Alten Kitt nehmen Sie mit Kittmesser und Ziehklinge vollständig heraus, reinigen den Glasfalz und ziehen neuen Kitt als gleichmäßige Fase ein. Klassischer Leinölkitt braucht vier bis sechs Wochen bis zum Überstreichen, elastischer Dichtstoff aus der Kartusche ist nach der Hautbildung überstreichbar. Grundlagen zu beiden Werkstoffen im Lexikon unter Kitt Fensterkitt.
Wann Kitt erneuert werden muss
Die Kittfase ist die Wetterschicht über dem Glasfalz. Solange sie geschlossen ist, hält sie Regen, Spritzwasser und Zugluft vom Holz fern. Sobald sie reißt oder sich vom Glas beziehungsweise vom Rahmen ablöst, zieht Wasser in das Kittbett und in den Falz. Was dann passiert, beschreibt der Hersteller Kreidezeit in seiner Produktinformation: An ungeschützten Stellen kann Wasser eindringen und Anstriche und Holz zerstören. Damit ist die Kittfase kein optisches Detail, sondern die erste Schadstelle am alten Holzfenster.
Kontrollieren Sie die Fase zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst. Drücken Sie mit dem Daumen darauf und heben Sie sie mit dem Kittmesser leicht an. Eine Erneuerung ist fällig, wenn
- die Fase rissig ist oder unter dem Daumen bröselt,
- sich der Kitt randseitig vom Glas oder vom Rahmen gelöst hat,
- Wasser hinter dem Kitt steht oder die Kittfläche schwarz anläuft,
- die Fase über die Lichtkante des Glases vorsteht, sodass Wasser nicht ablaufen kann.
Nachschmieren hilft nicht. Ein einzelner Riss lässt sich nicht dauerhaft schließen, weil eine Kittfase nur als durchgehender Streifen bis in die Rahmenecken dicht hält.
Leinölkitt oder elastischer Dichtstoff
Der klassische Fensterkitt ist eine Mischung aus Kreide und Leinöl. Die Produktinformation von Kreidezeit nennt Kreide und Leinölfirnis als Zusammensetzung und eine Dichte von 2,25 kg/l, das Datenblatt von KAWO Leinölkitt ca. 2,0 g/cm³, das Merkblatt von Pufas Leinöl und Rügener Naturkreide. Der Kitt trocknet nicht durch Verdunsten eines Lösemittels, sondern härtet durch Oxidation: Er braucht Sauerstoff aus der Luft. Deshalb weisen Baufan, Kreidezeit und Pufas übereinstimmend darauf hin, dass Doppelfenster nach dem Verkitten nicht sofort wieder zusammengebaut werden dürfen. Was den Werkstoff im Einzelnen ausmacht, steht im Lexikon unter Leinölkitt.
Für die Praxis folgt daraus der wichtigste Punkt dieser Anleitung: Der Kitt bleibt über Wochen plastisch und ist in dieser Zeit nicht witterungsbeständig. KAWO formuliert es im Datenblatt deutlich, der Kitt müsse wegen seiner nicht witterungsstabilen Oberfläche durch eine Beschichtung geschützt werden, frühestens nach der Hautbildung, spätestens nach vier bis acht Wochen. Pufas gibt eine Abbindezeit von vier bis sechs Wochen an, Baufan ebenfalls vier bis sechs Wochen, Kreidezeit nennt wie KAWO vier bis acht Wochen. Die Spanne von vier bis acht Wochen ergibt sich aus Temperatur, Luftfeuchte und Sauerstoffzutritt am Einbauort. Verarbeitet wird nicht unterhalb von 5 °C, Baufan nennt diese Grenze ausdrücklich.
Elastische Dichtstoffe im Glasfalz sind keine Ölkitte, sondern fertig vernetzende Dichtmassen aus der Kartusche. KAWO Elastokitt ist laut Produktdatenblatt ein elastischer Einkomponentendichtkitt auf Basis modifizierter Siloxanharze mit einer Dichte von ca. 1,2 g/cm³ und einer Shore-A-Härte von ca. 40. Er härtet unter dem Einfluss der Luftfeuchtigkeit aus, die Hautbildung liegt bei etwa 30 Minuten, die Durchhärtung bei etwa 3 mm pro Tag. Anwendungsgebiet sind historische Holz-, Stahl- und Betonfenster mit dem optischen Erscheinungsbild der freiliegenden Kittfase sowie Reparaturverglasungen von Einfachscheiben und dünnen Isolier- und Vakuumgläsern.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist Elastokitt laut Datenblatt nicht mit wässrigen Lacken und Lasuren überstreichbar, die Freigabe zum Überstreichen gilt für Anwendungen nach DIN 18545 A und B. Zweitens ist er nicht für die Innenseite von Verbundfenstern und andere geschlossene Systeme geeignet, weil die eingeschlossene Feuchte die Scheibe beschlagen lässt. Für diese Einbausituation nennt der Hersteller Alternativen aus seinem Programm.
Wer nur eine einzelne Scheibe neu setzt und keine Kartusche kaufen will, bleibt beim Ölkitt. Wer mehrere Fenster in kurzer Zeit bearbeitet, fährt mit dem elastischen Dichtstoff deutlich schneller, weil die Wartezeit bis zum Anstrich von Wochen auf Stunden bis wenige Tage schrumpft.
| Merkmal | Leinölkitt (Glaserkitt) | Elastischer Dichtstoff (Kartusche) |
|---|---|---|
| Grundlage | Kreide (Calciumcarbonat) und Leinölfirnis | modifizierte Siloxanharze (KAWO Elastokitt) |
| Aushärtung | Oxidation, Sauerstoffzutritt erforderlich | Luftfeuchtigkeit |
| Zeit bis zum Überstreichen | frühestens nach Hautbildung, spätestens nach 4 bis 8 Wochen | nach Hautbildung; Elastokitt: ca. 30 Minuten bis zur Hautbildung, Durchhärtung ca. 3 mm pro Tag |
| Normbezug | DIN 18545 A, RAL 849 B/2 | DIN 18545 A und B |
| Typischer Einsatz | Einfachverglasung mit freiliegender Kittfase, Denkmalpflege | Reparaturverglasung, Einfachscheiben, dünne Isolier- und Vakuumgläser |
| Verarbeitung | durchwalken, in den Falz drücken, mit dem Kittmesser abziehen | Kartusche: Kittvorlage in den Falzgrund, Scheibe einlegen, Fase ausbilden |
| Anstrich | Hersteller empfehlen eine elastische, wetterfeste Farbe; bei Acryllacken Vorversuche | nur nach Herstellerfreigabe; wässrige Lacke und Lasuren ausgeschlossen |
| Preis | ca. 7,74 Euro je 500 g (Produktdaten, Stand 15.09.2026) | 11,05 Euro je 310 ml (Produktdaten, Stand 15.09.2026) |
Werkzeug und Material
Das Werkzeug für die Kittarbeit ist einfach, aber es kommt auf den Zustand an. Ein Kittmesser mit polierter, gratfreier Klinge ist keine Kür: Nach dem IVD-Merkblatt Nr. 42 entsteht eine gleichmäßige Hautbildung des Kitts nur bei einer mit dem polierten Kittmesser geglätteten Oberfläche; kleine Unebenheiten erzeugen ungleichmäßige Häute, und genau dort setzt später der erste Riss an.
- Kittmesser, Klingenlänge ca. 8,5 cm, zum Einziehen und Glätten der Fase
- Ziehklinge, kleiner Stechbeitel oder stabiler Schraubendreher, um den alten Kitt aus dem Falzgrund zu nehmen
- Kittspachtel oder Holzspatel zum Nacharbeiten der Dreieckfase
- Kartuschenpresse, wenn Sie mit elastischem Dichtstoff arbeiten
- Abklebeband, um die Randzone der Fase sauber zu halten
- Leinölfirnis oder Halböl als dünne Vorbehandlung roher Holzfalze
- feines Schleifpapier und ein Handfeger oder Pinsel zum Ausbürsten des Falzes
- Putzlappen und Handschuhe
Verbrauch: Kreidezeit gibt 100 bis 150 g Leinölkitt je laufenden Meter Kittfalz an, bei einer Schenkelbreite der Kittfalz bis 15 × 10 mm. Ein Fenster mit vier Scheibenkanten von je etwa einem Meter kommt damit rechnerisch auf rund 400 bis 600 g Kitt. Diese Zahl ist eine Verbrauchsangabe des Herstellers, keine Vorgabe für die Fasengeometrie.
Zur Werkzeugreinigung gibt es unterschiedliche Herstellerangaben: Kreidezeit empfiehlt, das Kittmesser sofort nach Gebrauch mit einem trockenen Putzlappen abzureiben, Pufas dagegen die Arbeitsgeräte sofort mit Wasser zu reinigen. Folgen Sie der Angabe auf dem Gebinde, das Sie verwenden.
Der alte Kitt kommt heraus
Nehmen Sie die Fase vollständig heraus, nicht nur oberflächlich. Alte Kittreste im Falzgrund sind die häufigste Ursache dafür, dass die neue Fase sich wieder löst, weil sie keine Haftung zum Holz bekommt. Arbeiten Sie in dieser Reihenfolge:
- Decken Sie die Glasscheibe und die angrenzenden Rahmenflächen ab, damit abplatzende Kittstücke keine Kratzer hinterlassen.
- Setzen Sie die Ziehklinge mit flachem Winkel an der Außenkante der Fase an und hebeln Sie den Kitt in Bahnen ab. Am Glas entlang arbeiten Sie mit dem Kittmesser, am Holz mit kurzen Zügen zur Fase hin.
- Nehmen Sie den Kitt aus dem Falzgrund vollständig heraus. Der Falz muss bis auf das Holz frei und sauber sein.
- Erwärmen Sie festsitzende Kittreste vorsichtig, wenn sie sich mechanisch nicht lösen. Bei Fenstern, die vor 1990 gekittet wurden, ist Vorsicht geboten: In Ratgeberquellen wird darauf hingewiesen, dass dem Kitt früher teils Asbestfasern beigemischt wurden. Vor Arbeiten mit Wärme oder Staubentwicklung an solchen Fenstern muss das geklärt sein.
- Bürsten Sie den Falz aus, schleifen Sie ihn leicht an und entfernen Sie Staub und Fettrückstände. Nach Baufan müssen die Haftflächen trocken, tragfähig und frei von Trennmitteln sein, schlecht haftende Anstriche sind zu entfernen.
- Prüfen Sie das Holz. Das IVD-Merkblatt Nr. 42 nennt für das Substrat eine Holzfeuchte von 13 ± 2 % und verlangt, dass das Holz kein Leinöl aus dem Kitt aufnehmen kann. Weiche, morsche Stellen gehören vor dem Verkitten ausgetauscht, sonst wandert die Bewegung direkt in die Kittfase.
- Behandeln Sie rohe Holzfalze dünn mit Leinölfirnis oder Halböl und lassen Sie das Öl durchtrocknen. Die Grundierung darf die Poren nicht verschließen. KAWO verlangt ausdrücklich, vor der Verkittung nicht filmbildend zu grundieren, Pufas warnt davor, so dick zu grundieren, dass das Holz keine Haftung mehr aufnimmt.
Sind größere Rahmenpartien weich oder ausgebrochen, gehört zuerst der Holzschutz in Ordnung gebracht. Was dabei zu beachten ist, steht im Lexikon unter Holzschutz.
Neuen Kitt einziehen
Beim Einziehen entscheidet sich, ob die Fase die nächsten Jahre hält. Die Oberfläche muss gleichmäßig sein, die Fase überall die gleiche Dicke haben und an den Rahmenecken auf Gehrung abgestrichen sein. Nach dem IVD-Merkblatt Nr. 42 darf die Dichtstofffase nicht über die Lichtkante vorstehen, damit Wasser ablaufen kann.
- Prüfen Sie vor dem Verkitten die Klotzung der Scheibe. Das IVD-Merkblatt Nr. 42 verlangt, dass die Befestigungsmittel von dem Dichtstoff mindestens 2 mm überdeckt werden, einen Abstand von 5 cm bis 10 cm zu den Ecken haben und untereinander höchstens 35 cm auseinanderliegen.
- Walken Sie Leinölkitt vor der Verarbeitung gründlich durch, bis die Masse geschmeidig ist.
- Drücken Sie den Kitt vollsatt und blasenfrei in den Falz. Das IVD-Merkblatt Nr. 42 fordert ausdrücklich eine vollsatte und blasenfreie Einbringung, die kein Wasser stehen lässt.
- Ziehen Sie mit dem Kittmesser eine gleichmäßige Dreieckfase. Arbeiten Sie in einem Zug über die ganze Scheibenkante, nicht in kurzen Stücken.
- Glätten Sie die Oberfläche mit dem polierten Kittmesser. Dieser Schritt ist nach dem Merkblatt für eine glatte Oberfläche und eine gleichmäßige Hautbildung entscheidend.
- Streichen Sie die Fase an den Rahmenecken auf Gehrung ab und nehmen Sie Überstände auf dem Glas sofort ab. Bei einer Scheibe mit Kitt über der Lichtkante läuft Regenwasser nicht ab, sondern bleibt am Kitt stehen.
Arbeiten Sie mit elastischem Dichtstoff aus der Kartusche, ändert sich die Reihenfolge: Laut KAWO-Datenblatt spritzen Sie zuerst eine ausreichende Menge Kittvorlage in den Falzgrund, drücken die Scheibe hinein, sichern sie mechanisch und tragen dann mit der Kartuschenpistole Dichtmasse mit leichtem Überschuss auf. Die Dreieckfase bilden Sie anschließend mit einem Holzspachtel aus. Eine dünne Verteilung des Materials in der Randzone beim Abziehen ist zu vermeiden, notfalls kleben Sie die Randzone ab. Glättmittel beeinträchtigt nach Herstellerangabe die Überstreichbarkeit, deshalb sollte überschüssiges Wasser nach dem Glätten entfernt werden.
Aushärten und Anstrich
Ohne Anstrich hält keine Kittfase. KAWO schreibt, der Kitt sei wegen seiner nicht witterungsstabilen Oberfläche unbedingt durch eine Beschichtung zu schützen. Zugleich darf der Anstrich nicht zu früh kommen: Die Hautbildung muss abgeschlossen sein, sonst löst der Lack die Kitthaut an. Kreidezeit nennt als Folge eines zu frühen Anstrichs ausdrücklich Runzelbildung.
Prüfen Sie die Haut deshalb mit dem Finger. Nach dem IVD-Merkblatt Nr. 42 ist die Hautbildung eingetreten, sobald eine vollständig trockene Oberfläche entstanden ist. Erst dann streichen Sie, und zwar spätestens nach acht Wochen. Bei den Herstellern liegen die Zeitfenster bei vier bis sechs Wochen (Pufas, Baufan) beziehungsweise vier bis acht Wochen (KAWO, Kreidezeit).
Für den Anstrich selbst gilt:
- mindestens zwei Anstriche mit dem Decklack, nach KAWO ohne Grundierung auf der Kittfase
- der Lack wird überlappend auf die Glasscheibe gezogen, damit die Fuge zwischen Kitt und Glas abgedeckt ist
- die Farbe muss wetterfest und elastisch bleiben, weil die Fase arbeitet
- bei Acryllacken empfiehlt Pufas in jedem Fall Vorversuche
Bei Leinölkitt nennt KAWO Alkydharzlacke als geeignet, besonders elastische Hochglanzlacke, und weist darauf hin, dass sich bei wasserverdünnbaren Produkten Einschränkungen ergeben. Prüfen Sie die Kombination aus Kitt und Lack deshalb immer auf einer kleinen Fläche am Fensterrand, bevor Sie die ganze Fase streichen.
Der Anstrich der Kittfase ist nur ein Baustein am Fenster. Wie Sie Rahmen, Flügel und Falz im Ganzen aufbauen, behandelt der Ratgeber Fensterrahmen aus Holz streichen und instand setzen. Dieser Text beschränkt sich auf den Glasfalz und die Kittfase.
Warum Kitt wieder aufreißt
Wenn eine Fase nach dem ersten Winter wieder Risse zeigt, liegt es fast nie am Material, sondern an der Ausführung oder am Untergrund. Die belegten Ursachen:
- Der Kitt wurde zu früh überstrichen. Die Kitthaut war noch nicht tragfähig, der Lack hat sie angelöst; Kreidezeit nennt Runzelbildung als Folge.
- Die Fase wurde ohne Anstrich gelassen. Der Kitt ist nicht witterungsstabil und versprödet an der Oberfläche; reißen die Stellen, dringt nach Kreidezeit Wasser ein und zerstört Anstrich und Holz.
- Der Falz war nicht sauber oder das Holz zu feucht. Nach dem IVD-Merkblatt Nr. 42 muss die Holzfeuchte im Bereich von 13 ± 2 % liegen und das Substrat darf kein Leinöl aus dem Kitt aufnehmen.
- Der Holzfalz war filmbildend grundiert. Dann findet der Kitt keine Haftung zum Holz, und die Fase liegt nur auf.
- Die Fase ist in der Randzone zu dünn. KAWO warnt ausdrücklich vor dünner Verteilung des Materials beim Abziehen.
- Die Oberfläche ist uneben. Nach dem IVD-Merkblatt Nr. 42 entstehen ungleichmäßige Hauthäute durch kleine Unterschiede in der Kittoberfläche, und dort beginnt der Riss.
- Die Fase steht über die Lichtkante vor. Wasser läuft nicht ab, sondern bleibt am Kitt stehen.
- Die Fenster wurden bei zu hoher Temperatur gekittet. Das IVD-Merkblatt Nr. 42 empfiehlt, die Verarbeitung über 30 °C zu vermeiden, weil sich sonst Öl aus dem Kitt absondert.
Dazu kommt die Beanspruchung durch die Lage. Das IVD-Merkblatt Nr. 42 unterscheidet gemäßigte Lagen an Nordseiten, strenge an Ostseiten und extreme an Süd-, Südwest- und Westseiten. An der Wetterseite arbeitet die Fase stärker, dort ist mit kürzeren Wartungsintervallen zu rechnen. Bei Leinölfarben empfiehlt das Merkblatt eine Wartungslackierung alle ein bis zwei Jahre.
Die folgende Übersicht stellt die häufigsten Fehler, ihre Folgen und die Abhilfe zusammen.
| Fehler | Folge | Abhilfe |
|---|---|---|
| Alter Kitt nur oberflächlich abgekratzt | neue Fase haftet nicht, sie löst sich randseitig | Fase vollständig bis auf das Holz ausnehmen, Falz ausbürsten |
| Auf feuchtes oder verschmutztes Holz gekittet | keine Haftung, Wasser arbeitet hinter der Fase | Haftflächen trocken, tragfähig und frei von Trennmitteln, Holzfeuchte 13 ± 2 % |
| Filmbildend grundiert | Kitt findet keinen Kontakt zum Holz, Fase schwimmt auf | nur dünn ölen, Poren nicht verschließen |
| Fase ungleichmäßig oder in der Randzone dünn ausgezogen | Randzone reißt zuerst | Fase gleichmäßig als Dreieck ausbilden, Randzone abkleben |
| Vor der Hautbildung überstrichen | Runzelbildung im Lack, ungleichmäßige Haut | trockene Oberfläche abwarten, spätestens nach acht Wochen streichen |
| Gar nicht überstrichen | Kitt versprödet, Wasser dringt ein und zerstört Anstrich und Holz | Decklack überlappend auf die Fase bis auf das Glas |
| Fase steht über der Lichtkante | Wasser läuft nicht ab und bleibt am Kitt stehen | Fase unter der Lichtkante halten, Ecken auf Gehrung abstreichen |
| Doppelfenster sofort wieder geschlossen | kein Sauerstoffzutritt, der Kitt bindet nicht ab | Fenster nach dem Verkitten offen belassen |
| Kitt bei über 30 °C verarbeitet | Öl sondert sich ab, Kitt wird weich und klebrig | bei gemäßigten Temperaturen kittten |
Was den Aufwand bestimmt
Der Arbeitsumfang hängt an wenigen Größen. Planen Sie deshalb, bevor Sie das erste Kittmesser ansetzen:
- Zahl der Fenster und Zahl der Scheibenkanten. Jede Kante wird einzeln gezogen, gerechnet wird in laufenden Metern Kittfalz.
- Zustand des Rahmens. Ist nur die Fase hin, bleibt es bei der Kittarbeit. Sind Holzteile weich, kommt Holzschutz und Anstrich hinzu.
- Zustand des Anstrichs. Muss der Decklack ohnehin neu, lohnt es sich, beide Arbeiten in einem Zug zu erledigen.
- Materialwahl. Leinölkitt bedeutet vier bis acht Wochen Wartezeit bis zum Anstrich, elastischer Dichtstoff ist nach der Hautbildung überstreichbar.
- Lage der Fenster. Süd-, Südwest- und Westseiten sind laut IVD-Merkblatt Nr. 42 extrem beansprucht und verlangen kürzere Wartungsintervalle.
- Zugänglichkeit. Fenster im Obergeschoss kosten Gerüst oder Leiterarbeit zusätzlich.
- Ort der Ausführung. Das IVD-Merkblatt Nr. 42 nennt für die Sanierung die Werkstatt als beste Wahl, weil dort kontrollierbare Bedingungen herrschen und Regen sowie Sommertemperaturen an der Wetterseite entfallen.
Als Orientierung für die Vergabe: Das Fachportal glas.de nennt 60 bis 70 Euro pro Standardfenster bei etwa einer Stunde Zeitbedarf, überwiegend Arbeitslohn, das Kittmaterial koste nur wenige Euro (Stand 09.05.2023). Eigene regionale Preise ersetzen diesen Richtwert.
Fazit
Eine Kittfase hält, wenn vier Dinge zusammenpassen: sauberer, trockener Falz, dünne nicht filmbildende Vorbehandlung, gleichmäßige Dreieckfase unter der Lichtkante und ein Anstrich, der erst nach abgeschlossener Hautbildung aufgetragen wird. Wer diese Reihenfolge einhält, kommt mit vier bis acht Wochen Wartezeit aus und muss die Fase nicht nach einem Winter erneut ausnehmen. Wer schneller arbeiten will, nimmt elastischen Dichtstoff aus der Kartusche und prüft vorab, ob der geplante Decklack dazu freigegeben ist. Am alten Holzfenster bleibt die Kittfase die günstigste Versicherung gegen Feuchteschäden im Falz.







