Perimeterdämmung ist die Wärmedämmung der erdberührten Bauteile – Kelleraußenwand und Bodenplatte – auf der Außenseite der Abdichtung. Sie muss gleichzeitig dämmen, dem Erddruck standhalten und dauerhaft im feuchten Erdreich funktionieren. Dieser Beitrag erklärt, warum dafür nur bestimmte Dämmstoffe infrage kommen, wie der Schichtaufbau an der Kellerwand und unter der Bodenplatte aussieht, welche Rolle die Dränung spielt und wie sich Perimeterdämmung von Sockel- und Fassadendämmung unterscheidet.
Was ist Perimeterdämmung?
Der Begriff Perimeter bezeichnet den erdberührten Bereich eines Gebäudes. Die Perimeterdämmung sitzt außen auf der Bauwerksabdichtung der Kellerwand oder unter der Bodenplatte und schützt diese Bauteile vor Wärmeverlust. Sie liegt dauerhaft im Erdreich, ist Feuchtigkeit, Erddruck und teils auch drückendem Wasser ausgesetzt und wird nach dem Einbau für immer verfüllt – eine spätere Korrektur ist praktisch nicht möglich.
Geeignete Dämmstoffe
Wegen der Dauerbelastung durch Feuchte und Druck kommen nur wenige Materialien infrage:
- Extrudiertes Polystyrol (XPS): der Standard – geschlossenzellig, sehr geringe Wasseraufnahme, hohe Druckfestigkeit
- Schaumglas: vollständig wasser- und dampfdicht, höchste Druckfestigkeit, für besonders belastete Bereiche wie unter tragenden Fundamenten
- Spezielles Perimeter-EPS mit geschlossener Zellstruktur: für gering belastete Bereiche oberhalb des Grundwasserspiegels, mit Herstellerfreigabe
Normales EPS, Mineralwolle und Holzfaser scheiden aus – sie saugen sich im Erdreich voll und verlieren dauerhaft ihre Dämmwirkung.
Schichtaufbau
An der Kelleraußenwand
Von innen nach außen: tragende Kellerwand, Bauwerksabdichtung (Bitumendickbeschichtung oder Dichtschlämme je nach Wasserbelastung), darauf die Perimeterdämmplatten. Die Platten werden punktuell oder wulstförmig mit einem lösemittelfreien Bitumenkleber auf die Abdichtung geklebt – niemals mechanisch bedübelt, weil jede Durchdringung die Abdichtung verletzen würde. Der Erddruck hält die Platten später zusätzlich an Ort und Stelle.
Unter der Bodenplatte
Bei der gedämmten Bodenplatte liegt die Dämmung auf der Sauberkeitsschicht, darauf folgen Abdichtung und die tragende Betonplatte. Hier muss die Dämmung das gesamte Gebäudegewicht dauerhaft ohne Kriechverformung tragen – deshalb wird die Druckfestigkeitsklasse besonders sorgfältig gewählt und bei hohen Lasten Schaumglas eingesetzt.
Schutzschicht und Dränung
Vor dem Verfüllen wird die Dämmung mit einer Noppen- oder Dränplatte abgedeckt, die sie beim Verfüllen vor Beschädigung schützt und anfallendes Sickerwasser nach unten zur Dränleitung ableitet. Eine funktionierende Ringdränung am Fundamentfuß reduziert den Wasserdruck auf Abdichtung und Dämmung erheblich und ist bei stauendem oder drückendem Wasser Pflicht.
Übergang zum Sockel
Oberhalb der Geländeoberkante geht die Perimeterdämmung in die Sockeldämmung über. Dieser Übergang wird ohne Versatz und ohne offene Fuge ausgeführt, damit keine Wärmebrücke und kein Feuchteeintritt an der Kante entsteht. Ein Sockelabschlussprofil bildet die saubere Oberkante für den anschließenden Sockelputz.
Bodenplatte: aufliegende vs. unterliegende Dämmung
Die Dämmung kann unter der tragenden Bodenplatte (perimeterseitig) oder darauf zwischen Platte und Estrich liegen. Die unterliegende Variante hält die gesamte Bodenplatte im warmen Bereich und vermeidet Wärmebrücken am Wandfuß, verlangt aber einen besonders druckfesten Dämmstoff, weil das komplette Gebäudegewicht dauerhaft auf ihr lastet.
Wärmebrücke am Fundament
Der Übergang von der Kellerwand-Perimeterdämmung zur Bodenplatte oder zum Streifenfundament ist eine klassische geometrische Wärmebrücke. Sie wird durch das Herunterziehen der Wanddämmung bis unter die Fundamentoberkante oder durch Dämmschalungselemente entschärft – ein Detail, das schon in der Planung festgelegt sein muss.
Frostschürze und Geländeanschluss
Im nicht unterkellerten Bereich verhindert eine ringförmige Perimeterdämmung entlang des Fundaments (Frostschürze), dass Frost unter die Bodenplatte zieht. Am Geländeanschluss wird die Dämmung so geführt, dass Oberflächenwasser nicht dahinter läuft.
Abgrenzung
Perimeterdämmung vs. Fassadendämmung
Fassadendämmung sitzt oberhalb des Geländes, ist trocken und wird verputzt oder bekleidet. Perimeterdämmung liegt im Erdreich, trägt Druck und Feuchte und wird verfüllt – daher die völlig andere Materialwahl.
Perimeterdämmung vs. Sockeldämmung
Die Sockeldämmung ist der sichtbare Übergangsbereich zwischen Erdreich und Fassade, meist ebenfalls aus XPS, aber verputzt und der Witterung ausgesetzt. Die Perimeterdämmung ist der unsichtbare Teil darunter im Boden.
Perimeterdämmung vs. Innendämmung des Kellers
Die Perimeterdämmung hält die Kellerwand warm und trocken, weil die Abdichtung außen und die Dämmung darüber liegt. Eine Innendämmung lässt die Wand kalt und ist bauphysikalisch heikel – sie kommt nur infrage, wenn eine Außendämmung nicht möglich ist.
Perimeterdämmung vs. Bauwerksabdichtung
Die Abdichtung hält Wasser vom Bauteil fern, die Perimeterdämmung hält Wärme im Gebäude. Beide arbeiten zusammen, ersetzen sich aber nicht – die Dämmung wird immer auf einer vorhandenen, intakten Abdichtung montiert.
Bauabnahme und Dokumentation
Weil die Perimeterdämmung nach dem Verfüllen unzugänglich ist, wird der fertige Aufbau vor dem Verfüllen fotografisch dokumentiert – Abdichtung, Klebebild der Platten, Anschlüsse und Dränung. Diese Dokumentation ist bei späteren Feuchteschäden und für die Gewährleistung von hohem Wert.
Sicherheit, Lagerung und Entsorgung
Arbeitsschutz
Arbeiten in der Baugrube erfordern eine gesicherte Böschung oder einen Verbau – einstürzende Grabenwände gehören zu den häufigsten schweren Bauunfällen. Bitumenkleber und -bahnen können lösemittelhaltig sein; auf gute Belüftung in der Grube achten, Zündquellen fernhalten und Hautkontakt vermeiden. Beim Zuschneiden von XPS entstehen Kunststoffkrümel und reizende Dämpfe.
Lagerung
Dämmplatten trocken, plan und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt lagern. Bitumenkleber frostfrei aufbewahren. Nur Material mit Eignungsnachweis für die Perimeteranwendung und die vorliegende Wasserbelastung einsetzen.
Entsorgung
XPS-Verschnitt wird als Kunststoffdämmung getrennt gesammelt. Bitumenreste und -gebinde gehören je nach Zusammensetzung in den Bau- oder Sonderabfall. Aushub mit Bitumenanhaftungen nicht mit sauberem Erdreich vermischen.







