Ein Airless-Spritzgerät trägt Farbe ohne Druckluft auf: Eine Pumpe presst das Material mit bis zu 250 bar durch eine kleine Düsenöffnung, die es allein durch den Druck zerstäubt. Das Verfahren ist für große Flächen gebaut und trägt Dispersionsfarben, Fassadenfarben und dünne Spachtelmassen in einem Zug auf.
Dieser Beitrag ordnet die Geräteklassen ein, erklärt Düse, Druck und Fördermenge und nennt die Grenzen des Verfahrens. Wie das Verfahren technisch arbeitet — Zerstäubung, Druckbereiche, Düsencode und Injektionsgefahr — steht im Grundlagenbeitrag Airless-Spritzverfahren. Preise und Bewertungen stammen aus den Produktdaten, Stand 12.09.2026.
Was ein Airless-Gerät leistet
Anders als bei luftgestützten Verfahren wird das Material nicht mit Druckluft vernebelt. Eine Kolben- oder Membranpumpe baut hydraulischen Druck auf und drückt die Farbe durch die Düse. Vorteile: hohe Flächenleistung, gleichmäßiger Auftrag, keine Verdünnung bei Dispersionsfarben. Nachteile: Rüstzeit für das Abdecken, Sprühnebel und ein Reinigungsaufwand, der nicht unterschätzt werden darf.
Airless rechnet sich über die Fläche. Ab etwa 100 Quadratmetern am Stück ist es schneller als Walze oder Pinsel, und die Gleichmäßigkeit ist bei großen Flächen besser. Für eine einzelne Wand bleibt die Rolle wirtschaftlicher.
Geräteklassen
| Klasse | Druck | Fördermenge | Einsatz |
|---|---|---|---|
| Einstieg | rund 100 bis 150 bar | etwa 1 Liter je Minute | Wandfarben in Innenräumen bei passender Viskosität |
| Handwerk und Baustelle | ab etwa 150 bar | 2 bis 3 Liter je Minute | Dispersionsfarben, Fassadenfarben, dünne Spachtelmassen |
| Profi und Hochleistung | bis 250 bar | 4 bis 8 Liter je Minute | große Fassaden, Hallenwände, Spachtelarbeiten in einem Zug |
Düse, Druck und Fördermenge
Am Spritzbild entscheidet weniger das Gerät als die Düse. Wer hier falsch liegt, bekommt Streifen oder einen Nebel, der den Raum einstaubt.
| Größe | Bedeutung | Praxiswert |
|---|---|---|
| Düsenbezeichnung | dreistellig: erste Ziffer Winkel, letzte zwei Ziffern Bohrung in Tausendstel Zoll | 517 = 50 Grad, 0,017 Zoll Bohrung |
| Strahlbreite | ergibt sich aus Winkel und Abstand | rund 25 Zentimeter bei 30 Zentimetern Abstand |
| Druck | wird so niedrig wie möglich gewählt und nur bis zum gleichmäßigen Spritzbild erhöht | zu hoher Druck erzeugt Nebel und kostet Material |
| Fördermenge | muss zur Düse passen | ein Gerät mit 1 Liter je Minute kann eine große Düse nicht versorgen |
| Abstand | gleichmäßig zur Fläche halten | etwa 30 Zentimeter |
Vor dem Arbeiten wird das Spritzbild an einem Karton oder einer Restplatte geprüft. Ergibt sich ein gespaltener oder schwalbenschwanzförmiger Strahl, stimmen Düse, Filter oder Druck nicht.
Die ausführliche Düsentabelle mit Winkel, Bohrung und Strahlbreite je Kennung steht im Beitrag Hochdruckspritzen mit Lack.
Airless, HVLP oder Druckluft
| Verfahren | Zerstäubung | typischer Einsatz | Nebel |
|---|---|---|---|
| Airless | Material wird mit hohem Druck durch die Düse gepresst | große Flächen, Dispersions- und Fassadenfarben, Spachtelmassen | mittel bis hoch |
| HVLP | viel Luft bei niedrigem Druck | Lacke auf Möbeln, Türen und Metallteilen | gering |
| Druckluft | Kompressor mit ausreichender Luftleistung | klassische Lackierarbeiten | hoch |
| Elektro | kleine elektrische Pistolen ohne Kompressor | kleine Flächen, Ausbesserungen | gering bis mittel |
Die Verfahren sind nicht austauschbar. Für Wände und Decken mit Dispersionsfarbe ist Airless die wirtschaftliche Lösung, für Lacke auf Sichtflächen HVLP. Wie sich das beim Anstrich von Wandflächen rechnet, steht im Beitrag Wandfarbe spritzen, die Grundlagen im Lexikoneintrag Airless.
Material vorbereiten
| Material | Vorbereitung | Hinweis |
|---|---|---|
| Dispersionsfarbe | unverdünnt, durch ein Sieb geben | Verdünnen nur nach Herstellerangabe, sonst leidet die Deckkraft |
| Fassadenfarbe | unverdünnt, sieben | auf die Fördermenge des Geräts achten |
| Lacke und Lasuren | auf Spritzviskosität einstellen, mit Auslaufbecher prüfen | lösemittelhaltige Materialien brauchen passende Reinigung und Atemschutz |
| Spachtelmasse | dünnflüssig einstellen | größere Düse, niedrigerer Druck, mehr Fördermenge |
| Grundierungen | nach Herstellerangabe | häufig dünnflüssiger, kleinere Düse möglich |
Klumpen und Hautreste setzen jede Düse zu. Ein Sieb vor dem Ansaugen spart die Reinigung der Pistole während der Arbeit.
Reinigung und Pflege
| Schritt | Vorgehen |
|---|---|
| Spülen mit Wasser oder Reinigungsmittel | Pumpe, Schlauch, Pistole und Düse nacheinander, bis klares Medium austritt |
| Düse reinigen | nur mit dem passenden Werkzeug, nie mit Draht oder Nadel |
| Filter prüfen | verstopfte Filter erzeugen ein ungleichmäßiges Spritzbild |
| Einwintern | wasserbasierte Geräte und Schläuche nicht mit Restwasser lagern, mit Frostschutz spülen |
| Dichtungen prüfen | verschlissene Dichtungen führen zu Druckverlust |
Ausgehärtetes Material lässt sich nur mechanisch entfernen und kostet Zeit im nächsten Einsatz.
Mieten oder kaufen
| Fall | Empfehlung |
|---|---|
| einzelne Wohnung oder ein Haus | mieten, Gerät und Düsen kommen mit |
| wiederkehrende Arbeiten | kaufen in der Handwerksklasse |
| Fassade und Hallenwände | Profi-Gerät mieten oder kaufen, je nach Auftragsvolumen |
| Lackarbeiten auf Sichtflächen | HVLP-Pistole statt Airless |
| kleine Ausbesserungen | Rolle oder elektrische Pistole |
Arbeitssicherheit
| Gefahr | Schutzmaßnahme |
|---|---|
| Verletzung durch den Farbstrahl | niemals die Hand vor die Düse halten, Düsen nur drucklos wechseln |
| Atemwege | Atemschutz passend zum Material, mindestens Partikelfilter P2 |
| Raumluft | lüften oder absaugen, Nebel setzt sich auf allen Flächen ab |
| Elektrik | Gerät nicht in Pfützen betreiben, Leitungen prüfen |
| brennbare Materialien | Zündquellen vermeiden, lösemittelhaltige Materialien nur mit Lüftung |
| Hautkontakt | Handschuhe und Arbeitskleidung |
Der Strahl steht unter hohem Druck und kann die Haut durchdringen. Das ist ein Notfall, der ärztlich behandelt werden muss.
Was schiefgeht
| Fehler | Folge | Abhilfe |
|---|---|---|
| Düse zu groß für das Gerät | Spritzbild bricht zusammen | Fördermenge und Düse abstimmen |
| Druck zu hoch | Nebel, Materialverlust, dünnere Schicht | Druck reduzieren |
| Material nicht gesiebt | Düse setzt zu, Spritzbild stockt | vor dem Start sieben |
| Abstand schwankt | ungleichmäßige Schichtdicke und Streifen | gleichmäßig führen, Bahnen mit Überlappung |
| zu früh gestrichen | zweiter Auftrag löst den ersten an | Trockenzeiten einhalten |
| nicht ausreichend abgedeckt | Nebel auf Fenstern und Textilien | gesamten Raum abdecken |
| Gerät mit Restwasser eingelagert | Frostschaden an Pumpe und Schlauch | mit Frostschutz spülen |
| Düse mit Draht gereinigt | Bohrung beschädigt, Spritzbild dauerhaft gestört | passendes Werkzeug verwenden |
Kosten
| Position | Preisspanne |
|---|---|
| Einsteigergerät | rund 150 Euro |
| Geräte der Handwerksklasse | 237 bis 520 Euro |
| Profi- und Hochleistungsgeräte | ab etwa 595 Euro |
| Düsensatz | rund 28 Euro |
| Ersatzdüse | je nach Größe und Hersteller |
| HVLP-Pistole für Lacke | rund 65 Euro |
Bei einem Stundensatz von 50 bis 80 Euro und einer Fläche, die mit dem Gerät in einem Bruchteil der Rollzeit beschichtet wird, entscheidet die Rüstzeit über die Wirtschaftlichkeit: Abdecken, Spritzen, Reinigen. Für eine einzelne Wand bleibt die Rolle günstiger, ab etwa 100 Quadratmetern kippt die Rechnung. Das ist eine Rechnung mit offen gelegten Annahmen, keine Preisliste.

Häufige Fragen
Fazit
Ein Airless-Gerät wird über Düse, Druck und Fördermenge eingestellt, nicht über die Farbe. Für Innenräume genügt die Einsteigerklasse, für Fassaden und Spachtelarbeiten braucht es Druck und Fördermenge der Handwerks- oder Profiklasse. Wer siebt, den Druck niedrig hält und Düse und Gerät aufeinander abstimmt, bekommt ein gleichmäßiges Spritzbild. Wer die Reinigung aufschiebt, bezahlt sie beim nächsten Einsatz.






