Raumluftmessung erfasst Schadstoffe und Belastungen in der Innenraumluft – flüchtige organische Verbindungen aus Farben und Klebern, Formaldehyd, Schimmelsporen und mikrobielle Stoffwechselprodukte, die auf verdeckten Schimmelbefall hinweisen können, auch ohne dass irgendwo ein Fleck sichtbar ist. Dieser Beitrag erklärt, wann eine Messung sinnvoll ist, welche Messmethoden es gibt und wie sich die Raumluftmessung von der direkten Bauteilfeuchtemessung und der sichtbaren Schimmeldiagnose unterscheidet.
Was ist Raumluftmessung?
Raumluftmessung untersucht nicht das Bauteil selbst, sondern die Luft, die Bewohner tatsächlich einatmen. Gemessen werden je nach Fragestellung flüchtige organische Verbindungen, kurz VOC, aus Farben, Klebern und Bodenbelägen, Formaldehyd aus Holzwerkstoffen, Kohlendioxid als Indikator für die Lüftungsqualität, sowie Schimmelsporen und mikrobielle flüchtige organische Verbindungen, kurz MVOC, die auch bei verdecktem, nicht sichtbarem Schimmelbefall in der Luft nachweisbar sind.
Wann eine Messung sinnvoll ist
Typische Anlässe sind ein anhaltender, unerklärlicher Geruch nach einer Renovierung, gesundheitliche Beschwerden ohne erkennbare Ursache, oder der Verdacht auf Schimmel hinter einer Wandverkleidung oder in einem Hohlraum, wo kein sichtbarer Befall zu erkennen, aber der typische muffige Geruch präsent ist.
Grenzwerte und Richtwerte
Für die meisten Innenraumluftschadstoffe gibt es keine gesetzlich bindenden Grenzwerte, sondern Orientierungs- und Richtwerte, etwa vom Umweltbundesamt für Formaldehyd oder den TVOC-Summenwert. Diese Werte dienen als fachliche Einordnung, nicht als scharfe Rechtsnorm, und werden bei der Bewertung eines Messergebnisses zugrunde gelegt.
Messmethoden
Passivsammler
Ein kleines Sammelröhrchen oder -plättchen wird für mehrere Tage im Raum platziert und nimmt über diesen Zeitraum passiv Schadstoffe aus der Luft auf. Anschließend wird die Probe im Labor analysiert – diese Methode liefert einen zeitlich gemittelten, realitätsnahen Wert.
Aktivsammler und Direktmessung
Bei der Aktivmessung zieht eine Pumpe ein definiertes Luftvolumen durch ein Sammelmedium, was eine präzise Momentaufnahme liefert. Handmessgeräte für CO2 oder grobe VOC-Werte geben außerdem eine sofortige Anzeige vor Ort, ohne Laboranalyse, wenngleich mit geringerer Genauigkeit als eine Laborauswertung.
Schimmelsporenfalle
Eine Sporenfalle saugt Luft durch ein Klebemedium oder eine Nährbodenplatte, die anschließend mikroskopisch ausgezählt oder bebrütet wird. Der Vergleich zwischen Innen- und Außenluft zeigt, ob die Sporenkonzentration im Haus auffällig über dem natürlichen Außenniveau liegt – ein Hinweis auf eine Innenraumquelle.
Ablauf und Einordnung
Vorbereitung der Messung
Vor einer VOC- oder Formaldehydmessung wird der Raum meist für eine festgelegte Zeit nicht gelüftet, damit sich ein realistisches, alltagsnahes Konzentrationsniveau einstellt. Zu frühes Lüften vor der Messung würde das Ergebnis künstlich verbessern und die tatsächliche Belastung verschleiern.
Bewertung des Ergebnisses
Ein Laborbericht listet die gemessenen Einzelstoffe und Summenwerte auf und ordnet sie den bekannten Richtwerten zu. Bei auffälligen Werten folgt meist eine gezielte Ursachensuche, etwa die Identifikation eines bestimmten Baumaterials oder eines verdeckten Feuchteschadens als Quelle.
Folgemaßnahmen
Bestätigt die Messung eine Quelle, folgt je nach Befund eine gezielte Sanierung, etwa eine Schimmelsanierung bei mikrobieller Belastung oder ein verstärktes Lüftungskonzept bei erhöhten VOC-Werten aus Baumaterialien, die mit der Zeit von selbst nachlassen.
Zertifizierte Messstellen und Labore
Für belastbare, vor Gericht oder gegenüber Behörden verwertbare Ergebnisse werden Proben von akkreditierten Laboren ausgewertet, die nach anerkannten Prüfverfahren arbeiten. Einfache Endverbraucher-Testkits liefern eine grobe Orientierung, aber keine rechtlich belastbare Dokumentation.
Abgrenzung zu ähnlichen Messungen
Raumluftmessung vs. Schimmelentferner und Schimmelsanierung
Die Raumluftmessung ist ein diagnostischer Schritt, der einen Verdacht bestätigt oder entkräftet, bevor oder nachdem gehandelt wird. Schimmelentferner und Schimmelsanierung sind die eigentlichen Maßnahmen zur Bekämpfung eines bereits identifizierten Befalls – Diagnostik und Behandlung ergänzen sich, ersetzen sich aber nicht.
Raumluftmessung vs. Bauteilfeuchtemessung
Die Raumluftmessung erfasst, was sich in der Atemluft befindet. Eine Bauteilfeuchtemessung, etwa mit einem Feuchtemessgerät direkt an der Wand oder im Estrich, misst dagegen den Wassergehalt im Material selbst. Beide Messgrößen hängen oft zusammen, sind aber technisch und methodisch verschieden.
MVOC-Messung vs. Sichtprüfung auf Schimmel
Eine Sichtprüfung erkennt nur bereits sichtbaren Befall an der Oberfläche. Die MVOC-Messung kann auch verdeckten Schimmel hinter Verkleidungen oder in Hohlräumen aufspüren, der sich durch typische Stoffwechselprodukte in der Luft bemerkbar macht, obwohl von außen nichts zu sehen ist.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Bei Verdacht auf hohe Schimmelbelastung vor der Probenahme in belasteten Bereichen Atemschutz FFP2 oder FFP3 tragen, um während der Messvorbereitung nicht selbst Sporen einzuatmen. Bei der Entnahme in schwer zugänglichen Hohlräumen auf sichere Zugangswege und ausreichende Beleuchtung achten.
Lagerung
Sammelmedien und Probenbehälter vor der Nutzung kühl und lichtgeschützt lagern, wie vom Hersteller oder Labor vorgegeben, damit sie keine Fremdbelastung aufnehmen, bevor die eigentliche Messung beginnt.
Entsorgung
Nach der Analyse geht die Entsorgung der Probenmedien in der Regel an das durchführende Labor zurück oder erfolgt als Restabfall, sofern keine besonderen Vorgaben genannt werden.







