sichtbar sind, wenn die technische Funktion eingeschränkt ist, wenn der Putzträger durchfeuchtet wird oder wenn eine weitere Ausweitung zu erwarten ist.
| Rissbreite | Bewertung | übliches Vorgehen |
|---|---|---|
| bis 0,1 mm, glatter Putz | kein optischer Mangel | Beobachtung, bei Bedarf rissüberbrückender Anstrich |
| bis 0,2 mm, Strukturputz | kein optischer Mangel | Beobachtung |
| 0,2 bis 0,5 mm | sichtbarer Mangel | auskratzen, füllen, Gewebeband einbetten |
| 0,5 bis 2 mm | Mangel, Bewegung prüfen | öffnen, Armierungsgewebe, spachteln, schleifen |
| über 2 mm | Instandsetzungsfall | Untergrund prüfen, Füllmörtel oder Flächeninstandsetzung |
| veränderlich, jede Breite | Bewegung vorhanden | elastisch überbrücken oder Systemanstrich |
Ruhender Riss oder Bewegung
Die entscheidende Frage lautet, ob sich der Riss nach der Sanierung weiter bewegt. Ruhende Risse lassen sich kraftschlüssig schließen: Sie werden gefüllt, und die Spannung wird über ein Gewebe verteilt. Bewegliche Risse werden elastisch überbrückt, weil ein starres Material dort erneut aufreißt.
Prüfhilfen für die Praxis:
- Verlauf und Verteilung ansehen: Treppenform, Netzwerk oder einzelne Linie.
- Rissflanken prüfen: Versatz parallel oder senkrecht zur Oberfläche, unterschiedliche Höhen.
- Alter und Umgebung berücksichtigen: Wiederkehrender Riss an derselben Stelle spricht für Bewegung.
- Feuchte ausschließen: Ein durchfeuchteter Putzträger wird zuerst trockengelegt, sonst kommt der Riss zurück.
- Im Zweifel beides kombinieren: Riss schließen und Fläche mit einem rissüberbrückenden System beschichten.
In sechs Schritten kraftschlüssig sanieren
- Riss öffnen: Riss mit einem Schaber oder einer Drahtbürste auskratzen, bis die Flanken fest und tragfähig sind. Feine Risse werden nur leicht geöffnet.
- Reinigen und entstauben: lose Putzteile, Staub und Altbeschichtungsreste entfernen. Sauger statt Besen, damit kein Staub in der Fuge bleibt.
- Vornässen: stark saugende Untergründe anfeuchten, damit die Spachtelmasse nicht zu schnell Wasser verliert.
- Vorspachteln: Riss mit Spachtelmasse füllen und abziehen, bei breiteren Rissen mit Füllmörtel arbeiten.
- Armieren: Armierungsgewebe in die frische Spachtelmasse einbetten und den Riss beidseitig um mehrere Zentimeter überdecken. Bei kurzen Rissen reicht ein selbstklebendes Glasfaserband.
- Deckschicht, Schleifen und Grundieren: Nach dem Trocknen eine dünne Deckschicht aufziehen, glatt schleifen und die Fläche grundieren, bevor gestrichen wird.
Der Übergang zur Umgebung muss nach dem Schleifen nicht mehr spürbar sein. Wird nur die Rissstelle gespachtelt und die Fläche nicht grundiert, zeichnet sich die Reparaturstelle später als Wolke ab, weil sie anders saugt als der Altputz.
Material und Werkzeug
| Material | Einsatz |
|---|---|
| Spachtelmasse, fein | Rissfüllung und Deckschicht |
| Füllmörtel | breite Risse und Fehlstellen |
| Armierungsgewebe als Rolle | lange Risse und Flächen |
| selbstklebendes Glasfaserband | kurze Risse und Anschlüsse |
| Putzgrund oder Tiefengrund | saugende Flächen vor dem Füllen und Streichen |
| Haftgrund | nicht saugende Reste und Altbeschichtungen |
| Schleifmittel, Körnung mittel bis fein | Übergang angleichen |
| Sauger | Staub aus dem geöffneten Riss |
Wann ein Dichtstoff genügt
Bei sehr feinen, stabilen Haarrissen ohne erkennbare Bewegung kann ein elastischer Acryl-Dichtstoff ausreichen. Zeigt sich der Riss wiederholt an derselben Stelle oder ist er breiter als etwa 0,5 Millimeter, ist die Armierung die zuverlässigere Lösung. Für Fugen an Anschlüssen und Kanten gilt dieselbe Abgrenzung wie beim Streichen: Acryl in den vorbereiteten Untergrund, danach überstreichen.
Für Flächen mit vielen feinen Rissen ist der Aufwand der Einzelsanierung zu hoch. Dort kommen rissüberbrückende Systemanstriche zum Einsatz, die eine begrenzte Rissbewegung über die Beschichtung aufnehmen; die Grundlagen stehen im Lexikoneintrag Rissüberbrückende Systemanstriche. Saugende und sandende Untergründe werden vorher mit Tiefengrund behandelt, siehe Lexikoneintrag Tiefengrund.
Was schiefgeht
| Fehler | Folge | Abhilfe |
|---|---|---|
| Riss nur überstrichen | Riss bricht nach Monaten wieder durch | öffnen, füllen, armieren |
| Riss nicht ausreichend geöffnet | Spachtel sitzt nur auf der Oberfläche | Riss bis auf tragfähigen Grund auskratzen |
| Staub im Riss | Spachtel haftet nicht | absaugen, nicht fegen |
| Gewebe zu schmal eingebettet | Spannung konzentriert sich am Rand | Riss beidseitig um mehrere Zentimeter überdecken |
| Gewebe trocken eingebettet | keine Verbindung zum Spachtel | Gewebe in frische Spachtelmasse einlegen und andrücken |
| Deckschicht zu dick | Schwindrisse in der Reparaturstelle | dünn aufziehen, in zwei Gängen arbeiten |
| Fläche nicht grundiert | Reparaturstelle zeichnet sich ab | nach dem Schleifen grundieren |
| beweglicher Riss starr geschlossen | Riss reißt erneut auf | elastisch überbrücken, Systemanstrich wählen |
| feuchter Untergrund | Salzausblühungen, Abplatzungen | Ursache klären, trocknen lassen |
Kosten
Die Materialkosten sind bei kleinen Reparaturen gering, die Arbeitszeit macht den Aufwand aus.
| Position | Preis |
|---|---|
| selbstklebendes Glasfaserband, 15 cm × 20 m | rund 10 Euro |
| Armierungsgewebe als Rolle, 50 Quadratmeter | rund 40 bis 54 Euro |
| Spachtelmasse, 7 kg | rund 21 Euro |
| Fertigspachtel, 25 kg | rund 37 Euro |
| Putzgrund, 8 kg | rund 72 Euro |
| Haftgrund, 1 Liter | rund 7,50 Euro |
Für die Arbeitszeit gilt eine offen gelegte Rechnung: Ein einzelner Riss bis zwei Meter Länge ist in 20 bis 30 Minuten geöffnet, gefüllt, armiert und glatt gezogen, das Schleifen und Grundieren kommt nach der Trocknung hinzu. Bei einem Stundensatz von 50 bis 80 Euro liegt die Einzelsanierung damit bei 30 bis 60 Euro Arbeitszeit. Eine Fläche mit vielen feinen Rissen wird über die Fläche gerechnet, nicht über den einzelnen Riss. Das ist eine Rechnung, keine Preisliste.

Häufige Fragen
Fazit
Risse im Altputz werden nicht gestrichen, sondern saniert: Riss klassifizieren, öffnen, reinigen, füllen, armieren, schleifen und grundieren. Ruhende Risse lassen sich kraftschlüssig schließen, bewegliche verlangen ein elastisches oder rissüberbrückendes Verfahren. Wer die Ursache klärt, bevor er Material einkauft, spart den zweiten Anstrich. Für großflächige Schäden lohnt der Vergleich mit einer Flächensanierung, den der Beitrag Putz-Sanierung oder Wärmedämmung rechnet.






